Wiedereingliederung nach Krankheit: BEM & mentale Stärke

OpenUp Redaktion
Paula Fenker

Von OpenUp Redaktion & Paula Fenker Überprüft von Psycholog*in Emma White

17 min
Illustration von zwei Personen, die sich mit den Ellbogen berühren, als Symbol für Unterstützung und Wiedereingliederung nach Krankheit. Die Person auf der linken Seite hat kurzes, lockiges Haar und eine dunkle Jacke, die rechte Person hat langes, dunkles Haar und ein korallenrotes Oberteil.

Wiedereingliederung nach Krankheit – das klingt erstmal nach Formularen, Fristen und Plänen. Dabei steckt noch viel mehr hinter einem reibungslosen Wiedereinstieg: Es geht um das langfristige Wohlbefinden von Mitarbeitenden und um nachhaltige Produktivität für Unternehmen. Und beides braucht mehr als Checklisten.

Denn die Rückkehr an den Arbeitsplatz fällt nicht immer leicht. Während das Team längst wieder im Projektmodus ist, stehen Betroffene nach einer langen Abwesenheit mit gemischten Gefühlen da: Bin ich wirklich wieder belastbar? Wie nehmen mich die anderen wahr? Wirke ich schwach, wenn ich langsamer starte?

Emma White ist zertifizierte Psychologin und begleitet häufig Menschen in dieser Phase. Sie weiß: Mentale Unterstützung ist bei der Wiedereingliederung ein entscheidender Hebel. Nicht nur für die betroffene Person, sondern für das gesamte Team.

In diesem Leitfaden findest du zentrale Grundlagen zur Wiedereingliederung, bewährte Maßnahmen und praxisnahe Einblicke von Psychologin Emma:

  • die Bedeutung und den rechtlichen Hintergrund der Wiedereingliederung nach Krankheit,
  • den Unterschied zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM),
  • Praktische Tipps für HR und Führungskräfte für den Rückkehrprozess,
  • mentale Aspekte beim Wiedereinstieg – plus Lösungen von OpenUp, die unterstützen.

Was bedeutet Wiedereingliederung nach Krankheit?

Unter „Wiedereingliederung“ versteht man Maßnahmen, die Mitarbeitenden nach langer Krankheit (oft länger als sechs Wochen) helfen, schrittweise in den Arbeitsalltag zurückzukehren. 

Wenn Mitarbeitende nach einer längeren Erkrankung zurück in den Job kommen, braucht es mehr als nur ein „Schön, dass du wieder da bist“. Ein solcher Ausfall verändert viel: körperlich, mental und im Verhältnis zur eigenen Arbeit. Viele Rückkehrende starten mit Unsicherheiten, Selbstzweifeln oder dem Gefühl, im Team „nicht mehr ganz dazu zu gehören“. 

Genau hier setzt eine gelungene Wiedereingliederung an. Eine Wiedereingliederung soll:

  • gesundheitliche Rückschläge vermeiden,
  • Überforderung verhindern
  • und die Arbeitsfähigkeit langfristig sichern.

Das kann zum Beispiel durch reduzierte Arbeitszeiten oder angepasste Aufgaben geschehen – immer individuell und idealerweise in enger Abstimmung mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM).

Bedeutung für Unternehmen

Wiedereingliederung meistern ist kein „Nice to have“, sondern ein entscheidender Teil einer gesunden Unternehmenskultur. Besonders in einer Arbeitswelt, in der Langzeitausfälle keine Seltenheit mehr sind.

Laut AOK-Bundesverband waren 2024:

  • über 60 % der Krankheitsfälle länger als zwei Wochen
  • knapp 40 % sogar mehr als sechs Wochen

Wer hier strukturiert und empathisch begleitet, sorgt nicht nur für gesündere Teams – sondern auch für mehr Produktivität, Bindung und Vertrauen.

Welche Pflichten und Rahmenbedingungen gibt es dabei zu beachten?

Gesetzlicher Rahmen & Voraussetzungen

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist ein gesetzlich vorgeschriebener Prozess. Die Grundlage bildet § 167 Abs. 2 SGB IX. Arbeitgeber sind verpflichtet, ein BEM anzubieten, sobald Mitarbeitende innerhalb eines Jahres mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig waren – egal ob zusammenhängend oder verteilt. Die Teilnahme ist freiwillig, aber das Angebot muss transparent, dokumentiert und ernsthaft gemacht werden.

