Umgang mit Stress in der Pflege: praktische Techniken

Manchmal geht dir eine Schicht noch stundenlang nicht aus dem Kopf. Diese Techniken helfen dir, während und zwischen deinen Schichten abzuschalten.
OpenUp Redaktion

Von OpenUp Redaktion Überprüft von Psycholog*in Kim Schlüter

13 min
Eine Frau mit langen Haaren macht mit ihrem Handy ein Selfie. Über ihr lächelt ein Cartoon-Gehirn mit Armen und meditiert, während zwei Sprechblasen mit Auslassungspunkten daneben schweben.

In diesem Artikel

Annemarie arbeitet seit Jahren in der Altenpflege und übernimmt ein paar Nachtschichten pro Woche. Seit den Wechseljahren schläft sie schlechter. Die Unruhe einer vollen Schicht bleibt ihr abends noch im Kopf. Wir begleiten Annemarie in diesem Artikel als Beispiel, denn ihr geht es wie vielen: Techniken für den Umgang mit Stress in der Pflege können ihr spürbar helfen. Ihre Woche zeigt, wie sich Stress aufbaut, selten durch eine einzige Sache, meistens durch mehrere gleichzeitig.

Im Folgenden gehen wir gemeinsam durch, was während einer Schicht hilft, was zwischen den Schichten hilft und was auf der Ebene deiner Organisation wirkt. Und wir schauen, wann ein Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen den Unterschied macht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was während einer Schicht hilft. Kurze Atem- und Erdungsübungen wie Box Breathing und der physiologische Seufzer, dazu Mikropausen und eine klare Ich-Botschaft, wenn du Unterstützung brauchst.
  • Was zwischen den Schichten hilft. Deinen Körper entladen, ein festes Ritual zwischen Arbeit und Zuhause, deinen Schlaf rund um Nachtschichten schützen, dir Rückhalt im Team oder psychologische Unterstützung holen und rechtzeitig merken, wann eine harte Woche zu viel wird.
  • Was auf Organisationsebene hilft. Mehr Mitsprache bei den Dienstplänen, eine kurze Teamreflexion nach schweren Schichten, eine offene Gesprächskultur und niedrigschwelliger, direkter Zugang zu psychologischer Unterstützung, der zu wechselnden Schichten passt.

Was bedeutet Stressmanagement in der Pflege?

Stressmanagement in der Pflege verbindet Techniken, die du selbst einsetzt, mit Unterstützung von deiner Arbeit, damit du hohe Arbeitsbelastung, emotionale Anforderungen und einschneidende Situationen besser bewältigst. Es wirkt auf zwei Ebenen zugleich.

Auf deiner Seite geht es um Techniken und kurze Pausen während der Schicht, um Entladen und guten Schlaf danach und darum, deine eigenen Signale rechtzeitig zu erkennen. Auf der Seite deiner Arbeit geht es um den Dienstplan, Raum für Reflexion, geschulte Führungskräfte und direkten Zugang zu psychologischer Unterstützung.

Denk an Annemarie. Sie übernimmt ein paar Nachtschichten, und danach bleibt ihr Kopf unruhig. Mit einer Atemübung kommt sie durch die Schicht. Den echten Unterschied macht es, wenn ihr Arbeitsplatz mitzieht: Raum zum Durchatmen, eine Führungskraft, die das Gespräch eröffnet, und schneller Zugang zu einer Psychologin oder einem Psychologen.

Stress in der Pflege entsteht selten aus einem einzigen Grund. Personalmangel, Zeitdruck, Schichtarbeit und die ständige Nähe zu Leid kommen oft zusammen. Erste Warnsignale sind zum Beispiel schlechterer Schlaf trotz Müdigkeit, schneller gereizt zu sein oder das Gefühl, dich auf einen freien Tag nicht mehr freuen zu können.

Laut dem DAK-Psychreport 2025 entfielen 2024 in der Altenpflege 573 psychisch bedingte Fehltage auf 100 Beschäftigte, bis zu 71 % mehr als im Durchschnitt aller Berufe. Das liegt selten an den Menschen selbst und meistens daran, wie die Arbeit organisiert ist.

Was hilft während einer Schicht?

Ein paar kurze Techniken können deinen Stress während einer Schicht lindern. Sie brauchen keine Hilfsmittel und passen zwischen zwei Aufgaben.

