Mentales Wohlbefinden von Männern: Die Tür zum Gespräch öffnen

OpenUp Redaktion

Von OpenUp Redaktion

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Wusstest du, dass weltweit Männer drei Mal häufiger durch Suizid sterben als Frauen und gleichzeitig deutlich seltener Hilfe suchen, wenn sie mit Herausforderungen zu kämpfen haben? Trotz dieser beunruhigenden Zahlen wird das mentale Wohlbefinden von Männern oft übersehen, wodurch viele im Stillen leiden. Hier setzt die Movember -Bewegung an. Vielleicht hast du schon bemerkt, dass im November vermehrt Schnurrbärte auftauchen – dabei geht es um weit mehr als nur um einen Trend. Die Wohltätigkeitsorganisation Movember ist Initiator globaler Kampagnen, die das Bewusstsein für das Wohlbefinden von Männern – sowohl physisch als auch mental – stärken soll. Um die Männer in deinem Leben wirklich zu unterstützen, musst du empathische Gespräche beginnen und sichere Räume schaffen, in denen Männer sich öffnen können. Aber wie gelingt das am besten?

Gemeinsam mit dem OpenUp-Psychologen und Experten für das mentale Wohlbefinden von Männern, Niels den Daas, haben wir untersucht, warum Männer oft Schwierigkeiten haben, über ihre Gefühle zu sprechen, und welche Folgen das haben kann. Außerdem stellen wir das ALEC-Modell vor – ein einfaches, vierstufiges Konzept, das helfen kann, das Schweigen zu brechen.

Mentale Herausforderungen bei Männern

Die häufigsten mentalen Herausforderungen, mit denen Männer heutezutage konfrontiert sind, umfassen Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch und Suizid. Diese Probleme betreffen zwar die gesamte Bevölkerung, sind bei Männern jedoch oft verstärkt, weil sie selten über ihre Schwierigkeiten sprechen. Niels erklärt: „Während Frauen eher dazu neigen, Gefühle von Traurigkeit auszudrücken oder Unterstützung zu suchen, äußern Männer ihre emotionale Belastung häufig durch Wut, Reizbarkeit oder riskantes Verhalten.“ „Leider führt das Stigma um emotionale Verwundbarkeit dazu, dass viele Männer im Stillen leiden und oft erst Hilfe suchen, wenn ihr mentales Wohlbefinden sich bereits erheblich verschlechtert hat.“

Statistiken zeigen, dass Männer im Vergleich zu Frauen eine 29 % geringere Wahrscheinlichkeit haben, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber warum ist das so?

Warum fällt es Männern schwer über ihre Gefühle zu sprechen?

„Männer sprechen traditionell nur ungern über ihre Emotionen, weil tief verwurzelte gesellschaftliche Normen Männlichkeit mit Stoizismus, Stärke und emotionaler Zurückhaltung gleichsetzen“, erläutert Niels. „Schon in jungen Jahren wird Jungen oft gesagt, sie sollen „sich zusammenreißen“ oder „durchhalten“ – Botschaften, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.“ Diese soziale Prägung führt oft dazu, dass Probleme im mentalen Wohlbefinden unterdrückt werden, was Männer weiter isolieren kann und daran hindert, die notwendige Hilfe zu suchen. Zudem fehlt vielen die Übung, über ihre Gefühle zu sprechen, wodurch die Hemmschwelle weiter steigt. Schließlich berichtet Niels aus seiner Erfahrung auch, dass Männer oft nicht wissen, wie sie über ihre Gefühle sprechen sollen: „Viele Männer sind nicht nur nicht daran gewöhnt, über ihre Emotionen zu reden, sondern haben auch nicht das Vokabular dafür.“ Natürlich gilt das nicht für alle Männer – viele sind in der Lage und bereit, über ihr mentales Wohlbefinden zu sprechen. Doch wie wir aus unserer Erfahrung mit Psycholog*innen und den Statistiken wissen, fällt es Männern im Allgemeinen schwerer, Hilfe zu suchen und sich zu öffnen.