Die Wiedereingliederung ist ein freiwilliges Angebot für Mitarbeitende, die nach längerer Abwesenheit schrittweise in ihren Job zurückkehren möchten. Die stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell) nach § 74 SGB V basiert auf einem ärztlichen Vorschlag und dem Einverständnis aller Beteiligten – also Mitarbeitender, Arbeitgebender und Krankenkasse.

Was ist Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)?

Einfach gesagt: Das BEM ist der organisatorische Rahmen für eine gelingende Rückkehr. Rückkehrende Person und Unternehmen planen gemeinsam – empathisch, strukturiert und mit klarer Dokumentation.

Aber das BEM ist nicht einfach ein Formularprozess im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Richtig umgesetzt, stärkt es Vertrauen, Resilienz und oft auch die Loyalität von Mitarbeitenden.

​​Ablauf im Unternehmen

Ein gutes BEM folgt einem klaren, aber flexiblen Ablauf. Der Prozess sollte strukturiert, transparent und von Vertrauen geprägt sein.

Einladung & Vorbereitung des Gesprächs

Nach sechs krankheitsbedingten Wochen folgt eine Einladung zum BEM-Gespräch – schriftlich, mit Hinweis auf Freiwilligkeit und Datenschutz. Es wird empfohlen, eine neutrale Person (z. B. BEM-Beauftragte) für die Gesprächsmoderation einzubinden. Vorbereitung ist zentral: Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Orientierung und Unterstützung.

Ziele und Inhalte eines gelungenen Gesprächs

Im Gespräch stehen im Vordergrund:

  • Was belastet aktuell?
  • Welche Ressourcen gibt es?
  • Welche Anpassungen sind sinnvoll?
  • Wie kann der Einstieg gelingen?

Emma erläutert: viele Mitarbeitende denken „Anderen geht es schlechter“, oder „Ich schaffe das nicht“. Diese Gedanken benennen und entkräften hilft schon – und zeigt: Du brauchst dich nicht verstecken.

Dokumentation & Verlaufskontrolle

Gespräche und Maßnahmen werden dokumentiert, allerdings nur mit ausdrücklichem Einverständnis. Verantwortlichkeiten, Zeitplan und erneute Termine werden transparent festgehalten. Regelmäßiges Feedback sorgt dafür, dass Anpassungen möglich bleiben.

Abgrenzung: BEM vs. Wiedereingliederung

Wiedereingliederung ist nicht gleich BEM – auch wenn beide oft in einem Atemzug genannt werden. Oft ist das BEM der formale Startpunkt, aus dem später eine stufenweise Wiedereingliederung resultiert. 

Unsere Übersicht zeigt dir, worin sie sich unterscheiden und wie sie zusammenwirken können.

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)Wiedereingliederung (Hamburger Modell)
Was ist das?Ein strukturierter, offener Klärungsprozess zur Gestaltung der Rückkehr – mit Gesprächen und ggf. mehreren Maßnahmen.Eine konkrete Maßnahme mit festem Ablauf, um die Arbeitsfähigkeit stufenweise wiederherzustellen.
ZielLangfristige Sicherung der Arbeitsfähigkeit durch passende Rahmenbedingungen.Schonender, individueller Wiedereinstieg in den Job.
VoraussetzungenRechtliche Einladungspflicht für Unternehmen ab 6 Wochen Krankheit, Teilnahme freiwillig.Ärztliche Empfehlung, Zustimmung der Krankenkasse, Freiwilligkeit der Mitarbeitenden.
Rechtliche Grundlage§ 167 Abs. 2 SGB IX§ 74 SGB V
Verhältnis zueinanderKann eine Wiedereingliederung als Maßnahme enthalten.Kann eigenständig oder als Teil des BEM-Prozesses genutzt werden.
Geeignet fürMitarbeitende mit längerer Abwesenheit, bei denen Klärungsbedarf hinsichtlich Rückkehr besteht.Mitarbeitende, die grundsätzlich wieder arbeiten können, aber noch nicht voll belastbar sind.
BeispielEine Mitarbeiterin ist krank. Nach 6 Wochen Abwesenheit erhält sie eine Einladung zum BEM-Gespräch. Dort wird gemeinsam geklärt, wie sie zurückkehren kann – z. B. per Wiedereingliederung oder mit Anpassungen.Die Mitarbeiterin war 10 Wochen krank. Der Arzt empfiehlt eine Rückkehr mit 2 Stunden täglich. Woche für Woche wird langsam gesteigert.

