Schon mal den Laptop nach Feierabend zugemacht – und trotzdem ploppen direkt neue Arbeitsmails auf deinem Handy auf? Damit bist du nicht allein. Das Recht auf Abschalten dreht sich genau um dieses Erlebnis für dich und viele andere Arbeitnehmer*innen.
In manchen Ländern sieht das „Right to Disconnect“ so aus: Das Recht auf Abschalten gibt dir die gesetzliche Grundlage, nach Feierabend komplett von der Arbeit abzuschalten. Du darfst abends Mails, Nachrichten und Anrufe ignorieren, ohne dir Gedanken über mögliche Folgen zu machen.
Das Konzept ist zwar nicht neu, aber offiziell wurde es erstmals 2017 in Frankreich anerkannt – mit dem Ziel, der ständigen Erreichbarkeit und dem “Always-on”-Gefühl durch digitale Geräte entgegenzuwirken.
Heute ziehen immer mehr Länder nach, wie Italien, Spanien oder Belgien. Weltweit wird das „Right to Disconnect“ diskutiert – zum Beispiel in Großbritannien, auch wenn dort aktuell noch kein Gesetz existiert.
Was umfasst das Recht auf Abschalten konkret?
So eine „Right to Disconnect“ Regelung soll sicherstellen, dass du außerhalb deiner Arbeitszeit:
- Mails und Kurznachrichten
- Anrufe und Videokonferenzen
- berufliche Social-Media-Kommunikation
- und jede andere Arbeitsanfrage
ganz entspannt während deiner privaten Zeit aussparen kannst.
Warum ist das wichtig? Unser Gehirn braucht echten Ausgleich, damit wir leistungsfähig und kreativ bleiben. Ständige Erreichbarkeit führt dazu, dass Pausen zu Gunsten vermeintlicher Produktivität geopfert werden.
Stell dir vor, du lädst dein Handy auf und benutzt es gleichzeitig weiter – der Akku wird einfach nie richtig voll. Genau so funktioniert auch dein Körper.
Das Recht auf Abschalten bedeutet nicht, Verantwortung zu umgehen. Es geht darum, gesunde Grenzen zu setzen – damit du in den Arbeitszeiten wirklich leistungsfähiger und kreativer bist.
Doch wie sieht das Abschalten eigentlich im Alltag aus? Lass uns anschauen, wie du es für dich umsetzen kannst, auch wenn dein Land (noch) kein entsprechendes Gesetz hat.
Weltweiter Ausblick: Wo gibt es schon Regelungen?
Das Recht auf Abschalten verbreitet sich weltweit – aber jedes Land geht anders damit um. Lass uns einmal schauen, wie das Thema international umgesetzt wird:
Frankreich war 2017 Vorreiter und hat das erste formelle Gesetz eingeführt: Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden müssen gemeinsam mit den Teams besprechen, wie außerhalb der Arbeitszeit kommuniziert wird.
Aber Frankreich ist nicht mehr allein. So sieht es in anderen Ländern aus:
- Irland führte 2021 einen Verhaltenskodex ein und sichert damit das Recht, außerhalb der Arbeitszeiten nicht erreichbar zu sein
- In Belgien ist es Führungskräften verboten, Angestellte außerhalb der Arbeitszeiten zu kontaktieren (Ausnahme: Notfälle)
- Portugal verbietet Arbeitgeber*innen generell, Mitarbeitende außerhalb der Arbeitszeit zu kontaktieren
- Australien hat das „Right to Disconnect“ in einigen Tarifverträgen verankert
- Spanien schreibt Unternehmen vor, eine Richtlinie zur digitalen Erreichbarkeit einzuführen
- Im Vereinigten Königreich gibt es bisher kein spezifisches Gesetz, aber immer mehr wird über das Recht auf Abschalten am Arbeitsplatz gesprochen
- In Kalifornien wird derzeit ein Gesetz diskutiert, das Mitarbeitenden erlaubt, nach Feierabend nicht zu reagieren
Interessant: Die „Right to Disconnect“ Umsetzung wird ganz unterschiedlich gehandhabt. Manche Länder können Verstöße bestrafen, andere setzen eher auf Freiwilligkeit oder interne Regelungen.
Dass es Regeln gibt, wie (und ob) man nach Feierabend kontaktiert wird, zeigt vor allem: Deine mentale Gesundheit zählt mindestens genauso viel wie wirtschaftliche Kennzahlen.
Warum ist das so wichtig für dein Wohlbefinden?
Das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen, begegnet Jasmijn – Psychologin bei OpenUp – sehr häufig in Gesprächen mit Klient*innen.
“Der Druck, stets verfügbar zu sein, kann unterschiedliche Ursachen haben,” erklärt Jasmijn. “Es kann an realen Erwartungen vom Arbeitgebenden liegen, aber auch daran, dass Mitarbeitende meinen, sie wären nur dann gute Angestellte, wenn sie immer erreichbar sind (ihre eigene Wahrnehmung).”
Dauernde Erreichbarkeit (auch nach Feierabend) wirkt oft wie Engagement – ist aber Ständige Arbeitsanforderungen außerhalb der regulären Zeiten können zu folgenden Herausforderungen führen:
- Chronischer Stress
- Schlafstörungen
- Emotionale Erschöpfung
- Belastete Beziehungen
- Schwierigkeiten beim Abschalten
- Probleme, sich von einem arbeitsreichen Tag zu erholen
Denk immer an das Handy-Beispiel: Wird es beim Laden benutzt, erreicht es nie die volle Batterie. Für dein Gehirn und deinen Körper gilt dasselbe.
Menschen, die sich echtes Abschalten erlauben, kommen mit frischer Energie, neuen Ideen und besserer Konzentration zurück. Pause ist kein Luxus, sondern die Grundlage für Wohlbefinden und gute Leistungen.
Praktische Tipps: So schützt du deine freie Zeit
Du musst nicht erst auf Gesetze warten, um auf dich selbst zu achten und gesunde Grenzen zu setzen. Hier ein paar Tipps, die du direkt ausprobieren kannst:
- Schalte nach Feierabend die Benachrichtigungen von Arbeits-Apps aus
- Stimme im Team ab, was als “außerhalb der Arbeitszeit” gilt – und was nicht
- Nutze Mail-Tools, um Nachrichten zeitversetzt zu versenden
- Kläre gemeinsam, was wirklich “dringend” ist
- Priorisiere Selbstfürsorge und Grenzensetzen
- Sei ein Vorbild – besonders, wenn du Führungsverantwortung hast
So hilft OpenUp
Bei OpenUp unterstützen wir Organisationen dabei, digitale mentale Gesundheit effektiv umzusetzen – mit echten, praktischen Lösungen, damit sich Mitarbeitende nicht nur gehört, sondern auch wirklich geschützt fühlen.