Pflegekräfte sind in Deutschland 27,8 Tage im Jahr krankgeschrieben, fast zehn Tage mehr als der Schnitt aller Berufstätigen. In der Altenpflege sind es sogar 32,7 Tage. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein konkreter Schichtausfall, eine zusätzliche Belastung für das Team und eine reale finanzielle Belastung für die Einrichtung.
Warum trifft es ausgerechnet die Pflege so hart? Und welche Maßnahmen senken den Krankenstand wirklich, statt nur Symptome zu behandeln?
In diesem Artikel erfährst du, wie sich der Krankenstand in der Pflege gerade entwickelt, welche Ursachen dahinterstecken und welche Maßnahmen sich in der Praxis bewähren, um Fehlzeiten nachhaltig zu senken.
Das Wichtigste in Kürze
- Pflegekräfte fehlen 2025 durchschnittlich 27,8 Tage pro Jahr, Altenpflegende sogar 32,7 Tage und ambulant Pflegende rund 32 Kalendertage. Der Durchschnitt aller Beschäftigten liegt bei 17,7 Tagen.
- Die zentralen Ursachen sind hohe körperliche Belastung, emotionale Erschöpfung, dauerhafter Personalmangel und ein ausgeprägter Präsentismus, also das Arbeiten trotz Krankheit.
- Einrichtungen, die in gute Führung, planbare Dienstpläne und niedrigschwellige psychologische Unterstützung investieren, senken Fehlzeiten messbar und entlasten gleichzeitig ihre Teams.
Wie hoch ist der Krankenstand in der Pflege aktuell?
Pflegekräfte sind die am häufigsten und längsten krankgeschriebene Berufsgruppe in Deutschland. Laut einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) vom Mai 2026 waren Pflegende 2025 durchschnittlich 27,8 Tage krankgeschrieben. In der Altenpflege waren es 32,7 Tage, in der Gesundheits- und Krankenpflege 25,8 Tage. Über alle Berufsgruppen hinweg betrug die Fehlzeit 17,7 Tage. Pflegende fallen also rund zehn Tage länger aus als der Durchschnitt aller Berufstätigen.
Der Krankenstand ist zwar das zweite Jahr in Folge leicht gesunken, das Niveau bleibt aber deutlich erhöht. Im Vergleich zu 2013 fehlen Pflegekräfte heute fast acht Tage mehr pro Jahr.
Die ambulante Pflege liegt nochmal höher. Eine Analyse der AOK Rheinland/Hamburg zeigt: In der ambulanten Pflege fielen Beschäftigte 2023 im Schnitt 32 Kalendertage aus, der Krankenstand lag bei 8,7 Prozent. Unter den zehn häufigsten Diagnosen finden sich sechs psychische Erkrankungen. Das verändert die Diskussion: Der Krankenstand in der Pflege ist nicht nur ein körperliches, sondern zunehmend auch ein mentales Thema.
Was bedeutet das in Kosten? Eine Schätzung der Handwerkskammern geht von 200 bis 400 € pro Ausfalltag aus, abhängig von Betriebsgröße und Aufgabe. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beliefen sich die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit 2024 auf 134 Milliarden Euro, davon rund 61 Milliarden Euro im Sektor öffentliche Dienstleister inklusive Gesundheit und Pflege. Die finanzielle Dimension ist also alles andere als nebensächlich.
Die hohe Belastung in der Pflege ist kein neues Phänomen, aber sie verschärft sich. Der DAK-Pflegereport 2024 zeigt: Berufstätige Pflegende der Boomer-Generation kommen in der Altenpflege auf über 50 Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr. In anderen Berufsgruppen derselben Altersgruppe sind es rund 30 Tage. Wenn diese Generation in den nächsten Jahren in Rente geht, verschwindet ein erheblicher Teil der Erfahrung aus deinem Team, während der Pflegebedarf weiter wächst.
Warum ist der Krankenstand in der Pflege so hoch?