Maßnahmen zur Wiedereingliederung nach Krankheit

BEM ist keine Checkliste. Es lebt von individuellen, passenden Maßnahmen. Hier sind die häufigsten Ansätze:

Stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell)

Beim Hamburger Modell beginnt die betroffene Person mit wenigen Stunden oder einfachen Aufgaben – und steigert sich dann über mehrere Wochen. Die Dauer wird individuell festgelegt (oft 4–6 Wochen).

Die Vorteile:

  • Kein plötzlicher Leistungsdruck
  • Spielraum für Reaktionen des Körpers & Geists
  • Arzt, Arbeitgeber und Mitarbeitende ziehen gemeinsam an einem Strang

Flexible Arbeitszeiten & ergonomische Anpassungen

Viele Erkrankte profitieren nach der Rückkehr von mehr Flexibilität – etwa durch:

  • Gleitzeit-Modelle
  • Anpassung der Pausenzeiten
  • Homeoffice-Phasen

Auch ergonomische Optimierungen (z. B. Stuhl, Bildschirm, Beleuchtung) können helfen, Überlastungen zu vermeiden.

Veränderung von Aufgabenbereichen & Belastung

Manchmal ist es sinnvoll, Aufgaben temporär oder dauerhaft anzupassen – z. B. weniger Verantwortung, andere Projekte, mehr Abwechslung oder weniger Bildschirmarbeit.

Auch eine vorübergehende Teilzeit kann Teil der Lösung sein – wichtig ist: Die Belastung muss zur individuellen Situation passen.

Beachte: Sich auf eine solche Maßnahme zur Wiedereingliederung zu einigen, ist noch lange keine Garantie für erfolgreiches BEM. Was gehört noch dazu?

11 Praktische Tipps für einen gelungenen Wiedereinstieg

Die gute Nachricht: Als HR oder Führungskraft kannst du viel tun, um den Wiedereinstieg nach Krankheit zu erleichtern – sowohl für die betroffene Person als auch für das Team. Je besser der Prozess begleitet wird, desto nachhaltiger die Rückkehr.

Hier erfährst du von Psychologin Emma, wie die Umsetzung in der Praxis gelingt. Von grundlegenden Tipps zur Wiedereingliederung bis hin zu fortgeschrittenen Strategien für nachhaltige Beschäftigung durch BEM. Starten wir mit den Basics:

1. Entwickelt gemeinsam einen Wiedereinstiegsplan

Ein gelungener Wiedereinstieg beginnt nicht spontan am ersten Arbeitstag – sondern mit einer klaren Struktur, die gemeinsam mit der betroffenen Person, der Führungskraft und ggf. dem Betriebsarzt erstellt wird.

Der Plan ruht auf drei Säulen:

  • Arbeitszeit: Wie viele Stunden pro Tag? Wie schnell erfolgt die Steigerung?
  • Aufgabenart: Welche Tätigkeiten sind realistisch – und welche (noch) nicht?
  • Belastung: In welchem Tempo und mit welcher Verantwortung geht es weiter?

Psychologin Emma White empfiehlt: „Gestaltet den Plan so präzise wie einen Marathon-Trainingsplan. Notiert für jeden Tag genau, wie viele Stunden gearbeitet wird. Die Arbeitszeit kann langsam steigen – während sich die Pausen schrittweise verkürzen.“

Wichtig: Starte mit einfachen, unterstützenden Aufgaben. Möglichst ohne Deadlines, ohne volle Meetingkalender und ohne hohen Druck. So sammelt die zurückkehrende Person erste Erfolgserlebnisse und kann sich sicherer orientieren.

Was bedeutet Erfolg?
Definiert im Vorfeld gemeinsam, woran ihr erkennt, dass die Wiedereingliederung funktioniert. Solche Ziele sollten so konkret und messbar wie möglich sein – idealerweise SMART. Das kann z. B. sein:

  • „Ich bewerte mein Energielevel am Ende des Tages mit mindestens 7 von 10.“
  • „Ich kann an drei sozialen Interaktionen pro Woche teilnehmen.“

Die Anzahl geleisteter Stunden ist kein zuverlässiger Indikator für eine gelungene Rückkehr. Entscheidend ist das subjektive Erleben von Belastbarkeit, Sicherheit und Energie.

