Vielleicht spürst du es schon eine Weile – diese ständige Anspannung in deinem Körper, die Gedanken, die sich nicht abschalten lassen, oder das Gefühl, immer unter Strom zu stehen. Du versuchst weiterzumachen, aber echte Erholung kommt nie.
Das ist Arbeitsstress: die Belastung, die sich aufbaut, wenn dein Körper und Geist keine echte Zeit zum Entspannen haben.
Ein gewisses Maß an Stress am Arbeitsplatz kann durchaus von Vorteil sein. Es hilft dir, konzentriert und motiviert zu bleiben. Aber zu viel, über zu lange Zeit, zehrt an deiner Energie und Konzentration und beeinträchtigt deine Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz.
Kim Schluter, Psycholog*in bei OpenUp:
„Der Unterschied ist wirklich wichtig. Wir alle erleben Stress – ohne ihn würden wir uns nicht motiviert fühlen zu handeln. Aber wenn Stress zu lange anhält, wird er zu viel, mit negativen Auswirkungen sowohl körperlich als auch psychisch.“
Dieser Artikel wurde von Psycholog*in Kim Schluter überprüft und enthält Erkenntnisse der OpenUp-Psycholog*innen Gijs Coppens (Gründer und CEO), Judith Klenter und Myrthe Weijschedé.
Bevor wir praktische Strategien erkunden, lass uns zunächst die wichtigsten Merkmale von Arbeitsstress verstehen – wie er sich zeigt, was ihn verursacht und wie du vorankommen kannst, um wieder die Kontrolle zu erlangen.
Was ist Arbeitsstress?
Arbeitsstress entsteht oft aus dem Gleichgewicht – oder Ungleichgewicht – zwischen dem, was dein Job von dir verlangt und dem, was du bewältigen kannst. Solange du ausreichend Erholungszeit bekommst, kann Stress dir helfen, dich zu konzentrieren und Leistung zu erbringen. Aber wenn die Erholung fehlt, stapelt sich der Stress immer weiter auf.
Judith Klenter, Psycholog*in bei OpenUp:
„Du brauchst ein gewisses Maß an positivem Stress, um fokussiert und aufmerksam zu bleiben.“
Kim teilt eine anonyme Klient*innengeschichte:
„Anna begann eine neue Position in einem neuen Team und stieß sofort auf eine hohe Arbeitsbelastung mit wenig Unterstützung. Druck und Kontrollverlust bauten sich schnell auf; jetzt ist sie zu Hause und weiß nicht, wie es so weit eskaliert ist.“
Das DGUV Barometer Arbeitswelt 2025 zeigt, dass viele Angestellte Stress auf der Arbeit erleben:
- Vier von fünf Befragten haben negative Veränderungen in ihrem Arbeitsalltag festgestellt.
- 51% erleben einen höheren Zeitdruck beim Erledigen ihrer Aufgaben.
- 43% berichteten von einem gereizteren Klima unter den Kolleg*innen.
- 29% berichteten von sinkender Fehlerkultur.
Diese Kombination aus Druck, geringer Autonomie und belasteten Beziehungen zu Kolleg*innen macht Stress auf Arbeit für viele zur täglichen Realität.
Auch Arbeitgeber*innen spielen eine Rolle. Sie müssen ein sicheres, gesundes Arbeitsumfeld schaffen – eines, das offene Gespräche über Arbeitsbelastung und psychisches Wohlbefinden unterstützt.
Stress auf der Arbeit Symptome erkennen
Stresssymptome am Arbeitsplatz beginnen subtil: Reizbarkeit, schlechter Schlaf und Konzentrationsprobleme können sich bald verstärken.
