Vier Arten von Belastung in der Pflege, und was hilft

Erfahre, woher Belastung in der Pflege kommt, wie sie sich zeigt und was konkret hilft, bevor sie in Überlastung kippt.
Paula Fenker

Von Paula Fenker Überprüft von Psycholog*in Britt Slief

16 min
Illustration eines Arztes, der auf eine Frau zeigt, die Schmerzen zu haben scheint. Dies wird durch orangefarbene Blitze in der Nähe ihres Kopfes und ihrer Hand angezeigt, die auf Unbehagen oder Symptome hinweisen.

In diesem Artikel

Wenn jemand fragt, wie es im Dienst war, antwortest du oft schlicht „anstrengend“ und meinst damit mehrere Dinge gleichzeitig. Den Rücken nach dem Lagern. Die Anspannung, dass im Übergabeprotokoll nichts vergessen wird. Den Bewohner, der heute Morgen gestorben ist. Den Anruf von zu Hause, weil dein Kind dich an drei Abenden hintereinander nicht gesehen hat.

Das alles fällt unter „Belastung in der Pflege“. Aber es sind unterschiedliche Arten von Belastung mit unterschiedlichen Ursprüngen, Anzeichen und Hebeln. Wer sie auseinanderhalten kann, kann gezielt eingreifen. Wer sie nur als ein großes Klumpengefühl wahrnimmt, hat selten das richtige Werkzeug zur Hand.

In diesem Artikel ordnen wir Belastung in der Pflege nach ihren vier Arten. Du erfährst, wo jede Art herkommt, wie sie sich bei dir zeigt und was konkret hilft, bevor sie in Überlastung kippt. Am Ende liest du, wie Arbeitgeber Belastung früh erkennen und wo OpenUp dabei ansetzt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Pflegekräfte waren 2025 im Schnitt 27,8 Tage krankgeschrieben, Altenpflegekräfte 32,7 Tage. Psychische Erkrankungen sind dabei die häufigste Diagnose (TK, Mai 2026).
  • Belastung in der Pflege hat vier Arten: körperlich, psychisch, emotional und sozial. Jede verlangt nach eigenen Strategien.
  • Belastung ist nicht dasselbe wie Überlastung. Sie wird zur Überlastung, wenn Erholung über Wochen ausbleibt. Wer den Übergang früh erkennt, kann ihn aufhalten.
  • Bei OpenUp bekommen Pflegekräfte direkten und unbegrenzten Zugang zu Psycholog*innen, kostenlos über ihren Arbeitgeber.

Belastung, Überlastung, Burnout: wo stehst du gerade?

Belastung im Pflegealltag wird erst zum Problem, wenn keine Erholung mehr stattfindet und der Körper nicht mehr in einen Ausgangszustand zurückkommt. Ab da spricht man von Überlastung. Hält die Überlastung an, kippt sie in Burnout. Wer diesen Verlauf kennt, erkennt früher, wo er gerade steht.

  • Belastung beschreibt die Anforderungen, die der Dienst an dich stellt. Nach freien Tagen oder einer guten Nacht erholst du dich davon. Du bist müde, aber Körper und Kopf kommen wieder in einen Ausgangszustand.
  • Überlastung ist der Zustand, in dem die Erholung über Wochen nicht mehr ausreicht. Die Belastungsforschung beschreibt einen kaskadierenden Verlauf: erst chronische Müdigkeit und Schlafprobleme, dann erste körperliche Beschwerden wie Magenprobleme oder Tinnitus, dann depressive Verstimmungen.
  • Burnout ist die chronische Variante, mit Erschöpfung, Zynismus und reduzierter Wirksamkeit über einen längeren Zeitraum, oft viele Monate. Mehr dazu in unserem Artikel zu Burnout in der Pflege.

