High Performende: So förderst du ihr Wohlbefinden

OpenUp Redaktion

Von OpenUp Redaktion Überprüft von Psycholog*in Eva Rüger

7 min

In diesem Artikel

Stell dir vor, du gewinnst einen Wettbewerb im Kuchenessen, bei dem der Preis noch mehr Kuchen ist. Das spiegelt das Dilemma der High Performenden wider: Je mehr sie geben, desto mehr nehmen andere, da sie durch ihre harte Arbeit oft zusätzliche Arbeit bekommen. Dieser Kreislauf kann sich negativ auf das mentale Wohlbefinden auswirken: High Performende sind überproportional häufig mit Burnout und den damit zusammenhängenden Herausforderungen konfrontiert.

Als Führungskraft spielst du eine entscheidende Rolle dabei, frühe Anzeichen von Belastung bei deinen Leistungsträgern zu erkennen und ihnen zu helfen, gesund zu bleiben. Herausforderungen im Bereich der mentalen Gesundheit können in jedem Unternehmen auftreten, besonders häufig jedoch in Arbeitsumgebungen, in denen Menschen sich dauerhaft stark engagieren und viel Verantwortung übernehmen. Die entscheidende Frage lautet: Wie kannst du sie so unterstützen, dass sie weiterhin gute Arbeit leisten können, ohne in einen Burnout zu geraten?

Warum sind High Performende häufig von Burnout betroffen?

Jede*r fünfte High Performer*in kämpft mit psychischen Herausforderungen. Sie neigen eher dazu, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, Beförderungen aktiv anzustreben und Überstunden zu leisten.

Die Arbeitsgewohnheiten von High Performende können zum Teil erklären, warum sie häufiger mit mentalen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Bei OpenUp sehen wir unter anderem folgende Gründe dafür:

  • Einen Triathlon absolvieren, ein Meisterwerk malen, den Mont Blanc besteigen: Wer im Beruf High Performer*in ist, ist es auch oft in seinem oder ihrem Privatleben. Ruhe und Erholung sind zweitrangig.
  • High Performende haben öfter den Drang, sich zu beweisen. Sich selbst und anderen gegenüber. Sie wollen jedes Mal ein bisschen besser werden.

Wenn sie wissen, dass deine Kund*innen viel Geld für die Dienstleistungen eures Unternehmens bezahlen, dann fühlen sie sich weniger dazu berechtigt, einen Tag oder sogar eine Woche frei zu nehmen.

Doch auch durch betriebliche Gewohnheiten wird (oft unbewusst) Druck auf das mentale Wohlbefinden von High Performer*innen ausgeübt:

  • Ihnen werden schwierigere Projekte zugewiesen.
  • Von ihnen wird erwartet, dass sie leistungsschwächere Teammitglieder unterstützen.
  • Sie werden häufiger bei Dingen, die nicht ihre eigentliche Arbeit betreffen, um Unterstützung gebeten.
  • In Spitzenunternehmen gibt es oft ein Up-or-Out-System, (das heißt entweder wird man befördert oder entlassen) oder mehrere Teammitglieder ringen um dieselbe Beförderung.
  • (Extreme) Überstunden werden als normaler Teil der Tätigkeit angesehen oder sind sogar erwünscht.
  • Es herrscht eine Kultur, in der es als „uncool“ gilt, offen über Gefühle zu sprechen.

Du möchtest mehr über Burnout erfahren?

Lerne, Warnsignale früh zu erkennen und dein Team gezielt zu unterstützen.

Erkenne mentale Belastungen bei High Performenden

Die einfachste Art, mentale Schwierigkeiten in deinem Team zu erkennen, ist, wenn es dir offen erzählt wird. Eine Unternehmenskultur, in der offen über Gefühle gesprochen werden kann, ist daher besonders wichtig. Darauf werden wir später noch genauer eingehen.

Andere Anzeichen für mentale Herausforderungen oder sogar Burnout sind:

  • Wirken abgelenkt und weniger engagiert in Meetings und bei Veranstaltungen
  • Vermeidung von sozialen Aktivitäten
  • Nachlassende Produktivität
  • Häufige Krankmeldungen
  • Wenig Geduld, schnelle Reizbarkeit
  • Schwierigkeiten, mit Feedback umzugehen
  • Vergesslichkeit und nachlässige Fehler
  • Klagen über Müdigkeit, Schlafprobleme oder körperliche Beschwerden (z.B. Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen)

So kannst du High Performende unterstützen

Wenn Burnout-Symptome auftreten, ist es oft schon zu spät, um sie zu verhindern. Stattdessen ist es effektiver, proaktiv Strategien umzusetzen, die deinen Teammitgliedern helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Und das geht so:

1. Ermögliche es, Projekte selbst auszuwählen

Oft werden die anspruchsvollsten Projekte an leistungsstarke Teammitglieder vergeben, was ihren ohnehin schon vollen Terminkalender noch weiter belastet. Wenn möglich, solltest du den High Performenden in deinem Team die Möglichkeit geben, Projekte auszuwählen, damit sie ein besseres Gleichgewicht erreichen können.