1) Atmung und Erdung. Drei Techniken, die schnell wirken:

  • Box Breathing. Vier Sekunden ein, vier halten, vier aus, vier Pause. Drei bis fünf Runden, angenehm, bevor du ein volles Zimmer betrittst.
  • Der physiologische Seufzer. Zweimal kurz durch die Nase einatmen und dann langsam durch den Mund ausatmen. Ein paar Wiederholungen beruhigen dich oft schon innerhalb einer Minute.
  • 5-4-3-2-1-Erdung. Benenne fünf Dinge, die du siehst, vier, die du hörst, drei, die du fühlst, zwei, die du riechst, und eins, das du schmeckst. Hilft vor allem nach einem einschneidenden Moment.

Das wirkt, weil eine ruhige Ausatmung und gezielte Aufmerksamkeit deinen Parasympathikus aktivieren. Dieses System signalisiert deinem Körper, dass die Gefahr vorbei ist. Dein Puls sinkt und du fühlst dich ruhiger.

2) Gönn dir eine Mikropause. Wasch dir bewusst die Hände und spür das warme Wasser, hol dir in Ruhe einen Kaffee oder geh kurz für etwas Tageslicht nach draußen. Geh auch auf die Toilette, wenn es nötig ist, denn Einhalten erzeugt unbewusst zusätzliche Anspannung. Was du genau tust, ist weniger wichtig als die Tatsache, dass du dir die Pause gönnst.

3) Sorg nebenbei für deinen Körper. Halte eine Flasche Wasser griffbereit, denn Flüssigkeitsmangel führt zu Kopfschmerzen und Müdigkeit, die deinen Stress verstärken. Gute Schuhe klingen nach einer Kleinigkeit, aber Schmerzen in den Füßen oder im Rücken wirken sich direkt darauf aus, wie du dich fühlst.

4) Bleib bei einer Sache. Es gibt immer mehr zu tun, als Zeit da ist. Arbeite deine Liste Schritt für Schritt ab und akzeptiere, dass du nicht alles gleichzeitig löst. Kommt die Anspannung von etwas Ethischem, dem Gefühl, nicht die Pflege geben zu können, die nötig wäre, dann benenne das für dich. Das ist moral distress. Es früh zu erkennen, hilft dir, es später anzusprechen.

5) Such Unterstützung und zeig deine Grenzen. Teil es mit einer Kollegin oder einem Kollegen, wenn der Druck steigt, oft erleichtert das und ihr könnt Aufgaben gemeinsam neu verteilen. Eine klare Ich-Botschaft hilft: „Ich bin gerade voll und brauche in zehn Minuten Hilfe bei Zimmer X.“ Und rechtzeitig Nein zu sagen, verhindert, dass du dich überlastest.

Was hilft zwischen den Schichten?

Zwischen den Schichten liegt deine Erholung. Es geht darum, deinen Körper zu entladen, Arbeit und Zuhause zu trennen und rechtzeitig zu merken, wie es dir geht.

1) Entlade zuerst deinen Körper. Während einer Schicht stapeln sich Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin. Dein Körper will sie loswerden, bevor dein Kopf zur Ruhe kommt. Ein zügiger Spaziergang von etwa 20 Minuten, eine Runde Radfahren oder Laufen wirkt gut. Dreht dein Kopf weiter auf Hochtouren, probier die progressive Muskelentspannung: Spann eine Muskelgruppe ein paar Sekunden bewusst an und lass sie dann ganz los, von den Füßen bis zu den Schultern.

2) Schaff einen klaren Übergang zwischen Arbeit und Zuhause. Zieh dich um, sobald du nach Hause kommst, als Signal, dass deine Schicht wirklich vorbei ist. Schreib danach kurz auf, was dir noch im Kopf steckt: die unerledigten Aufgaben, das Gespräch, das hängen blieb, die Sorge um eine Bewohnerin. Dieser Braindump holt es aus deinem Kopf und aus deiner Nachtruhe.

3) Schütze deinen Schlaf rund um Nachtschichten. Schlaf ist deine wichtigste Erholung und gerade bei Wechselschichten am empfindlichsten. Morgenlicht nach einer Nachtschicht bremst die Bildung von Melatonin, wodurch du schwerer einschläfst. Setz deshalb eine dunkle Brille auf, wenn du nach Hause fährst. Versuch danach mindestens vier Stunden am Stück zu schlafen und trink in den Stunden vor dem Schlafen kein Koffein mehr.

4) Wahre deine Grenzen auch außerhalb der Schicht. Sieh Erholung als etwas, das du einplanst, genau wie eine Schicht. Halte deinen Dienstplan und deine freie Zeit strikt getrennt und trau dich, eine Extraschicht abzulehnen, wenn du merkst, dass du leer bist.

5) Such soziale Unterstützung. Sprich mit Kolleg*innen oder Freunden, die in derselben Branche arbeiten, sie verstehen genau, was du erlebst. Such daneben bewusst Ablenkung bei Menschen außerhalb der Pflege, damit die Arbeit nicht dein ganzes Leben ausfüllt.