Das ist keine Diagnose-Skala, sondern eine Orientierung. Drei Fragen helfen dir, ehrlich einzuschätzen, wo du gerade stehst:

  1. Erholst du dich nach zwei freien Tagen oder fühlst du dich auch am Sonntagabend noch wie am Freitagabend?
  2. Hast du körperliche Beschwerden, die du noch vor sechs Monaten nicht hattest? Magen, Schlaf, Kopf, Rücken, anhaltende Verspannung.
  3. Reagierst du seit Wochen anders auf Patient*innen oder Kolleg*innen, als du das von dir kennst, zynischer, distanzierter, gereizter?

Wenn du eine der Fragen klar mit Ja beantwortest, ist es Zeit, hinzuschauen. Wenn du zwei oder drei mit Ja beantwortest, ist es Zeit, etwas zu verändern.

Genau dort setzen die vier Belastungsarten an: jede zeigt sich anders, jede verlangt nach anderen Antworten. Wer sie auseinanderhält, erkennt früher, was die eigene Erschöpfung gerade speist.

Welche Belastungen gibt es in der Pflege?

In den meisten Pflegeberufen wirken mehrere Arten von Belastung gleichzeitig. Trotzdem belastet jede Art unterschiedlich, zeigt sich unterschiedlich und braucht unterschiedliche Strategien. Eine Pflegekraft mit Bandscheibenproblemen braucht andere Hebel als eine, die nach einer Sterbebegleitung nicht abschalten kann.

Frag dich beim Lesen: welche der vier Arten belastet mich gerade am stärksten? Da liegt dein wichtigster Hebel.

1) Körperliche Belastung

Wer sich am Tag wieder und wieder über ein zu niedriges Bett beugt, spürt das abends. Körperliche Belastung ist in der Pflege messbar hoch: Laut BARMER Pflegestudie 2.0 (2023) sind 62,3 Prozent der Pflegekräfte oft oder immer körperlich erschöpft.

Woher sie kommt:

  • Heben, Lagern und Umbetten von Patient*innen
  • Langes Stehen und Gehen über die ganze Schicht
  • Häufiges Bücken und Drehbewegungen mit Last
  • Fehlende oder defekte Hebehilfen, zu niedrige Betten

Wie sie sich zeigt:

  • Rückenschmerzen, vor allem im unteren Rücken
  • Schulter- und Nackenverspannungen
  • Knieschmerzen nach längeren Diensten
  • Eine Erschöpfung, die sich anders anfühlt als „müde“, eher wie „der Körper hat keine Reserven mehr“

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) dokumentierte 2018 und 2019 rund 3.500 Verdachtsmeldungen auf eine Berufskrankheit der Lendenwirbelsäule allein aus Alten- und Krankenpflege.

Was hilft:

  • Hebehilfen konsequent nutzen, auch wenn es im Stress „länger dauert“. Die BGW empfiehlt Gleitmatten, Rutschbretter, Bettzügel, Haltegürtel und bei mobilitätseingeschränkten Personen technische Hebehilfen.
  • Kollegial bitten, nicht allein lösen. Beim Lagern und Umbetten zu zweit zu arbeiten reduziert die Last auf die Wirbelsäule erheblich.
  • Bewegung als Ausgleich, nicht als Zusatzlast. Nach Diensten mit viel Stehen helfen Mobilitätsübungen und moderate Kräftigung des Rückens.
  • Frühe Warnzeichen ernst nehmen. Rückenschmerzen, die länger als zwei Wochen anhalten, gehören zur Hausärzt*in. Wer wartet, riskiert chronische Beschwerden.

2) Psychische Belastung

Auf dem Heimweg gehen dir noch drei Bewohner durch den Kopf, denen heute mehr Zeit gut getan hätte. Das ist psychische Belastung in einer ihrer leisesten Formen. In der Pflege summiert sich dieses Gefühl oft schneller als in anderen Berufen.