In der Pflege treffen mehrere Belastungsformen aufeinander, die du in dieser Kombination kaum in einem anderen Beruf findest. Vier davon sind besonders prägend.
1. Wenn du weißt, was Patient*innen brauchen, es aber nicht geben kannst
Pflegekräfte wissen genau, welche Zuwendung, welche Zeit, welche Pflege ihre Bewohner*innen oder Patient*innen brauchen. Aufgrund von Personalmangel, Zeitdruck und engen Schichtbesetzungen lässt sich diese Pflege oft nicht so leisten, wie sie nötig wäre.
In der Forschung heißt das „moralische Belastung“ und gilt als eine zentrale Ursache emotionaler Erschöpfung in der Pflege. Was zermürbt, ist nicht die Arbeitslast selbst, sondern die Lücke zwischen Anspruch und Realität.
2. Die tägliche Konfrontation mit Krankheit, Sterben und Krisen
Tag für Tag mit Leid, schweren Diagnosen und Sterben umzugehen, hinterlässt Spuren. Eine umfangreiche Untersuchung der MSH Medical School Hamburg mit über 17.000 befragten Pflegenden kommt auf eine Burnout-Prävalenz von 51,5 Prozent bei Pflegenden in Krankenhäusern. 40,3 Prozent zeigten emotionale Erschöpfung.
Diese Zahlen zeigen: Die Belastung ist strukturell, nicht individuell.
3. Die unsichtbare Arbeit der Emotionsregulation
Ruhig bleiben bei Aggression. Warmherzig bleiben bei Sterbenden. Professionell bleiben, auch wenn die eigenen Reserven leer sind. Pflegekräfte steuern ihre Emotionen den ganzen Tag aktiv. Das kostet weit mehr Energie, als von außen sichtbar ist.
Laut TK-Auswertung 2025 waren Pflegekräfte 5,7 Tage pro Jahr wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben, im Durchschnitt aller Berufsgruppen sind es 3,3 Tage. Die Lücke ist deutlich, und sie wächst seit Jahren.
4. Pflegekräfte arbeiten weiter, bis wirklich nichts mehr geht
Vier von zehn Pflegekräften gehen häufig krank zur Arbeit, fast die Hälfte gibt an, oft oder sehr oft trotz Krankheit zu arbeiten. Das zeigen Daten der BARMER, zitiert im Factsheet des Deutschen Pflegetags 2025. Dieses Phänomen heißt Präsentismus und ist in der Pflege so ausgeprägt wie in kaum einer anderen Branche.
Der Grund: Wer sich krankmeldet, weiß, dass die Kolleg*innen die Lücke füllen müssen. Aus Pflichtgefühl arbeitet man weiter, bis der Körper eine längere Auszeit erzwingt.
OpenUp Psychologin Britt Slief kennt dieses Muster:
„Ein Burnout entsteht nicht von heute auf morgen. Es ist ein langsamer, schleichender Prozess, der oft schon beginnt, bevor das Wort Burnout überhaupt in deinem Kopf auftaucht.“
Was vermeintlich plötzlich passiert, kündigt sich oft monatelang an. Wenn die ersten Anzeichen von Burnout ignoriert werden, kommt die Erschöpfung später mit voller Wucht und dauert länger.
Wie verbreitet sich Krankenstand im Team? Der Domino-Effekt
Wenn sich jemand krankmeldet, steigt das Risiko, dass auch direkte Teamkolleg*innen kurz danach ausfallen. Eine Studie der Universität Oslo beziffert diesen Spillover-Effekt auf etwa 40 Prozent: Pro Krankmeldung erhöht sich das Krankheitsrisiko der drei am direktesten betroffenen Kolleg*innen messbar. Krankenstand ist also kein individuelles, sondern ein strukturelles Phänomen, das sich durchs Team fortpflanzt.
