So löst du Konflikte am Arbeitsplatz

Niamh Pardi
Fenya Leah Nadolny

Von Niamh Pardi & Fenya Leah Nadolny Überprüft von Psycholog*in Paul Hessels

6 min
illustratie van twee collega's in een conflict

Warum vermeiden wir Konflikte so oft, obwohl sie zu besseren Entscheidungen führen können? Konflikte sind selten angenehm, aber oft notwendig. Sie helfen uns, anders zu denken, unser Vorgehen zu überdenken und neue Perspektiven einzunehmen. So verstehen wir nicht nur andere besser, sondern auch uns selbst und unsere Werte. Meinungsverschiedenheiten gehören im Arbeitsalltag dazu, mit Kolleg*innen ebenso wie mit Führungskräften. Entscheidend ist nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern sie konstruktiv zu nutzen.

Psychologe Paul Hessels zeigt, wie man Konflikte am Arbeitsplatz professionell und konstruktiv lösen kann.

Warum du Konflikte nicht vermeiden solltest

Laut einem Artikel vonPsychCentral führt das Vermeiden von Konflikten meist nur dazu, dass es später zu noch größeren Auseinandersetzungen kommt. „Der Artikel bezieht sich zwar auf romantische Beziehungen, aber das Gleiche gilt auch für unsere Arbeitsbeziehungen“, erklärt Paul.

„Die Reibung, die entsteht, wenn man sich uneinig ist, hilft dabei, einander besser zu verstehen und gemeinsam bessere Ideen zu entwickeln. Konflikte sind immer subjektiv; es geht um deine Wahrnehmung der Situation.“

Das Gespräch über unterschiedliche Ansichten, Ideale und Meinungen verbessert die Zusammenarbeit und Kommunikation im Team. Unterschiedliche Meinungen sind nichts Schlechtes, auch nicht am Arbeitsplatz.

Der erste Schritt ist, eine Meinungsverschiedenheit nicht als Problem oder Rückschlag zu sehen, sondern als Chance, neue Wege zu entdecken und einander besser kennenzulernen. Das fördert langfristig die Zusammenarbeit im Team. 

Was verursacht Konflikte am Arbeitsplatz?

Konflikte am Arbeitsplatz sind ein ganz normaler Bestandteil jedes beruflichen Umfelds. Bei so vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, Perspektiven und Prioritäten lassen sich Meinungsverschiedenheiten kaum vermeiden. Laut einer Studie der Myers-Briggs Company müssen fast 40 % der Beschäftigten regelmäßig mit Konflikten umgehen. Paul erklärt dazu:

„Wir müssen Menschen beibringen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen – vielleicht sogar, sie anzunehmen. Konflikte werden immer auftreten. Es gibt so viele Menschen und so viele unterschiedliche Meinungen. Der beste Weg, damit umzugehen, ist zu lernen, offen darüber zu sprechen.“

Der Hauptgrund für Konflikte mit Kolleg*innen oder Führungskräften ist schlechte Kommunikation – das zeigt auch die Studie von Myers-Briggs. Der Harvard Business Review nennt zudem drei weitere Auslöser: mangelnde Transparenz bei Leistungserwartungen, unrealistische Zeitvorgaben und unklare Aufgaben- und Rollenverteilungen.

Aber ich mag keine Konflikte …

Nur wenige Menschen lernen bewusst, wie man Konflikte richtig löst, egal ob kleine Meinungsverschiedenheiten oder große Auseinandersetzungen. Deshalb neigen viele dazu, Konflikte zu vermeiden.

Wenn du Konflikte vermeidest, um niemanden zu verletzen, nennt man das konfliktvermeidendes Verhalten. Oft steckt dahinter die Angst, nicht mehr sympathisch für andere zu wirken oder gemocht zu werden. Das ist natürlich menschlich, aber nicht immer hilfreich.

Mögliche Verhaltensweisen sind zum Beispiel, dass du Angst hast, dich auszudrücken, Konflikte lieber leugnest, in Auseinandersetzungen scherzhaft reagierst, deine Meinung für dich behältst, wenn du nicht übereinstimmst, oder dass es dir wichtig ist, dass andere dich mögen.

All das tust du, um den Frieden zu wahren, aber letztlich bist du dabei nicht gut zu dir selbst. Wenn du Konflikte vermeidest, löst du keine der tatsächlichen Probleme und unterdrückst deine Emotionen. Studien zeigen, dass sich das sowohl auf deine körperliche als auch auf deine psychische Gesundheit auswirken kann.