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Krankheitsursachen in der Pflege: Laut TK-Auswertung 2026 waren Pflegekräfte 2025 deswegen an 5,7 Tagen krankgeschrieben, der Durchschnitt aller Berufsgruppen liegt bei 3,3 Tagen.

Woher sie kommt:

  • Anhaltender Zeitdruck durch Personalmangel. Laut BARMER Pflegestudie 2.0 müssen 66 Prozent der Pflegekräfte oft oder immer sehr schnell arbeiten, ein deutlicher Anstieg gegenüber 53,6 Prozent vor der Pandemie.
  • Hohe Verantwortung mit wenig Handlungsspielraum. Du triffst Entscheidungen für vulnerable Menschen, ohne immer die nötige Rückendeckung oder Zeit zur Abwägung zu haben.
  • Moralische Belastung: das Gefühl, fachlich nicht das leisten zu können, was nötig wäre, weil Zeit, Personal oder Mittel fehlen.
  • Mentale Daueranspannung. Ständige Unterbrechungen, parallele Dokumentationspflichten und schnelle Wechsel zwischen Aufgaben halten dein Gehirn auch in vermeintlich ruhigen Momenten in Alarmbereitschaft.
  • Fehlende Wertschätzung als Verstärker. Hohe Anstrengung bei niedriger Anerkennung gilt arbeitspsychologisch als zentraler Stressverstärker. Laut BARMER erfahren nur 23,8 Prozent der Pflegekräfte regelmäßig Wertschätzung durch die Führung.

Wie sie sich zeigt:

  • Schwierigkeit, nach dem Dienst abzuschalten
  • Schlechter einschlafen oder nachts aufwachen, mit dem Dienst im Kopf
  • Konzentrationsprobleme, kleine Vergesslichkeiten bei Routineaufgaben
  • Reizbarkeit, kürzere Geduld mit Patient*innen und Angehörigen
  • Anhaltende Anspannung, die auch in der Freizeit nicht ganz weggeht

Was hilft:

  • Ein bewusstes Übergangsritual zwischen Dienst und Privatleben. Ein bestimmter Song auf der Heimfahrt, Dienstkleidung sofort ablegen, eine kurze Dusche bevor irgendetwas anderes beginnt. Das psychologische Abschalten ist einer der bestuntersuchten Schutzfaktoren gegen anhaltenden Stress.
  • Prioritäten gemeinsam mit Kolleg*innen klären. Bei dauerhaft hohem Zeitdruck hilft kein „besser planen“. Hilfreich ist die Frage: Was machen wir heute bewusst nicht, damit das Wichtigste sicher gelingt?
  • Grenzen setzen bei Zusatzdiensten. „Ich kann den Zusatzdienst übernehmen, sobald ich meine aktuellen Aufgaben abgeschlossen habe. Im Moment habe ich dafür keine Kapazität.“
  • Eigene Stressverstärker erkennen. Innerer Perfektionismus verstärkt äußeren Druck und macht den Unterschied zwischen Belastung und Überlastung kleiner, als er sein müsste.

3) Emotionale Belastung

Wer einen langjährigen Bewohner oder Patienten verliert und kurz darauf in den nächsten Routineablauf wechseln muss, kennt emotionale Belastung. Sie ist nicht messbar wie ein Rückenschmerz, aber sie schlägt durch: Laut BARMER Pflegestudie 2.0 sind 51,8 Prozent der Pflegekräfte oft oder immer emotional erschöpft.