6) Verlagere deinen Fokus mit einem Hobby. Eine Tätigkeit, die deine volle Aufmerksamkeit verlangt, wie Kochen, Lesen, Gärtnern oder Musikhören, gibt deinem Kopf eine Pause von der Arbeit.

7) Achte auf deine eigenen Signale. Schlechter schlafen trotz Müdigkeit, ein kürzeres Zündholz oder das Gefühl, dich auf einen freien Tag nicht mehr freuen zu können, sind frühe Anzeichen. Annemarie merkte es an ihrem Schlaf: Der kam selbst an freien Tagen nicht mehr zurück. Die Faustregel, die Psycholog*innen oft nutzen, sind zwei bis vier Wochen. Halten Beschwerden so lange an oder kehren sie jede Woche zurück, dann ist es mehr als eine harte Woche.

Reden ist kein Zeichen von Schwäche. Je früher du es teilst, desto schneller hast du wieder Luft. Und wenn Ruhe und Routine nicht reichen, kann ein Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen dich weiterbringen. Lies auch, wie du verhinderst, dass daraus ein Burnout wird.

Was hilft auf Organisationsebene?

Einzelne Techniken halten nur stand, wenn die Arbeitsumgebung mitzieht. Ein paar Dinge machen auf Teamebene wirklich einen Unterschied:

1) Gib mehr Mitsprache bei den Dienstplänen. Wer Einfluss auf die eigenen Schichten hat, erlebt oft weniger Stress zwischen Arbeit und Privatleben. Fang bei den Teams an, in denen der Druck am höchsten ist.

2) Ermögliche direkten, niedrigschwelligen Zugang zu psychologischer Unterstützung. Sorg dafür, dass Mitarbeitende schnell mit einer Psychologin oder einem Psychologen sprechen können, ohne Warteliste und ohne Überweisung, in mehreren Sprachen und auch abends, am Wochenende und nach einer Nachtschicht. Ein Partner wie OpenUp füllt das aus.

3) Besprich eine schwere Schicht kurz danach. Schon eine kurze, feste Nachbesprechung, in der sich Kolleg*innen nach einer Schicht ein paar Fragen stellen, nimmt Druck heraus. Sie passt in die tägliche Übergabe. Praktische Anregungen dafür bietet die INQA-Handlungshilfe „Kein Stress mit dem Stress“ für die Pflege.

4) Gib Raum für moralische Dilemmata. Eine strukturierte ethische Fallbesprechung, zum Beispiel nach der Nimwegener Methode, hilft Teams, schwierige Situationen in wenigen Schritten besprechbar zu machen.

5) Bau eine offene Gesprächskultur auf. Ermutige Führungskräfte, ein sicheres Umfeld zu bieten, in dem Fehler, Zweifel und Gefühle besprechbar sind.

6) Erkenne früh. In Deutschland ist die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen gesetzlich vorgeschrieben (§ 5 ArbSchG). Kombiniere sie mit einem kurzen Team-Check und einem digitalen Instrument wie dem Vitalitäts-Check von OpenUp, das individuelle Signale und Trends pro Team zusammenführt. Der Vitalitäts-Check ersetzt die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung nicht, sondern ergänzt sie. Lies auch, wie du eine hohe Belastung in der Pflege früh erkennst.

7) Mach Ruhe räumlich möglich. Ein reizarmer Raum, in dem jemand kurz auftanken kann, klingt nach einer Kleinigkeit, macht an einer vollen Schicht aber einen Unterschied.

8) Stärke deine Führungskräfte. Teamleitungen bemerken Signale oft zuerst. Eine kurze Schulung hilft ihnen, diese zu erkennen und das Gespräch zu eröffnen, bevor eine Krankmeldung nötig wird. Bei OpenUp ist das Teil der Schulung für Führungskräfte.

Wie OpenUp Pflegeteams unterstützt

Viele Pflegeeinrichtungen arbeiten mit OpenUp als 360-Grad-Partner für mentales Wohlbefinden mit viel Erfahrung in der Pflege. Was das deinem Team bietet:

  • Direkter und unbegrenzter Zugang zu Psycholog*innen. Du buchst selbst ein Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen, ohne Überweisung und ohne dass HR davon erfährt. Ein erstes Gespräch steht innerhalb von 48 Stunden in deinem Kalender, oft schneller, auch abends, am Wochenende und nach einer Nachtschicht, in mehr als 40 Sprachen.
  • Eine Gesundheitsberatung. Für Schlaf, Hormone, Ernährung und Erholung ist eine Gesundheitsberatung für dich da.
  • Ein Finanzcoaching. Geldsorgen sind eine ernstzunehmende Stressquelle in der Pflege, dafür bieten wir Finanzcoaching an.
  • Der Vitalitäts-Check mit HR-Dashboard. In zehn Minuten siehst du über zehn Themen hinweg, wo der Druck liegt, vollständig anonym. Deine persönlichen Ergebnisse bleiben privat, und als HR siehst du über ein anonymisiertes Dashboard die Wohlbefindens-Trends pro Team, sodass du früh handeln kannst.
  • Maßgeschneiderte Sessions für Teams und Führungskräfte. Gemeinsam mit OpenUp richtest du Sessions rund um das Thema ein, das gerade ansteht, von Stress bis Widerstandsfähigkeit.
  • Selbst aktiv werden. Wer im eigenen Tempo arbeiten möchte, findet über Selbstständiges Lernen eine Bibliothek mit kurzen Kursen und Übungen zu Stress, Schlaf, Fokus und Widerstandsfähigkeit.
  • Zugang für die Familie. Mit OpenUp Familie können auch Partner*innen und bis zu drei Familienmitglieder die Plattform nutzen.

OpenUp steht nicht neben deinem Fehlzeiten-Management, sondern ist ein integrierter Teil davon: von der Prävention über die Triage bis zur Wiedereingliederung und zurück zur Prävention. Das meiste wird präventiv aufgefangen, und wenn eine spezialisierte Behandlung nötig ist, verweisen wir gezielt weiter.

Pflegekräfte empfehlen OpenUp mit 9,7 von 10. 84 % fühlen sich besser für das gewappnet, was kommt, und 82 % erholen sich schneller von persönlichen Rückschlägen (OpenUp Impact Report).

Annemarie hat nach ihrem Vitalitäts-Check eine Gesundheitsberatung zum Thema Schlaf und ein erstes Gespräch mit einer Psychologin gebucht. Beides stand innerhalb von 48 Stunden in ihrem Kalender, das Gespräch an einem Dienstagabend nach ihrer Schicht.

Deine Daten bleiben in der EU, sind ISO 27001-zertifiziert und DSGVO-konform. Jede Organisation bekommt ein festes Customer-Success-Team.

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Direkter und unbegrenzter Zugang zu Psycholog*innen, ohne Warteliste und ohne Hürde.

Häufige Fragen zu Stress in der Pflege

Ist Stress in der Pflege normal?

Ein gewisses Maß an Stress gehört zu vielen Schichten dazu und ist nicht per se schädlich. Kritisch wird es, wenn die Anspannung dauerhaft bleibt und dein Körper keine Erholung mehr findet. Als Faustregel gilt: Halten Beschwerden wie Schlafprobleme oder Gereiztheit länger als zwei bis vier Wochen an oder kehren sie jede Woche zurück, ist es mehr als eine harte Woche.

Was hilft sofort bei akutem Stress während einer Schicht?

Kurze Techniken, die ohne Hilfsmittel funktionieren. Box Breathing (vier Sekunden ein, vier halten, vier aus, vier Pause), der physiologische Seufzer oder die 5-4-3-2-1-Übung beruhigen dein Nervensystem innerhalb von ein, zwei Minuten. Danach hilft eine bewusste Mikropause. Mehr dazu findest du weiter oben im Abschnitt zu den Techniken während einer Schicht.

Nutzen ältere Pflegekräfte oder Kolleg*innen ohne Laptop das wirklich?

Ja. Gerade in dieser Gruppe sehen wir oft starkes Engagement. OpenUp funktioniert auf dem Handy, ohne Arbeits-E-Mail oder Laptop. Beim Rollout helfen Poster und QR-Codes auf der Station, eine Führungskraft kann direkt verweisen, und es gibt Unterstützung in mehr als 40 Sprachen. Die Hürde liegt nicht im Alter, sondern in der Zugänglichkeit. Wenn der Zugang niedrigschwellig ist, ist Alter kein Hindernis. Ein festes Customer-Success-Team überlegt mit, was zu deinen Teams passt.

Wie passt das in unseren bestehenden Fehlzeiten- und Wiedereingliederungsprozess?

OpenUp schließt an dein betriebliches Gesundheitsmanagement an und arbeitet mit dem Betriebsarzt oder der Betriebsärztin zusammen. In der präventiven Phase fangen wir Belastungen auf, bevor sie zu Fehlzeiten führen, und bei der Wiedereingliederung begleiten wir die Rückkehr an den Arbeitsplatz. Wenn jemand eine spezialisierte psychotherapeutische Behandlung braucht, verweisen wir gezielt weiter. So wird mentale Unterstützung ein fester Teil deines Fehlzeiten-Zyklus, vom Erkennen bis zur Erholung.

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