2. Bleibt flexibel – und passt den Plan an, wenn nötig

Pläne sind wichtig, aber kein starres Konstrukt. Mach als HR oder Führungskraft von Anfang an klar: Es ist völlig in Ordnung, wenn bestimmte Etappen nicht wie geplant erreicht werden oder das Tempo angepasst werden muss.

Wichtig ist, langfristig dranzubleiben. Begleitet die Rückkehr über mehrere Monate, checkt regelmäßig gemeinsam: Wie geht es dir gerade? Ist der Plan noch stimmig? Braucht es Anpassungen?

Die Management-Forscherin Yu Tse Heng von der University of Washington sagt dazu: „Mitarbeitende brauchen das Gefühl, ihr eigenes Tempo auf dem Weg zurück zur Gesundheit mitbestimmen zu dürfen. Genau deshalb ist Flexibilität so entscheidend.“

3. Haltet den Kontakt während der Abwesenheit

Ein kleines Zeichen macht oft den größten Unterschied. Eine Karte, ein Blumenstrauß, eine kurze Nachricht vom Team – schon nach einer Woche Abwesenheit tut so etwas gut. Egal ob es sich um eine physische Erkrankung oder psychische Belastung handelt: Zeigt, dass das Unternehmen da ist.

Besprecht gemeinsam, ob der Kontakt willkommen ist – und in welchem Rhythmus. Per Mail, WhatsApp oder Telefon? Vielleicht möchte die betroffene Person lieber eine vertraute Kollegin als Ansprechperson wählen.

Und: Betont, dass euer Tür immer offen steht. Die Botschaft „Du darfst dich jederzeit melden“ nimmt oft viel Druck.

4. Respektiert die Privatsphäre – auch im Team

Du möchtest dein Team informieren? Dann sprich vorher mit der betroffenen Person, was du sagen darfst – und was nicht. So schützt du die Privatsphäre und vermeidest Missverständnisse.

Auch beim direkten Kontakt gilt: Erst fragen. Ob ein Besuch zu Hause, im Krankenhaus oder in der Reha angemessen ist, entscheidet allein die betroffene Person.

5. Denk an die Genesung – auch nach der Rückkehr

Der Heilungsprozess endet nicht mit der Rückkehr an den Arbeitsplatz. Viele Mitarbeitende befinden sich noch mitten im medizinischen oder therapeutischen Aufbau – sie nehmen Medikamente, besuchen Ärzt*innen oder haben regelmäßige Gespräche mit Psycholog*innen.

Geht möglichst früh in einen offenen Austausch darüber: Welche Termine stehen an? Was braucht es im Alltag? Flexibilität bei der Planung signalisiert: Wir sehen dich – mit allem, was dazugehört. Und: Veränderungen sind jederzeit möglich.

6. Macht Weiterentwicklung möglich – auch im Rückkehrprozess

Hat das Team während der Abwesenheit an Schulungen teilgenommen? Dann sorgt dafür, dass die zurückkehrende Person diese Inhalte auf anderem Wege nachholen kann – ohne Zeitdruck oder Vergleich.

Emma betont: „So vermeidet ihr Wissenslücken und gebt der Person das Gefühl, gleichwertig eingebunden zu sein.“ Auch wichtig: Das jährliche Weiterbildungsbudget sollte weiterhin zur Verfügung stehen – unabhängig von der Auszeit.

Du kennst nun die Grundlagen. Doch was kannst du darüber hinaus tun, um die Rückkehr noch nachhaltiger und menschlicher zu gestalten? Die nächsten fünf vertiefenden Tipps helfen, strukturelle Ursachen zu erkennen und individuelle Stärken langfristig zu sichern.

7. Schaut gemeinsam auf die Ursachen – und lernt daraus

Emma erzählt:
„Ich habe eine Klientin begleitet, die wegen Überforderung im Job ausgefallen ist. Nach ihrer Rückkehr änderte sich nichts – sie sollte sofort wieder voll einsteigen. Nach ein paar Wochen hat sie gekündigt.“

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die Arbeitsbedingungen zu reflektieren – gemeinsam, ehrlich und lösungsorientiert.

Was spielt häufig eine Rolle?

  • Individuelle Faktoren: Persönlichkeitsmerkmale oder gesundheitliche Voraussetzungen können die Belastbarkeit beeinflussen – zum Beispiel geringere emotionale Stabilität oder introvertierte Veranlagung.
  • Organisatorische Faktoren: Auf diese hast du als HR oder Führungskraft Einfluss. Typische Belastungsquellen sind: geringe Autonomie, mangelnde Wertschätzung, starre Strukturen, fehlende psychologische Sicherheit oder unklare Rollenverteilung.