Woher sie kommt:

  • Sterbebegleitung und Trauer von Angehörigen
  • Konfrontation mit Aggression von Patient*innen, körperlich oder verbal
  • Tägliche Nähe zu Leid, ohne Raum, es zu verarbeiten
  • Emotionale Dissonanz: Professionalität und Freundlichkeit zeigen, auch wenn du innerlich anders fühlst

Wie sie sich zeigt:

  • Du fühlst dich emotional leer am Ende eines Dienstes
  • Mitgefühlsmüdigkeit: du fühlst gar nicht mehr richtig mit, was sonst Mitgefühl ausgelöst hätte (mehr dazu in den häufig gestellten Fragen)
  • Zynismus oder Distanz zu Menschen, denen du dich eigentlich nah fühlen möchtest
  • Innere Taubheit nach besonders schweren Schichten

Was hilft:

  • Kollegialer Austausch nach belastenden Diensten. Nicht der Plausch in der Pause, sondern ein bewusst gesetztes kurzes Gespräch über das, was schwer war.
  • Intervision oder strukturierte Reflexion, wenn deine Einrichtung das anbietet. Ein moderierter Rahmen schützt das emotionale Reservoir besser als jede einzelne Pause.
  • Trauerarbeit erlauben, auch im Beruflichen. Es ist normal, um Bewohner*innen zu trauern, mit denen du jahrelang gearbeitet hast. Wegdrücken führt langfristig zu emotionaler Abstumpfung.
  • Frühzeitig professionell sprechen. Mit einer Psycholog*in über die emotionale Seite des Berufs zu sprechen, ist kein Eingeständnis von Schwäche.

4) Soziale Belastung

Am dritten Wochenende hintereinander im Dienst merkst du, wie Freundeskreis und Familie sich an deine Verfügbarkeit anpassen, nicht umgekehrt. Soziale Belastung entsteht, wenn der Schichtdienst mit dem Rhythmus von Familie und Freunden kollidiert. Sie wird selten als „Belastung“ erkannt, summiert sich aber über Monate.

Woher sie kommt:

  • Schichtdienst, der mit dem Rhythmus von Familie und Freunden kollidiert
  • Wochenend- und Feiertagsdienste, wenn andere frei haben
  • Nachtdienste, die soziales Leben in Erholungsphasen drängen
  • In der ambulanten Pflege: lange Touren allein im Auto, ohne Teamrückhalt

Wie sie sich zeigt:

  • Du siehst Familie und Freunde seltener als du möchtest
  • Verabredungen werden schwerer, Beziehungen brüchiger
  • Gefühl der Isolation, obwohl du den ganzen Tag mit Menschen arbeitest
  • Du fühlst dich „aus der Welt der anderen“ herausgenommen, weil dein Rhythmus ein anderer ist

Was hilft:

  • Soziale Anker bewusst schützen. Ein fester Abend pro Woche mit Familie oder Freund*innen, der nicht verhandelbar ist. Spontaneität geht im Schichtdienst nicht, Verlässlichkeit schon.
  • Den Dienstplan früh teilen. Familie und Freunde können dich besser einplanen, wenn sie deinen Rhythmus kennen. Sichtbarkeit reduziert die Frustration auf beiden Seiten.
  • In der ambulanten Pflege: aktiv kollegiale Verbindung suchen. Ein kurzer Anruf an eine Kollegin nach einem schwierigen Hausbesuch macht einen großen Unterschied.
  • Andere im Schichtdienst finden. Pflegekräfte aus anderen Einrichtungen, Schichtarbeitende aus anderen Branchen, Online-Communities. Wer ähnliche Rhythmen hat, versteht ohne Erklärung.

Wann Belastung kippt: die Schwelle ernst nehmen

Belastung ist Teil des Berufs. Überlastung ist es nicht. Der Übergang verläuft schleichend, und genau das ist das Problem. Wer wartet, bis es „wirklich nicht mehr geht“, wartet zu lange.

