Was tun bei Klimaangst? 4 praktische Tipps

OpenUp Redaktion

Von OpenUp Redaktion Überprüft von Psycholog*in Soesja Vogels

5 min
eco-anxiety

Überschwemmungen, Hitzewellen, Waldbrände und Verlust von Artenvielfalt – der Klimawandel und die spürbaren Belastungen für unsere Umwelt können bei vielen von uns ein Gefühl der Überforderung, Stress und Angst auslösen. Immer häufiger berichten Menschen weltweit – besonders aus den jüngeren Generationen – von diesem Gefühl, das man als Klimaangst oder „Eco-Anxiety” bezeichnet. Doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen – und wie kannst du ihnen wirkungsvoll begegnen? In diesem Artikel schauen wir uns an, was genau Klimaangst ist, warum sie entsteht und wie du besser mit ihr umgehen kannst, um diese Sorge vielleicht sogar in etwas Positives zu verwandeln.

Was bedeutet Klimaangst?

Klimaangst, im Englischen bekannt als „Eco-Anxiety”, wird oft beschrieben als eine „chronische Angst vor dem Untergang der Umwelt“. Damit sind mentale Belastungen oder Sorgen gemeint, die durch die sich verschlechternden Umweltbedingungen oder durch negative Gefühle in Bezug auf den Klimawandel ausgelöst werden.

Klimaangst wird nicht als eigenständige medizinische Diagnose geführt, sondern als psychologisches Phänomen verstanden. Zwar zählt sie nicht zu den klassischen Angststörungen, doch betrachten einige Expert*innen sie als prätraumatische Belastungsreaktion, weil die möglichen Folgen des Klimawandels bereits vor ihrem tatsächlichen Eintreten traumatischen Charakter annehmen können.

Der Begriff tauchte vor über 30 Jahren erstmals in der Washington Post auf – und ist heute ein fester Bestandteil politischer und gesellschaftlicher Debatten.

Wie sich Klimaangst auf unser Wohlbefinden auswirkt

Laut Google-Daten stiegen weltweite Suchanfragen zu „Klimaangst“ oder „Eco-Anxiety“ zwischen 2018 und 2023 um ganze 4.590 %. Die beiden häufigsten Fragen sind: „Was ist Klimaangst?“ und „Wie gehe ich mit Klimaangst um?“

Eine Studie aus dem Jahr 2024, veröffentlicht in The Lancet Planetary Health, befragte fast 16.000 Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren. Das Ergebnis: 85 % gaben an, sich zumindest mäßig Sorgen um den Klimawandel zu machen – 57 % sogar „sehr oder extrem“. Viele berichteten, dass diese Sorgen große Entscheidungen im Leben beeinflussen, etwa die Frage, wo sie wohnen wollen, welche beruflichen Wege sie einschlagen oder ob sie überhaupt Kinder bekommen möchten.

„Klimaangst kann unser mentales Wohlbefinden auf ganz unterschiedliche Weise beeinträchtigen“, sagt Soesja Vogels, Psychologin bei OpenUp. „Sie kann unseren Schlaf stören, unsere Stimmung verschlechtern und sogar unsere Beziehungen belasten – besonders dann, wenn Menschen in unserem Umfeld unsere Sorgen nicht teilen.“

Wenn wir Angst haben, ist es nur menschlich, dass wir etwas dagegen tun wollen – wir suchen nach Lösungen, um wieder ein Gefühl von Kontrolle zu bekommen. Aber beim Klimawandel, einem riesigen und komplexen Problem, ist das gar nicht so einfach. „Wenn sich das Problem zu groß anfühlt, um es zu lösen, kann das noch mehr Stress, Angst und manchmal auch ein Gefühl des Scheiterns auslösen“, erklärt Soesja.

Obwohl Klimaangst besonders in der jungen Generation wahrgenommen wird, betrifft es auch ältere Menschen, wie die Daten des Deutschen Alterssurveys zeigen. Oft sind damit auch viele andere Emotionen verbunden – Traurigkeit, Wut, Hilflosigkeit, Schuldgefühle – nicht nur Angst oder Sorge.

4 Tipps im Umgang mit Klimaangst 

Machst du dir Sorgen um die Umwelt? Überwältigt dich ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und fällt es dir schwer, deine Angst zu überwinden? Damit bist du nicht allein. Angesichts eines so großen Problems ist es leicht, sich machtlos zu fühlen. Jedoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit diesen Gefühlen umzugehen.

1. Nimm deine Gefühle ernst

Es mag verlockend sein, das, was du fühlst, beiseite zu schieben oder zu minimieren, aber der beste Ansatz ist, sich den Gefühlen direkt zu stellen. Anstatt zu versuchen, deine Emotionen zu bekämpfen oder zu unterdrücken, konzentriere dich darauf, den Stress, den sie verursachen, Schritt für Schritt zu verstehen und mit ihm umzugehen.

