„Right to Disconnect“: Keine Mails nach Feierabend

Paula Fenker

Von Paula Fenker ‱ ÜberprĂŒft von Psycholog*in Jasmijn Eerenberg

5 min
Eine Person mit Hut sitzt auf einem Stuhl an einem kleinen runden Tisch und liest eine Zeitung, auf dem Tisch steht eine Kaffeetasse. DarĂŒber hĂ€ngen drei Pendelleuchten in einem modernen, hellen Raum mit großen Fenstern.

In diesem Artikel

Schon mal den Laptop nach Feierabend zugemacht – und trotzdem ploppen direkt neue Arbeitsmails auf deinem Handy auf? Damit bist du nicht allein. Das Recht auf Abschalten dreht sich genau um dieses Erlebnis fĂŒr dich und viele andere Arbeitnehmer*innen.

In manchen LĂ€ndern sieht das „Right to Disconnect“ so aus: Das Recht auf Abschalten gibt dir die gesetzliche Grundlage, nach Feierabend komplett von der Arbeit abzuschalten. Du darfst abends Mails, Nachrichten und Anrufe ignorieren, ohne dir Gedanken ĂŒber mögliche Folgen zu machen.

Das Konzept ist zwar nicht neu, aber offiziell wurde es erstmals 2017 in Frankreich anerkannt – mit dem Ziel, der stĂ€ndigen Erreichbarkeit und dem “Always-on”-GefĂŒhl durch digitale GerĂ€te entgegenzuwirken.

Heute ziehen immer mehr LĂ€nder nach, wie Italien, Spanien oder Belgien. Weltweit wird das „Right to Disconnect“ diskutiert – zum Beispiel in Großbritannien, auch wenn dort aktuell noch kein Gesetz existiert.

Was umfasst das Recht auf Abschalten konkret?

So eine „Right to Disconnect“ Regelung soll sicherstellen, dass du außerhalb deiner Arbeitszeit:

  • Mails und Kurznachrichten
  • Anrufe und Videokonferenzen
  • berufliche Social-Media-Kommunikation
  • und jede andere Arbeitsanfrage

ganz entspannt wÀhrend deiner privaten Zeit aussparen kannst.

Warum ist das wichtig? Unser Gehirn braucht echten Ausgleich, damit wir leistungsfĂ€hig und kreativ bleiben. StĂ€ndige Erreichbarkeit fĂŒhrt dazu, dass Pausen zu Gunsten vermeintlicher ProduktivitĂ€t geopfert werden.

Stell dir vor, du lĂ€dst dein Handy auf und benutzt es gleichzeitig weiter – der Akku wird einfach nie richtig voll. Genau so funktioniert auch dein Körper.

Das Recht auf Abschalten bedeutet nicht, Verantwortung zu umgehen. Es geht darum, gesunde Grenzen zu setzen – damit du in den Arbeitszeiten wirklich leistungsfĂ€higer und kreativer bist.

Doch wie sieht das Abschalten eigentlich im Alltag aus? Lass uns anschauen, wie du es fĂŒr dich umsetzen kannst, auch wenn dein Land (noch) kein entsprechendes Gesetz hat.

Weltweiter Ausblick: Wo gibt es schon Regelungen?

Das Recht auf Abschalten verbreitet sich weltweit – aber jedes Land geht anders damit um. Lass uns einmal schauen, wie das Thema international umgesetzt wird:

Frankreich war 2017 Vorreiter und hat das erste formelle Gesetz eingefĂŒhrt: Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden mĂŒssen gemeinsam mit den Teams besprechen, wie außerhalb der Arbeitszeit kommuniziert wird.