Psychologin Emma rät:
„Sprecht frühzeitig offen über Belastungen. Auch im Team. Und nach der Rückkehr nochmal: Was muss sich ändern, damit es diesmal wirklich gelingt? Müssen Aufgaben entfallen? Braucht es technische oder räumliche Anpassungen?“

8. Beginnt die Wiedereingliederung schon vor dem ersten Tag

Ein Wiedereinstieg beginnt nicht erst mit dem Klingeln der Bürotür. Emma erinnert sich an eine Klientin, die sich vor ihrer Rückkehr extrem nervös fühlte. Ihre Lösung?

„Sie hat sich vorab locker mit Kolleg*innen getroffen, außerhalb des Büros. Und eine enge Kollegin gebeten, sie am ersten Tag am Eingang abzuholen und gemeinsam reinzugehen. Das hat einen riesigen Unterschied gemacht.“

Tipp: Ermutigt Mitarbeitende, ähnliche kleine Schritte zu planen. Sie geben Sicherheit und entlasten emotional.

9. Bezieht das Team achtsam mit ein

Kolleg*innen wollen oft helfen, wissen aber nicht wie. Dabei können kleine Gesten viel bewirken – eine Nachricht, ein Anruf, ein ehrliches „Wir denken an dich“.

Emma:
„Eine Klientin erzählte mir, wie erleichtert sie war, als ihre Kolleg*innen ihr gesagt haben: ‚Du musst dich nicht schuldig fühlen.‘ Das hat für sie alles verändert.“

Auch am Tag der Rückkehr hilft ein stilles Willkommenssignal – ohne großes Tamtam. Das zeigt Zugehörigkeit, ohne Druck zu erzeugen.

10. Bestimmt eine Wiedereingliederungs-Begleitung (Buddy)

Eine Rückkehr-Buddy ist mehr als eine nette Idee. Es ist jemand, der regelmäßig nachfragt, Kaffee trinken geht, bei Gesprächen mit HR unterstützt oder erklärt, was sich im Team verändert hat.

Emma erklärt:
„Ein Buddy bietet emotionale Sicherheit – er hilft, Dinge anzusprechen, die man sich allein nicht traut. Oder bringt Perspektiven aus dem Team mit ein.“

Wichtig: Die betroffene Person wählt selbst, wer sie begleitet. Vertrauen ist hier alles.

11. Ermöglicht psychologische Begleitung

Nicht alle Themen lassen sich intern besprechen. Studien zeigen: 45 % der Mitarbeitenden reden lieber mit einer externen Psychologin oder einem Psychologen über mentale Belastung – ohne Sorge vor Folgen im Job.

Emma sieht das oft:
„Ein Gespräch mit einer externen Fachperson fühlt sich sicherer an. Es bleibt vertraulich und hilft, die eigene Lage objektiver einzuordnen.“

Auch für Teams kann ein externer Psychologe hilfreich sein – etwa um zu klären:

  • Wie begleiten wir eine betroffene Kollegin gut?
  • Was tun wir bei schwierigen Emotionen im Team?
  • Wie vermeiden wir ähnliche Fälle in Zukunft?

So hilft OpenUp beim Wiedereinstieg

Nach einer längeren Krankheit kehrt niemand „einfach so“ zurück. Die größte Herausforderung ist oft nicht die körperliche, sondern die mentale Anpassung.

​​Viele Rückkehrende erleben bei der Wiedereingliederung nach Krankheit ähnliche Hürden. Das zeigen auch die Gespräche unserer Psycholog*innen:

  • Das Bedürfnis nach Struktur – aber auch nach Pausen.
  • Der Wunsch, dazuzugehören – aber auch die Angst vor Überforderung.
  • Der Impuls, sich beweisen zu wollen – und gleichzeitig der Druck, nichts falsch zu machen.
  • Schuldgefühle, weil Kolleg*innen eingesprungen sind.
  • Sorge vor der Bewertung durch andere: „War das wirklich nötig, so lange auszufallen?“

„Bei Menschen, die ein Burnout hinter sich haben, merke ich oft, dass sie Angst vor dem Wiedereinstieg haben“, sagt Psychologin Emma White. „Viele verbinden ihren Arbeitsplatz mit den Auslösern ihrer Erkrankung – oder sie fürchten die Bewertung durch andere.“

OpenUp ersetzt das BEM nicht – sondern ergänzt es

Während das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) den strukturellen Rahmen schafft, unterstützt OpenUp dort, wo mentale Belastung entsteht. Für alle Beteiligten.