Achtsamkeit kann hier besonders hilfreich sein. Sie wird oft eingesetzt, um Menschen bei der Bewältigung von Angst oder Depression zu unterstützen, und hilft dir, dir deiner Gefühle bewusst zu werden, ohne sie zu bewerten. Mit der Zeit kann sie dich mental stärken und dir mehr Kontrolle darüber geben, wie du auf Stress reagierst.

🎧 Höre dir diese geführte Meditation an, die dir hilft, deine Emotionen zu regulieren und deine Gefühle zu akzeptieren – so wie sie sind.

2. Tausche dich mit Gleichgesinnten aus

Wenn es um Klimaangst geht, werden nicht immer alle verstehen, wie du dich fühlst – selbst enge Freund*innen und Familie nicht immer. Deshalb kann es hilfreich sein, andere zu finden, die deine Sorgen um das Klima teilen. Offene Gespräche über deine Ängste, das Gefühl, gehört zu werden, und die Gewissheit, dass du nicht allein bist, können ein großer Schritt in Richtung mehr Unterstützung und Widerstandskraft sein. Suche nach lokalen Gemeinschaftsgruppen, Online-Foren oder klimaorientierten Veranstaltungen, bei denen du Menschen treffen kannst, die sich für die gleichen Themen einsetzen.

3. Bleib in Kontakt mit der Natur 

Wenn du dir Sorgen um den Zustand des Planeten machst, mag es zwar ironisch erscheinen, aber ein Schritt nach draußen und die Rückverbindung mit der Natur kann unglaublich heilend wirken. Forschung zeigt, dass Zeit draußen in der Natur den Stresspegel senken, die Stimmung heben und sogar Hoffnung und Energie zurückbringen kann. Es erinnert uns daran, dass die Natur nicht nur etwas „draußen“ ist, das wir schützen müssen – sie ist etwas, mit dem wir tief verbunden sind.

Einfache Aktivitäten wie ein Spaziergang im Park, ruhig unter einem Baum sitzen, in der frischen Luft meditieren oder sich um einen Garten kümmern, können Momente der Ruhe und Verbindung schaffen. Das Wichtigste ist, im Moment zu sein. Versuche, dein Handy beiseitezulegen, deinen Schritt zu verlangsamen und wirklich auf die Welt um dich herum zu achten: die Geräusche, die Gerüche, die Farben, das Gefühl des Windes. Wenn es in deiner Umgebung schwer ist, in die Natur zu gehen, bringe die Natur zu dir: Pflanze ein paar Pflanzen zu Hause, höre Naturgeräusche oder dekoriere deinen Raum mit natürlichen Elementen wie Holz, Steinen oder Blumen.

🐝 Erfahre mehr über die heilende Kraft der Natur hier.

4. Werde aktiv

Klimaangst entsteht oft aus dem Gefühl der Machtlosigkeit angesichts eines riesigen, komplexen Problems. Durch Handeln, auch wenn es nur kleine, alltägliche Schritte sind, kannst du wieder ein Gefühl von Kontrolle und Sinn erlangen. Natürlich geht es bei der Bewältigung der Klimakrise nicht nur um individuelle Verantwortung. Systemische Veränderungen von Regierungen, Industrien und globalen Organisationen sind hier die großen Akteure. Aber persönliche Maßnahmen sind trotzdem wichtig. Kleine Schritte, wenn sie von vielen Menschen in verschiedenen Gemeinschaften unternommen werden, können echte Dynamik für größere Veränderungen erzeugen. Außerdem kann das Handeln auch helfen, Gefühle der Hilflosigkeit zu lindern.

Konzentriere dich auf das, was du direkt beeinflussen kannst. Die Unterstützung einer Umweltorganisation, das Freiwilligenengagement bei einer lokalen Aufräumaktion oder einfach bewusstere, umweltfreundlichere Entscheidungen im Alltag – all das kann einen Unterschied machen. Überlege, welche einfachen Änderungen du sofort umsetzen kannst: wiederverwendbare Taschen zum Supermarkt mitnehmen, lokale und saisonale Lebensmittel wählen, den Plastikverbrauch reduzieren oder umweltfreundlichere Fortbewegungsmöglichkeiten wie Radfahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Auch wenn deine Maßnahmen klein erscheinen, helfen sie, ein Gefühl von Handlungsfähigkeit aufzubauen und erinnern dich daran, dass du Teil einer größeren Bewegung bist und nicht alleine kämpfst.

Positive Gefühle zum Schluss

Eine überraschende und vielleicht sogar hoffnungsvolle Wahrheit zum Schluss: Klimaangst erzeugt nicht nur Angst – sie kann auch positive Veränderungen anstoßen. Das dringende Bedürfnis, etwas zu tun, die Entschlossenheit, einen Unterschied zu machen, und der Stolz, einen umweltfreundlicheren Lebensstil zu führen, können all diese ängstlichen Gefühle in eine starke Motivation für Veränderung verwandeln.

“Konzentrier dich auf das, was du kontrollieren kannst, und ergreif Maßnahmen, so klein sie auch sein mögen. Das Gefühl, zu etwas Besserem beizutragen, kann unglaublich motivierend und belebend sein“, sagt Soesja.

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