Wie kannst du also dazu beitragen, das Stigma zu brechen und Unterstützung zu bieten?

Das ALEC-Modell: Ein einfacher Weg, um das Gespräch zu beginnen

Über mentales Wohlbefinden zu sprechen, kann beängstigend sein – besonders für Männer, die das Gefühl haben, ihre Emotionen für sich behalten zu müssen. Hier kommt das ALEC-Modell ins Spiel. Dieses einfache, vierstufige Konzept hilft, Gespräche zu eröffnen und das Schweigen zu brechen. Niels erklärt: „Das ALEC-Modell schafft eine Umgebung, in der Männer sich gehört und verstanden fühlen, ohne den Druck, Probleme sofort „lösen“ zu müssen, was entscheidend für emotionale Offenheit ist.“

A – Ask (Fragen)

Sprich die Männer in deinem Leben an und frage, wie es ihnen wirklich geht. Es ist wichtig, dies ohne Vorurteile oder Erwartungen zu tun. Anstatt eines allgemeinen „Wie geht’s?“ probiere etwas Offeneres und Persönlicheres, wie „Du wirkst in letzter Zeit nicht wie du selbst – wie läuft es bei dir?“ Das Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, in dem er sich sicher fühlt, sich zu äußern, und zu zeigen, dass dir wirklich etwas an ihm liegt.

L – Listen (Zuhören)

Wenn er anfängt zu sprechen, ist das Beste, was du tun kannst, zuzuhören. Unterbrich nicht und biete nicht sofort Lösungen an. Einfach nur zuhören. Oft brauchen Menschen einfach das Gefühl, gehört und verstanden zu werden. Es geht darum, präsent zu sein und zu zeigen, dass du für ihn da bist, ohne gleich alles lösen zu wollen. Allein das Zuhören kann bereits eine große Erleichterung bringen.

E – Encourage Action (Zu Handlungen ermutigen)

Nach dem Zuhören ist es wichtig, zu einer Handlung zu ermutigen – das bedeutet jedoch nicht, auf große Veränderungen oder sofortige Lösungen zu drängen. Stattdessen kannst du kleine, positive Schritte vorschlagen, sei es ein Gespräch mit einem*r Psychologin, das Vertrauen in Freunde oder körperliche Aktivitäten wie ein Spaziergang.

C – Check In (Sieh nach ihm)

Das Gespräch sollte nicht nach einem Mal enden. Nachhaken zeigt, dass dir seine mentale Gesundheit wichtig ist. Es kann so einfach sein, einige Tage später nachzufragen, wie es ihm geht, oder sich nach einer schwierigen Woche zu erkundigen. Wenn du dranbleibst hilft es, zu vermitteln, dass er nicht allein ist, wenn es um seine Herausforderungen geht.

Das Gespräch am Laufen halten

Das mentale Wohlbefinden von Männern wird oft übersehen, und das kann ernsthafte Konsequenzen mit sich bringen. Einen Dialog mit den Männern um dich herum zu eröffnen, ist ein kleiner, aber kraftvoller Schritt, um dies zu ändern. Das ALEC-Modell bietet ein wertvolles Hilfsmittel, um tiefergehende Gespräche zu führen, die eine nachhaltige Wirkung haben können. Kennst du jemanden, der mit Herausforderungen kämpft? Oder hast du selbst Schwierigkeiten? Ein Gespräch zu beginnen, könnte den entscheidenden Unterschied machen.

Wenn du persönliche Unterstützung brauchst, ist OpenUp da, um zu helfen. Du kannst eine 1:1 Sitzung mit unserem Psychologen Niels den Daas oder einem*r anderen Expert*in aus unserem Team vereinbaren. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen – es ist immer jemand bereit, zuzuhören.

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