Paul erklärt: „Kurzfristig ist Konfliktvermeidung bequem, aber auf Dauer dauert der Konflikt weiter. Irgendwann wird die Angst vor der Konfrontation größer als die Konfrontation selbst.“

💡 Dieser Artikel von PsychCentral beleuchtet konfliktvermeidendes Verhalten und zeigt auf, was du stattdessen tun kannst.

6 Tipps zum Umgang mit Konflikten auf der Arbeit

Der Schlüssel, um Konflikte konstruktiv zu bewältigen? Die Perspektive wechseln und sie als Chance für Wachstum sehen. Die folgenden Schritte helfen dir, Konflikte mit mehr Selbstvertrauen und Klarheit anzugehen.

🕒 Wähle den richtigen Zeitpunkt & Ort

Einen Konflikt nebenbei an der Kaffeemaschine anzusprechen, wirkt vielleicht locker, ist aber oft nicht die beste Lösung. Du möchtest das Gespräch nicht abbrechen müssen, nur weil die andere Person zu einem Meeting weiter muss. Achte darauf, einen Ort und Zeitpunkt zu wählen, an dem ihr euch ungestört austauschen könnt.

🎬 Konzentriere dich aufs Verhalten (nicht Persönlichkeit)

Wenn du einen Konflikt ansprichst, fokussiere dich auf konkrete Handlungen und Situationen, nicht auf den Charakter der anderen Person. Anstatt Vorwürfe zu machen oder Schuld zuzuschieben, schildere, wie die Situation auf dich gewirkt hat.

Verwende dafür „Ich“-Botschaften wie: „Ich habe mich übergangen gefühlt, als mein Beitrag im Meeting nicht berücksichtigt wurde“ statt „Du hörst mir nie zu.“

Indem du das Gespräch auf Verhalten und dessen Auswirkungen lenkst, schaffst du Raum für Verständnis und Lösungen, ohne die Spannung zu erhöhen.

👂Höre aktiv zu

Höre zu, um die andere Person besser zu verstehen. Stelle Fragen. Versuche, nicht zu unterbrechen, und achte darauf, wirklich nachzuvollziehen, aus welcher Perspektive die andere Person spricht. Hilfreich kann es sein, sich darauf zu einigen, dass beide ihre Sicht der Dinge schildern, ohne dass die andere Person dazwischenredet. Das zwingt euch dazu, wirklich zuzuhören, statt direkt in die Verteidigung zu gehen.

🌱 Klärt Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Kläre, wo ihr übereinstimmt und wo nicht. Fasse zusammen, was du gehört hast, und stellt sicher, dass ihr beide das Gleiche meint. Gemeinsame Sichtweisen anzuerkennen, schafft eine kooperative Atmosphäre und erleichtert es, Unterschiede anzugehen. Wenn weiterhin Uneinigkeit besteht, konzentriere dich darauf, einen fairen Mittelweg zu finden, statt deinen Standpunkt durchsetzen zu wollen. Kompromisse bedeuten nicht nachzugeben, sondern gemeinsam eine Lösung zu finden, die beide Perspektiven respektiert.

☯️ Arbeitet gemeinsam an einer Lösung

Sprecht darüber, wie ihr weiter vorgehen wollt und was zuerst geklärt werden muss. Identifiziert das dringendste Thema und einigt euch darauf, wie ihr es angeht. Ein klarer, gemeinsamer Plan hilft, weitere Missverständnisse zu vermeiden und den Fokus auf Fortschritt statt auf vergangene Frustrationen zu richten.

💬 Haltet die Kommunikation offen

Nachdem ihr den Konflikt besprochen habt, ist es wichtig, die Kommunikation gut aufrechtzuerhalten. Bleib offen und ansprechbar, gib bei Gelegenheit ehrliche Rückmeldungen und erkenne Fortschritte an. Regelmäßige kurze Check-ins können das gegenseitige Verständnis stärken und zukünftige Missverständnisse verhindern.

Möchtest du eine bestimmte Herausforderung besprechen?

Egal, ob du mehr Anleitung zur Lösung eines Konflikts benötigst oder etwas anderes auf dem Herzen hast – unsere Experten sind hier, um dir zu helfen.

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