Die häufigsten Warnzeichen, dass Belastung in Überlastung kippt:

  • Erholung greift nicht mehr. Du brauchst nicht mehr ein Wochenende, sondern eine Woche, um dich nach einer Arbeitswoche wieder normal zu fühlen. Und auch dann nicht ganz.
  • Körperliche Symptome bleiben. Was als gelegentliche Magenbeschwerden anfing, wird zur Regel. Schlafstörungen werden chronisch. Kopfschmerzen häufen sich.
  • Die emotionale Reaktion verändert sich. Du wirst gereizter, schneller zynisch oder distanziert. Oder umgekehrt: du fühlst gar nichts mehr, auch nicht, was sonst Mitgefühl ausgelöst hätte.
  • Das Verhalten verändert sich. Du arbeitest mehr, nicht weniger, weil du das Gefühl hast, sonst nicht hinterherzukommen. Pausen fallen aus, soziale Kontakte werden seltener.

Wenn du dich in zwei oder mehr dieser Punkte wiedererkennst, ist der Schritt zur Überlastung wahrscheinlich bereits getan. Das ist kein Versagen. Das ist eine Information. Und sie ist gut nutzbar, solange du sie früh hast.

Wie du das Gespräch mit der Stationsleitung anfängst

Wer Warnzeichen erkennt, braucht oft als nächsten Schritt ein Gespräch mit der Stations- oder Pflegedienstleitung. Das ist meistens der schwerste Schritt, weil er sich anfühlt wie eine Schwäche-Erklärung. Es ist keine. Es ist Berufsausübung.

Was sich bewährt: das Gespräch früh ansetzen, konkret beschreiben, was du beobachtest, und mit einem Vorschlag kommen, nicht nur mit einem Problem. Drei Satzanfänge, die du wörtlich nutzen kannst:

  • Beobachtung benennen: „Ich merke seit einigen Wochen, dass ich nach den Diensten nicht mehr richtig herunterkomme. Ich würde das gerne mit dir besprechen, bevor es größer wird.“
  • Konkret machen, was wirkt: „Was mich aktuell am stärksten belastet, ist [Übergaben, Doppelbesetzung in Nachtschichten, die Aggressionssituationen auf Zimmer X]. Hast du eine Idee, wo wir ansetzen können?“
  • Mit Lösungsoption kommen: „Ich würde gerne für die nächsten vier Wochen [keine Doppelschichten / einen festen freien Tag pro Woche / eine kollegiale Reflexion nach belastenden Diensten] vereinbaren. Wäre das möglich?“

Wenn die Stationsleitung nicht zugänglich ist oder das Gespräch nicht weiterhilft, gibt es weitere Wege: Betriebs- oder Personalrat, betriebliches Gesundheitsmanagement, betriebsärztlicher Dienst, oder eine externe psychologische Anlaufstelle wie OpenUp.

Welche Folgen unbehandelte Belastung haben kann, zeigt die BARMER Pflegestudie 2.0: 38,6 Prozent der Pflegekräfte denken über einen Berufsausstieg nach. Frühes Eingreifen ist nicht nur Selbstschutz, es ist auch das, was Pflegekräfte langfristig im Beruf hält.

Wenn die Symptome bereits seit mehreren Monaten anhalten und ein Gefühl der Erschöpfung, des Zynismus und der reduzierten Wirksamkeit dominiert, lies unseren ausführlichen Leitfaden zu Burnout in der Pflege. Dort findest du, was bei einer Diagnose hilft und wie der Weg zurück aussieht.

Wie Arbeitgeber Belastung in der Pflege früh erkennen

Persönliche Strategien wirken, aber sie haben Grenzen. Studien zeigen, dass selbst die resilientesten Pflegekräfte ausbrennen, wenn die strukturellen Rahmenbedingungen nicht stimmen. Der entscheidende Hebel auf Arbeitgeberseite ist nicht die spätere Intervention, sondern die frühe Erkennung. Wer Belastung sieht, bevor sie in Überlastung kippt, kann mit kleinen Anpassungen viel verändern. Vier Ebenen helfen dabei.