Lange Schichten verstärken diesen Effekt. Teams, die regelmäßig Schichten von zwölf Stunden oder länger fahren, zeigen einen rund 26 Prozent höheren Krankenstand. Die tatsächlichen Kosten einer Krankmeldung sind dadurch deutlich höher als auf dem Papier: Die 200 bis 400 € pro Ausfalltag gelten für die erste Person. Wenn drei Kolleg*innen mit erhöhtem Risiko folgen, multiplizieren sich die Kosten schnell.
Andersherum funktioniert es genauso. Wenn eine Pflegekraft schneller wieder einsatzfähig ist, sinkt der Druck im gesamten Team. Das Risiko, dass weitere Kolleg*innen ausfallen, geht zurück. Jede frühe und wirksame Investition wirkt wie ein Schwungrad: Sie verhindert nicht nur den Ausfall einer Person, sondern stabilisiert das ganze Team.
Wie unterscheidet sich der Krankenstand zwischen den Pflegebereichen?
Die Altenpflege trägt die höchste Last, die ambulante Pflege holt schnell auf, und in der Krankenpflege ist die Belastung zwar geringer, liegt aber immer noch deutlich über dem Durchschnitt aller Berufe. Hier die wichtigsten Zahlen im Überblick:
| Bereich | Fehltage pro Jahr | Quelle |
|---|---|---|
| Altenpflege | 32,7 Tage | TK 2025 |
| Ambulante Pflege | ~32 Kalendertage | AOK Rheinland/Hamburg 2023 |
| Gesundheits- und Krankenpflege | 25,8 Tage | TK 2025 |
| Pflege gesamt | 27,8 Tage | TK 2025 |
| Alle Beschäftigten | 17,7 Tage | TK 2025 |
Die Altenpflege trifft die Mehrfachbelastung am stärksten: hohe körperliche Anforderungen, viel Schichtarbeit, ein im Schnitt älteres Personal, zunehmende Pflegegrade der Bewohner*innen. In der ambulanten Pflege kommen Wegezeiten, Alleinarbeit und emotionale Belastung in häuslichen Kontexten hinzu. Eine aktuelle Studie der TU München von 2025 zeigt: Emotionale Erschöpfung wirkt sich in der häuslichen Pflege deutlich stärker auf die Arbeitsfähigkeit aus als in der stationären. Die Settings unterscheiden sich also auch in ihren wirksamen Hebeln.
Auch das Geschlecht spielt eine Rolle. Rund 84 Prozent der Pflegekräfte sind Frauen. Laut AOK Rheinland/Hamburg lag der Krankenstand in der ambulanten Pflege 2023 bei Frauen bei 9,2 Prozent, bei Männern bei 6,7 Prozent. Ab dem 40. Lebensjahr öffnet sich diese Schere weiter: In der Altersgruppe ab 60 Jahren liegt die Differenz bei knapp 44 Prozent. Ein Grund: Frauen übernehmen häufiger zusätzlich private Sorgearbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Diese Doppelbelastung führt nicht nur zu individuellen Ausfällen, sondern erhöht den Druck auf das gesamte Team.
Was hilft, den Krankenstand in der Pflege wirklich zu senken?
Die wirksamsten Hebel sind: gute Führung, vorausschauende Dienstplangestaltung, direkte und niedrigschwellige Unterstützung bei mentaler Belastung und die Bereitschaft, Krankenstand als organisationales Thema zu behandeln. Wo strukturelle Ursachen unangetastet bleiben, helfen Einzelmaßnahmen wenig. Wo sie angefasst werden, wirkt jede Maßnahme stärker.
1. Investiere in Führungskräfte, nicht nur in Mitarbeitende
Gute Führung senkt Krankenstand messbar. Laut einer im Lancet Psychiatry veröffentlichten Studie senkten bereits vier Stunden gezielte Schulung darin, frühe Anzeichen mentaler Belastung zu erkennen und gute Gespräche zu führen, den arbeitsbedingten Krankenstand signifikant. Jeder investierte Euro brachte etwa zehn Euro durch reduzierte Krankheitskosten zurück.