Häufige Symptome von Stress am Arbeitsplatz:
Körperliche Anzeichen
- Kopfschmerzen oder ständige Nacken- und Schulterverspannungen
- Schlafprobleme, obwohl du erschöpft bist
- Körperliche und geistige Erschöpfung
Psychische und emotionale Anzeichen
- Sorgen über die Arbeit auch nach Feierabend
- Reizbarkeit oder eine kurze Zündschnur
- Zynismus gegenüber Kolleg*innen oder Aufgaben
- Überstimulation durch Lärm oder soziale Interaktion
Verhaltensänderungen
- Prokrastination oder häufige Fehler
- Rückzug vom Teamkontakt
- Schroffe oder reaktive Reaktionen
Denken und Konzentration
- Konzentrationsverlust bei einfachen Aufgaben
- Schwierigkeiten bei Entscheidungen
- Vergesslichkeit und Verwirrung
Gijs Coppens, OpenUp-Psychologe und Gründer:
„Diese Symptome von arbeitsbedingtem Stress zu erkennen, hilft dir früh zu handeln – bevor Stress am Arbeitsplatz zum Burnout wird.“
Diese Anzeichen sind Warnlampen (nicht Anzeichen eines Burnouts). Unsere Psycholog*innen empfehlen, früh zu handeln, um eine leichtere Erholung zu ermöglichen.
Häufige Ursachen von Stress am Arbeitsplatz
Arbeitsstress wird meist durch mehrere sich beeinflussende Faktoren verursacht.
1. Hohe Arbeitsbelastung und Jobanforderungen
Zu viele Aufgaben, unrealistische Deadlines oder emotional schwere Arbeit können einen Druck erzeugen, der schwer aufrechtzuerhalten ist.
2. Geringe Autonomie oder mangelnde Kontrolle
Unklare Prioritäten, sich ändernde Erwartungen oder begrenztes Mitspracherecht in der Arbeitsweise reduzieren deine Fähigkeit, arbeitsbedingten Stress zu bewältigen.
3. Soziale und Teamdynamiken
Spannungen, Konflikte, Mobbing oder begrenzte Unterstützung können die Beziehungen zu Kolleg*innen belasten und Ängste am Arbeitsplatz verstärken.
4. Überschneidung von Arbeit und Privatleben
Familienpflege, finanzieller Stress oder persönliche Herausforderungen, die in die Arbeit hineinwirken und umgekehrt.
5. Persönliche Faktoren
Perfektionismus, hohe Selbsterwartungen oder keine Zeit für Ruhe zu nehmen kann dich anfälliger für Arbeitsangst machen.
Kim teilt eine weitere anonyme Klient*innengeschichte:
„Cara konnte nach dem Verlust ihrer Mutter nicht arbeiten. Es war nicht nur die Trauer, die Arbeit hatte sie zu lange an ihre Grenzen gebracht, und dieses Ereignis brachte das Fass zum Überlaufen.“
Myrthe Weijschedé, Psycholog*in bei OpenUp:
„Manchmal geht es um eine Balance zwischen dem, was von dir verlangt wird und dem, was möglich ist.“
Wenn Anforderungen Energie, Autonomie und Erholung übersteigen, wird Druck zu ungesundem Stress.
Wie du Arbeitsstress bewältigst und wieder ins Gleichgewicht findest
Wenn du die Anzeichen erkennst, willst du natürlich wissen, wie du Stress am Arbeitsplatz bekämpfen kannst. Unsere Psycholog*innen haben einen umfassenden Artikel mit Tipps zur Reduzierung von Arbeitsplatzstress erstellt – von schnellen Tipps bis hin zu langfristigen Strategien, die dir helfen, dauerhafte Resilienz zu entwickeln.
Judith, Psycholog*in bei OpenUp:
„Manchmal hilft schon etwas Einfaches, wie einen Tag freizunehmen.“
10 schnelle Tipps zum Umgang mit Arbeitsstress von unseren Psycholog*innen:
- Mache kurze Pausen während des Tages, um dich zu erholen.
- Bewege dich regelmäßig, auch leichte Bewegung hilft.
- Atme tief und bewusst, um dein System zu beruhigen.
- Setze klare Anfangs- und Endzeiten für deinen Arbeitstag.
- Priorisiere guten Schlaf und beständige Routinen.
- Begrenze digitale Ablenkungen nach der Arbeit.
- Sprich offen mit deinem*r Vorgesetzten oder der Personalabteilung über die Arbeitsbelastung.
- Iss nährreiche Mahlzeiten, um deine Energie zu stabilisieren.