1) Führungskräfte als erste Beobachtungsebene

Stationsleitung, Pflegedienstleitung und Teamleitung sehen oft Muster, die in der offiziellen Statistik viel später auftauchen. Sie sind die wichtigste Frühwarn-Instanz, weil sie tägliche Team-Dynamiken kennen. Worauf sie achten sollten:

  • Häufung von Kurzzeitfehltagen, vor allem montags und freitags
  • Vermehrte Diensttausche und kurzfristige Einspring-Anfragen
  • Pflegekräfte, die plötzlich mehr arbeiten, Pausen ausfallen lassen und keine Hilfe annehmen
  • Veränderungen im Verhalten: stiller Rückzug, mehr Reizbarkeit, weniger Beteiligung im Team

Voraussetzung: Führungskräfte brauchen selbst Zeit und Schulung, um Gespräche über Belastung zu führen. Wer Signale sieht, ohne sie ansprechen zu können, sieht sie irgendwann nicht mehr.

2) Anonyme Befragungen im Schichtdienst

Kurze, monatliche Pulse Checks machen Trends auf Teamebene sichtbar, ohne Einzelpersonen zu identifizieren. Wichtig ist, dass die Befragung mobil abrufbar ist und zu wechselnden Diensten passt, weil Pflegekräfte nicht am Schreibtisch sitzen.

3) Die psychische Gefährdungsbeurteilung als Erkennungsinstrument

Seit 2013 sind Arbeitgeber nach § 5 ArbSchG verpflichtet, auch psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. In vielen Pflegeeinrichtungen passiert das nicht oder nur formal. Wo sie ernsthaft durchgeführt wird, liefert sie strukturierte Daten zu psychischen Belastungsfaktoren, die für gezielte Maßnahmen nutzbar sind. Die Gefährdungsbeurteilung ist nicht nur Pflicht, sondern eines der wenigen Werkzeuge, die Belastung systematisch sichtbar machen.

4) Niedrigschwellige psychologische Anlaufstellen

Niedrigschwellige Anlaufstellen wirken doppelt: sie helfen den Pflegekräften, und sie zeigen Arbeitgebern, wo Belastung gerade steigt. Wenn Mitarbeitende ohne Wartezeit, ohne HR-Umweg und vertraulich Hilfe finden, ist die erste Buchung oft das früheste Signal, dass Belastung in Überlastung kippt.

Bei uns ergänzt der Vitality Check diesen Ansatz auf Organisationsebene. Mitarbeitende bekommen einen kurzen Selbstcheck zu eigener Belastung und Ressourcen. HR und Führungskräfte erhalten aggregierte, anonymisierte Auswertungen auf Team- oder Organisationsebene, keine Einzelantworten. So wird sichtbar, wo die Belastung gerade steigt, ohne in die Privatsphäre einzugreifen.

Erkennung allein reduziert nichts. Sie muss in konkrete Veränderungen in Dienstplan, Aufgabenverteilung und Unterstützung übersetzen. Wie diese Intervention konkret aussieht, liest du in unserem Leitfaden zu Burnout in der Pflege.

Wie OpenUp Pflegeteams unterstützt

Pflegeorganisationen in ganz Europa arbeiten mit OpenUp, um Belastung früh zu adressieren, bevor aus ihr Überlastung wird. Mitarbeitende erhalten direkten und unbegrenzten Zugang zu Psycholog*innen, ohne Wartezeit und zu Zeiten, die zu wechselnden Diensten passen.

Mitarbeitende buchen selbst, ohne HR-Umweg. Auch außerhalb der üblichen Bürozeiten, auch nach einem Nachtdienst. In mehr als 40 Sprachen, 100 Prozent vertraulich. Wir sind DSGVO-konform sowie nach ISO 27001 zertifiziert.

Pflegeorganisationen bewerten OpenUp mit 9,7 von 10. Mehr als 2.000 Organisationen und 600.000 Mitarbeitende nutzen die Plattform bereits.

Damit auch für dich gesorgt ist.