Ein kurzes Gespräch kann dabei helfen, Ambition und Wohlbefinden in Einklang zu bringen.
„Hier sind die Möglichkeiten: Welche davon klingt für dich interessant und welche würde dich im Moment vielleicht zu sehr beanspruchen?“

Auf diese Weise förderst du ihren Antrieb und hilfst ihnen zugleich, langfristig gesund zu arbeiten.

2. Ermutige zu Offenheit im Team

Es ist nicht immer leicht, ehrlich darüber zu sprechen, wie es einem wirklich geht, besonders im Arbeitskontext. Teile offen (und angemessen) mit, wie es dir geht, und lade auch dein Team dazu ein. Das kann schon damit beginnen, eine kurze Reflexion im Meeting zu teilen, eine Herausforderung anzusprechen oder zu erzählen, was dir durch eine stressige Woche geholfen hat.

Im Anschluss kannst du zum Beispiel fragen:
„Wie fühlt sich diese Woche für dich an? Gibt es etwas, das sich schwerer oder leichter anfühlt als sonst?“

Indem du solche Check-ins normalisierst, machst du es High Performenden leichter, frühzeitig etwas anzusprechen, bevor sich Stress aufbaut. Falls dein Team zusätzliche Unterstützung oder Werkzeuge benötigt, kannst du sie auch auf OpenUp hinweisen, für weiterführende Begleitung und Hilfestellung rund um ihr Wohlbefinden.

3. Führe eine „No questions asked“-Politik, wenn jemand einen zusätzlichen freien Tag benötigt

Wenn ein Teammitglied sagt, dass es sich nicht gut fühlt, lass die Person ohne Nachfragen einen Schritt zurücktreten. Ziel ist es, ihr zunächst Raum zu geben und später nachzuhaken, wenn sie in einem besseren Zustand ist, um darüber zu sprechen. Ein kurzes Check-in, sobald sie wieder im Büro oder online ist, hilft dir zu verstehen, was los ist und welche Unterstützung sie vielleicht benötigt.

Natürlich sind Muster ebenfalls wichtig. Wenn jemand regelmäßig krank ausfällt oder Schwierigkeiten hat, Erwartungen zu erfüllen, braucht es ein anderes Gespräch, eines, das Themen wie Arbeitslast, Klarheit, Grenzen oder zugrunde liegende Herausforderungen in den Blick nimmt.

Sei dabei besonders aufmerksam bei High Performenden: Sie bitten häufig erst dann um Hilfe, wenn ihre Energie bereits fast aufgebraucht ist. Warte nicht, bis es zu spät ist, um die eigentlichen Ursachen anzugehen.

4. Rate davon ab, dass Überstunden gemacht werden

Wir hören immer wieder Geschichten über Teams, die ganze Nächte durcharbeiten und als zähe Kämpfer*innen gepriesen werden. Für uns ist das ein absolutes No-Go.

Natürlich braucht ein Projekt manchmal einen zusätzlichen Schub, um die Ziellinie zu erreichen. Aber wenn lange Arbeitstage und Wochenendarbeit als selbstverständlich vorausgesetzt werden, ist ein Burnout quasi vorprogrammiert.

Wenn dir auffällt, dass ein Teammitglied ständig überarbeitet ist, führe ein persönliches Gespräch und arbeitet gemeinsam daran, das Arbeitspensum zu verringern.

5. Identifiziere die Stressfaktoren in deinem Team

Nicht jedes Unternehmen funktioniert nach einem „Up-or-out“-Modell, aber viele High Performende spüren dennoch den Druck, sich ständig beweisen zu müssen oder um Sichtbarkeit zu konkurrieren. Bevor du zu Lösungen übergehst, nimm dir Zeit, zu verstehen, was dein Team stresst: Das können Arbeitsbelastung, unklare Prioritäten, enge Deadlines oder unausgesprochene Erwartungen an die Erreichbarkeit sein.

Als Führungskraft kannst du vielleicht nicht die gesamte Unternehmenskultur verändern, aber du kannst sehr wohl das Umfeld gestalten, in dem dein Team täglich arbeitet. Schau dir an, was in deinem Einflussbereich liegt: wie Aufgaben verteilt werden, wie Erfolg definiert ist, wie mit Pausen und Erholung umgegangen wird und wie offen über Belastung gesprochen werden kann.

High Performende leisten einen enormen Beitrag für dein Unternehmen. Wenn du dich auf die Faktoren konzentrierst, die du beeinflussen kannst, stellst du sicher, dass sie langfristig gesund, motiviert und in der Lage bleiben, ihre beste Arbeit zu leisten.

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