- Plane Zeit für Hobbys und Entspannung ein.
- Hole dir Unterstützung, wenn der Stress anhält.
Kim Schluter:
„Es geht nicht darum, was du tust, sondern darum, bewusst zu wählen. Ob du deine Abwesenheitsnotiz einschaltest oder zu einem weiteren Meeting nein sagst – wähle das, was dir wirklich hilft, dich in Kontrolle zu fühlen.“
👉 Lies unseren vollständigen Guide unserer Psycholog*innen zur Reduzierung deines arbeitsbedingten Stresses mit kurz- und langfristigen Tipps, um wieder Kontrolle zu erlangen und die Freude und den Seelenfrieden zu erfahren, die du verdienst.
Wann du Hilfe bei Arbeitsstress suchen solltest
Wenn Symptome wochenlang anhalten, deine Leistung beeinträchtigen oder andere ihre Sorge äußern, ist es Zeit, sich Unterstützung zu holen.
Mit wem du sprechen kannst:
- Dein*e Vorgesetzte*r oder die Personalabteilung: Besprecht Arbeitsbelastung, Prioritäten und Erholungszeit.
- Dein*e Hausärzt*in oder Arbeitsmediziner*in: Hol dir eine professionelle Untersuchung und Überweisungen.
- Ein*e Psycholog*in oder Coach: Reflektiere über Ursachen und lerne praktische Werkzeuge im Umgang mit Stress.
Myrthe Weijschedé:
„Nach einer Phase der Beschleunigung sollte immer eine Phase der Entschleunigung folgen. Warte nicht, bis sich die Symptome verschlimmern. So früh wie möglich Hilfe zu suchen hilft dir, dich stärker und schneller zu fühlen.
Häufig gestellte Fragen zu Arbeitsstress
Was ist arbeitsbedingter Stress?
Arbeitsbedingter Stress ist eine Reaktion auf anhaltende Jobanforderungen, die das übersteigen, was du bewältigen kannst. Es ist eine Form der psychosozialen Belastung, die durch Arbeitsdruck, mangelnde Kontrolle oder begrenzte Unterstützung verursacht wird. Körperlich und geistig fühlst du dich vielleicht müde, angespannt oder ängstlich. Ohne Erholung kann Stress am Arbeitsplatz zum Burnout werden.
Was sind die Symptome von Stress am Arbeitsplatz?
Symptome von Stress am Arbeitsplatz umfassen Kopfschmerzen, schlechten Schlaf, Müdigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme. Du fühlst dich vielleicht schneller gestresst, ziehst dich von Kolleg*innen zurück oder bemerkst körperliche Verspannungen. Das sind Anzeichen dafür, dass dein Geist und Körper Ruhe brauchen.
Was sind Symptome von Jobstress?
Jobstress-Symptome zeigen sich oft als körperliche und emotionale Erschöpfung. Du erlebst vielleicht Muskelverspannungen, emotionale Ausbrüche oder Schwierigkeiten bei Entscheidungen. Das sind frühe Anzeichen dafür, dass dein Arbeitsdruck zu hoch ist.
Wie entsteht Arbeitsstress?
Arbeitsstress entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen Anforderungen und deiner Fähigkeit zur Erholung verloren geht. Hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Kontrolle und belastete Beziehungen zu Kolleg*innen tragen alle zu Stress bei.
Wie kann ich arbeitsbedingten Stress bewältigen?
Nimm dir Zeit zum Ausruhen, bewege dich regelmäßig und setze Grenzen zwischen Arbeit und Zuhause. Sprich früh mit deinem*r Vorgesetzten über deine Grenzen. Selbstfürsorge und offene Kommunikation sind der Schlüssel zur Bewältigung von Stress am Arbeitsplatz.
Wann sollte ich Hilfe bei Arbeitsangst suchen?
Wenn du dich wochenlang gestresst fühlst, deine Konzentration nachlässt oder alltägliche Aufgaben schwerer fallen, ziehe in Betracht, mit einem*r Psycholog*in zu sprechen. Kleine Anpassungen und rechtzeitige Unterstützung können helfen, langfristigem Burnout vorzubeugen.