Aber Frankreich ist nicht mehr allein. So sieht es in anderen LĂ€ndern aus:

  • Irland fĂŒhrte 2021 einen Verhaltenskodex ein und sichert damit das Recht, außerhalb der Arbeitszeiten nicht erreichbar zu sein
  • In Belgien ist es FĂŒhrungskrĂ€ften verboten, Angestellte außerhalb der Arbeitszeiten zu kontaktieren (Ausnahme: NotfĂ€lle)
  • Portugal verbietet Arbeitgeber*innen generell, Mitarbeitende außerhalb der Arbeitszeit zu kontaktieren
  • Australien hat das „Right to Disconnect“ in einigen TarifvertrĂ€gen verankert
  • Spanien schreibt Unternehmen vor, eine Richtlinie zur digitalen Erreichbarkeit einzufĂŒhren
  • Im Vereinigten Königreich gibt es bisher kein spezifisches Gesetz, aber immer mehr wird ĂŒber das Recht auf Abschalten am Arbeitsplatz gesprochen
  • In Kalifornien wird derzeit ein Gesetz diskutiert, das Mitarbeitenden erlaubt, nach Feierabend nicht zu reagieren

Interessant: Die „Right to Disconnect“ Umsetzung wird ganz unterschiedlich gehandhabt. Manche LĂ€nder können VerstĂ¶ĂŸe bestrafen, andere setzen eher auf Freiwilligkeit oder interne Regelungen.

Dass es Regeln gibt, wie (und ob) man nach Feierabend kontaktiert wird, zeigt vor allem: Deine mentale Gesundheit zÀhlt mindestens genauso viel wie wirtschaftliche Kennzahlen.

Warum ist das so wichtig fĂŒr dein Wohlbefinden?

Das GefĂŒhl, immer erreichbar sein zu mĂŒssen, begegnet Jasmijn – Psychologin bei OpenUp – sehr hĂ€ufig in GesprĂ€chen mit Klient*innen.

“Der Druck, stets verfĂŒgbar zu sein, kann unterschiedliche Ursachen haben,” erklĂ€rt Jasmijn. “Es kann an realen Erwartungen vom Arbeitgebenden liegen, aber auch daran, dass Mitarbeitende meinen, sie wĂ€ren nur dann gute Angestellte, wenn sie immer erreichbar sind (ihre eigene Wahrnehmung).”

Dauernde Erreichbarkeit (auch nach Feierabend) wirkt oft wie Engagement – ist aber StĂ€ndige Arbeitsanforderungen außerhalb der regulĂ€ren Zeiten können zu folgenden Herausforderungen fĂŒhren:

  • Chronischer Stress
  • Schlafstörungen
  • Emotionale Erschöpfung
  • Belastete Beziehungen
  • Schwierigkeiten beim Abschalten
  • Probleme, sich von einem arbeitsreichen Tag zu erholen

Denk immer an das Handy-Beispiel: Wird es beim Laden benutzt, erreicht es nie die volle Batterie. FĂŒr dein Gehirn und deinen Körper gilt dasselbe.

Menschen, die sich echtes Abschalten erlauben, kommen mit frischer Energie, neuen Ideen und besserer Konzentration zurĂŒck. Pause ist kein Luxus, sondern die Grundlage fĂŒr Wohlbefinden und gute Leistungen.

Praktische Tipps: So schĂŒtzt du deine freie Zeit

Du musst nicht erst auf Gesetze warten, um auf dich selbst zu achten und gesunde Grenzen zu setzen. Hier ein paar Tipps, die du direkt ausprobieren kannst:

  • Schalte nach Feierabend die Benachrichtigungen von Arbeits-Apps aus
  • Stimme im Team ab, was als “außerhalb der Arbeitszeit” gilt – und was nicht
  • Nutze Mail-Tools, um Nachrichten zeitversetzt zu versenden
  • KlĂ€re gemeinsam, was wirklich “dringend” ist
  • Priorisiere SelbstfĂŒrsorge und Grenzensetzen
  • Sei ein Vorbild – besonders, wenn du FĂŒhrungsverantwortung hast

So hilft OpenUp

Bei OpenUp unterstĂŒtzen wir Organisationen dabei, digitale mentale Gesundheit effektiv umzusetzen – mit echten, praktischen Lösungen, damit sich Mitarbeitende nicht nur gehört, sondern auch wirklich geschĂŒtzt fĂŒhlen.

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