Mitarbeitende erhalten schnellen Zugang zu psychologischer Beratung, Tools zur Selbstreflexion und mentale Stärkung für den neuen Alltag. So entsteht Sicherheit – auch an wackeligen Tagen.

Führungskräfte lernen, Rückkehrprozesse empathisch zu gestalten, Gespräche gut zu führen und psychische Belastungen im Team rechtzeitig zu erkennen.

HR-Verantwortliche können auf individuelle Beratung, Check-ins zur Belastungslage und praxiserprobte Programme setzen, um Wiedereinstiege gesund und nachhaltig zu begleiten.

Was ist, wenn der Mitarbeiter nicht zurückkehren kann?

Eine belgische Studie hat gezeigt, dass ein Jobwechsel beim Genesungsprozess nach einem Burnout helfen kann. Sei also darauf vorbereitet, dass dies ein mögliches – und vielleicht sogar wünschenswertes – Ergebnis ist.

Wie bereits erwähnt, ist es Teil der gesetzlichen Verpflichtungen des Arbeitgebers, dem krankheitsbedingten ausgefallenen Arbeitnehmer zu helfen, anderswo eine Arbeit zu finden, wenn die Rückkehr an den eigenen Arbeitsplatz nicht möglich ist. Dieser Prozess wird offiziell auch als ‚der zweite Weg‘ bezeichnet.

Emma: „Einer meiner Kunden hatte einen Rückfall. Es war eine zu große Herausforderung für ihn, an seinen alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Gemeinsam mit seinem Arbeitgeber hat er beschlossen, sich anderswo Arbeit zu suchen. Der Arbeitgeber bot ihm verschiedene Schulungen an, die ihn schließlich zu seinem neuen Job geführt haben. Die Art und Weise wie der Arbeitgeber damit umgegangen ist, ist bewundernswert.”

Es empfiehlt sich, den ersten Weg (Rückkehr innerhalb des eigenen Betriebes) und den zweiten Weg zum Teil zeitgleich laufen zu lassen. „So kann der Mitarbeiter eine gut überlegte Entscheidung treffen, ob die Rückkehr innerhalb des eigenen Betriebes tatsächlich eine gute Idee ist“, sagt Emma.

Der zweite Weg besteht aus drei Phasen:

  1. Persönliche Orientierung. Diese Phase ist auch für den ersten Weg sinnvoll. Du und der Mitarbeiter untersuchen gemeinsam, was schiefgelaufen ist.
  2. Berufliche Orientierung. In dieser Phase erhält der Mitarbeiter Einblick in seine eigenen Stärken, Motivationen, persönlichen Herausforderungen und Wünsche an die zukünftige Arbeit.
  3. Vorgehen auf dem Arbeitsmarkt. Der Mitarbeiter bietet sich auf dem Arbeitsmarkt an. Du unterstützt den Mitarbeiter in dieser Phase bei der Suche nach passenden Stellenangeboten, bei der Erstellung eines Lebenslaufes und Bewerbungsschreiben oder bei der Kontaktaufnahme mit Unternehmen innerhalb deines Netzwerkes.

FAQ zu BEM und Wiedereingliederung nach Krankheit

Was ist BEM und wann ist es verpflichtend?

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) muss ab sechs Wochen Krankheit angeboten werden. Die Teilnahme ist freiwillig.

Wie läuft eine Wiedereingliederung ab?

Schrittweise Anpassung bei Arbeitszeit und Aufgaben, in Absprache mit Mitarbeitender, Führung und ggf. Ärztin.

Was gehört in einen BEM-Plan?

Maßnahmen, zeitlicher Ablauf, Verantwortlichkeiten – schriftlich dokumentiert, im Dialog abgestimmt.

Welche Maßnahmen helfen bei psychischen Herausforderungen?

Coaching, flexible Arbeitsmodelle, Rückzugsräume, empathische Führung und klare Kommunikation.

Kann OpenUp beim Wiedereinstieg unterstützen?

Ja. OpenUp unterstützt mit Coaching, Resilienzprogrammen und Dialogformaten für Mitarbeitende und Führungskräfte.

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