Bei uns bekommen Pflegekräfte direkten und unbegrenzten Zugang zu Psycholog*innen, ohne Warteliste, ohne Hürde, über ihren Arbeitgeber.

Häufig gestellte Fragen zur Belastung in der Pflege

Welche Belastungsart ist in der Pflege am häufigsten?

Sichtbar ist meistens die körperliche Belastung, weil Rücken-, Schulter- und Knieschmerzen schnell spürbar sind. Krank macht jedoch besonders häufig die psychische Belastung. Laut TK-Auswertung 2026 fielen Pflegekräfte 2025 aufgrund psychischer Erkrankungen an 5,7 Tagen aus, deutlich mehr als der Durchschnitt aller Berufe von 3,3 Tagen. Wer nur auf den Rücken achtet und die psychische und emotionale Seite ignoriert, übersieht einen der größten Risikofaktoren.

Ist Belastung in der Altenpflege höher als in der Krankenpflege?

Gemessen am Krankenstand ja. Laut TK-Auswertung 2026 fielen Altenpflegekräfte 2025 im Schnitt 32,7 Tage aus, Beschäftigte in der Krankenpflege 25,8 Tage. Beide Werte liegen deutlich über dem Durchschnitt aller Berufe (17,7 Tage). Die Belastungsarten unterscheiden sich in der Praxis: in der Altenpflege spielen lange Beziehungen zu Bewohner*innen und Sterbebegleitung eine größere Rolle, in Krankenhäusern oft akute Situationen, Schichtdienst und Notaufnahmen.

Wann sollte ich als Pflegekraft professionelle Unterstützung suchen?

Nicht erst, wenn du nicht mehr arbeiten kannst. Eine gute Zeit, eine Psycholog*in einzubeziehen, ist, wenn du seit mehreren Wochen nicht mehr richtig abschalten kannst, körperliche Symptome bemerkst, die mit deinem Dienst zusammenhängen, oder spürst, dass du auf Patient*innen anders reagierst als sonst. Frühe Gespräche sind kürzer und wirksamer als späte. Frühe Unterstützung ist keine Krankheitsdiagnose, sondern Prävention.

Was ist Mitgefühlsmüdigkeit und wie unterscheidet sie sich von Burnout?

Mitgefühlsmüdigkeit (engl. compassion fatigue) beschreibt die emotionale Erschöpfung, die entsteht, wenn du dauerhaft mit dem Leid anderer Menschen in Berührung kommst. Sie zeigt sich oft als zunehmende Distanz, Zynismus oder ein Gefühl der inneren Taubheit gegenüber Situationen, in denen du sonst Mitgefühl gefühlt hättest. Mitgefühlsmüdigkeit ist eine Form emotionaler Belastung und kann unbehandelt in ein Burnout münden. Der Unterschied: Mitgefühlsmüdigkeit ist eng an die emotionale Arbeit gebunden, Burnout umfasst zusätzlich anhaltende körperliche und kognitive Erschöpfung.

Was kann mein Arbeitgeber rechtlich zur Reduktion von Belastung tun?

Arbeitgeber sind nach § 5 ArbSchG verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, die auch psychische Belastungen umfasst. In vollstationären Pflegeeinrichtungen gilt zusätzlich das Personalbemessungsverfahren nach § 113c SGB XI, in Krankenhäusern die Pflegepersonalregelung (PPR 2.0). Konkret bedeutet das: deine Einrichtung muss psychische Belastungen erfassen, daraus Maßnahmen ableiten und diese umsetzen. Sie muss die gesetzlichen Pausenregelungen einhalten und für ausreichend Personal sorgen, gemessen an Pflegegradverteilung und Qualifikationsmix beziehungsweise Pflegeaufwand. Wer das Gefühl hat, dass das nicht passiert, kann sich an Betriebs- oder Personalrat, an die zuständige Berufsgenossenschaft (BGW) oder an die Arbeitsschutzbehörde wenden.

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