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Kein Spielraum für Fehler
Was wir von einer Kinderchirurgin über Verantwortung, Druck und mentale Stärke lernen können
„Wir operieren ja nicht am offenen Herzen.“
Ein Satz, den viele von uns schon einmal gehört oder selbst gesagt haben. Oft gut gemeint. Oft als Versuch, Druck zu relativieren.
In der aktuellen Podcast Folge von OpenUp mit René Adler & Milan Marcus bekommt dieser Satz eine neue Bedeutung. Denn unser Gast tut genau das.
Kinderchirurgin Miriam Fattouh arbeitet dort, wo Entscheidungen nicht vertagt werden können. Wo es keine zweite Chance gibt. Und wo Verantwortung nicht theoretisch ist, sondern ganz konkret.
Druck fühlt sich nicht immer gleich an
Im Gespräch erzählt Miriam etwas, das viele überrascht. Sie empfindet ihre Arbeit nicht primär als Druck, sondern als Verantwortung.
Eltern vertrauen ihr das Wertvollste an, das sie haben. Dieses Vertrauen ist spürbar. Und es bleibt. Gleichzeitig beschreibt sie, dass Druck für sie nicht dort entsteht, wo man ihn vermuten würde.
Nicht jede OP ist gleich. Nicht jede Situation planbar. Und manchmal verändert sich alles innerhalb weniger Minuten.
Dann gibt es keinen Raum, jemanden um Rat zu fragen. Kein Nachlesen. Kein Zurück.
Diese Momente zeigen, wie unterschiedlich Druck erlebt werden kann. Und dass mentale Stärke nicht bedeutet, nichts zu fühlen. Sondern klar zu bleiben, wenn es darauf ankommt.
Erfahrung bringt Ruhe, aber keine Gleichgültigkeit
Ein weiterer Gedanke aus dem Gespräch bleibt besonders hängen.
Mit wachsender Erfahrung kommt mehr Ruhe. Aber diese Ruhe darf niemals Respekt ersetzen. Miriam betont, dass jede OP ernst genommen werden muss. Auch die, die vermeintlich klein oder routiniert wirkt.
Routine kann Sicherheit geben. Sie darf aber nicht dazu führen, dass Aufmerksamkeit nachlässt. Genau hier liegt eine wichtige Parallele zu vielen anderen Berufen.
Auch im Arbeitsalltag ausserhalb des OPs treffen wir Entscheidungen, die Menschen beeinflussen. Vielleicht nicht auf dieselbe Weise. Aber oft mit ähnlicher Verantwortung.
Rollen helfen, unter Druck zu funktionieren
Miriam beschreibt sehr eindrücklich, wie sie zwischen verschiedenen Rollen wechselt.
Im OP ist sie hoch fokussiert. Bedürfnisse treten in den Hintergrund. Alles richtet sich auf den nächsten Schritt. Diese klare Rolle hilft ihr, in komplexen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Nach der OP verändert sich etwas. Gespräche mit den Eltern. Erleichterung. Emotionen. Nähe.
Diese Übergänge passieren nicht zufällig. Sie entstehen durch Rituale, Abläufe und bewusste Vorbereitung. Auch das ist mentale Arbeit.
Viele Menschen kennen das aus anderen Kontexten. Vor einem wichtigen Termin. Vor einem Auftritt. Vor einer Entscheidung mit Tragweite. Rollen können schützen. Und sie können stabilisieren.
Abgrenzung ist eine Herausforderung
Ein Thema, das im Gespräch immer wieder auftaucht, ist Abgrenzung.
In sozialen und medizinischen Berufen wird oft erwartet, immer verfügbar zu sein. Für Kolleg*innen. Für Patient*innen. Für andere.
Miriam beschreibt ehrlich, dass Abgrenzung nicht immer klar stattfindet. Das Handy bleibt in der Nähe. Gedanken gehen mit nach Hause. Verantwortung endet nicht automatisch mit Feierabend.
Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig es ist, Wege zu finden, um wieder bei sich anzukommen. Zeit mit der Familie. Bewegung. Gespräche. Kleine Pausen, die Kraft geben.
Ohne diese Momente wird es auf Dauer zu viel.
Warum mentale Gesundheit unter Hochdruck so wichtig ist
Das Gespräch mit Miriam zeigt sehr deutlich, was mentale Gesundheit im Kern bedeutet.
Nicht immer weniger Belastung. Sondern ein gesunder Umgang damit.
Zu wissen, wann Fokus gefragt ist. Und wann Erholung notwendig wird. Zu erkennen, dass Stärke nicht darin liegt, alles auszuhalten. Sondern darin, rechtzeitig für sich zu sorgen.
Diese Erkenntnisse gelten nicht nur für den OP. Sie gelten für Führungskräfte, für HR, für Teams. Und für alle, die Verantwortung tragen.
Was du für dich mitnehmen kannst
Vielleicht arbeitest du nicht unter lebensentscheidendem Druck. Und trotzdem kennst du Situationen, in denen viel von dir erwartet wird.
Das Gespräch lädt dazu ein, den eigenen Umgang mit Verantwortung zu reflektieren.
- Wie fühlt sich Druck für dich an
- Welche Routinen geben dir Sicherheit
- Und wo brauchst du bewusst Zeit, um abzuschalten
Mentale Stärke entsteht nicht von allein. Sie wächst, wenn wir uns Raum geben, darüber zu sprechen und Unterstützung anzunehmen.
Hör jetzt rein
🎧 Kein Spielraum für Fehler: Kinderchirurgin Miriam Fattouh über Entscheidungen unter Hochdruck
Die Folge ist jetzt auf Spotify und YouTube verfügbar.
Wenn du merkst, dass Verantwortung und Druck dich gerade stark begleiten, bist du damit nicht allein. Bei OpenUp findest du einen geschützten Raum, um darüber zu sprechen.
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