Bei uns bekommen Führungskräfte Coaching, das genau diese Fähigkeiten trainiert: frühe Signale wahrnehmen, gute Gespräche führen, das Team gezielt entlasten.
2. Beobachte Belastung und Dienstpläne, bevor es zu spät ist
Schichten von zwölf Stunden oder länger erhöhen das Krankheitsrisiko deutlich. Wenn ein Team strukturell überlastet ist, summieren sich die Tage. Praktiker*innen aus der Pflege berichten, was wirklich Druck nimmt: Florian Heuwer, Geschäftsführer eines Seniorenpflegeheims bei Hamburg, hat unter anderem mit digitalen Dienstplänen den Krankenstand gesenkt. Mitarbeitende können ihre Wünsche unkompliziert einbringen, sehen aber datenschutzkonform nur die eigenen Dienste. Das reduziert die Zahl der Krankmeldungen, die eigentlich vermeidbar wären.
Konkret heißt das: Belastung pro Team und pro Schichttyp erfassen, Werte regelmäßig im Team ansprechen und lange Diensthäufungen für dieselben Personen vermeiden.
3. Biete direkten und niedrigschwelligen Zugang zu psychologischer Unterstützung
Psychische Diagnosen sind in der Pflege mit 5,7 Tagen pro Jahr inzwischen einer der häufigsten Gründe für Krankschreibungen. Im Schnitt aller Berufsgruppen liegt der Wert bei 3,3 Tagen. Wenn Pflegende Unterstützung erst suchen, wenn nichts mehr geht, ist es meist zu spät für eine kurze Intervention. Niedrigschwelligkeit ist der entscheidende Hebel: ohne Überweisung, ohne Wartezeit, anonym, an jedem Tag der Woche.
Bei uns buchen Mitarbeitende direkt ein Gespräch mit Psycholog*innen, ohne Verweisung und ohne Wartezeit, in mehr als 40 Sprachen, auch nach einer Nachtschicht. 82 Prozent der Pflegekräfte, die OpenUp nutzen, erholen sich schneller von persönlichen Belastungen. 84 Prozent fühlen sich besser auf künftige Herausforderungen vorbereitet. Pflegekräfte bewerten uns mit 9,7 von 10.
Fehlzeiten zu senken beginnt damit, Hürden zu entfernen. Wenn der Weg zur Hilfe kurz und einfach ist, kommen Pflegende früher und nicht erst, wenn sie schon ausgebrannt sind.
4. Behandle Krankenstand als organisationales Thema
Der größte Hebel liegt nicht in einzelnen Maßnahmen, sondern in der Art, wie deine Einrichtung Krankenstand denkt. Solange Fehlzeiten als individuelles Gesundheitsthema gelten, wird das Symptom behandelt. Erst wenn Krankenstand zum organisationsstrategischen Thema wird, lassen sich strukturelle Ursachen anfassen: stabile Teams, planbare Dienstpläne, Beteiligung der Pflegenden an Entscheidungen, HR mit fester Stimme in der Geschäftsführung.
Eine europäische Studie zum Magnet4Europe-Programm in 56 Krankenhäusern, darunter auch deutsche, bestätigt: Je konsequenter Einrichtungen ihre Arbeitsorganisation, Personalbemessung und Beteiligungsstrukturen an pflegegerechte Standards anpassen, desto stärker sinken Burnout und Fluktuation. Das deckt sich mit dem Beratungsangebot „Arbeitsorganisation Pflege“ der BGW, das Belastungsspitzen und verborgene Ressourcen sichtbar macht.
Wie übersetzt sich das in einen konkreten Plan für deine Einrichtung?
Was kostet der Krankenstand in deiner Einrichtung wirklich?
Wir rechnen es gemeinsam mit dir aus und entwickeln einen Business Case, der deine Geschäftsführung überzeugt.
Wie entwickelst du einen Plan, um den Krankenstand in deiner Pflegeeinrichtung zu senken?
Ein wirksamer Plan folgt drei aufeinander aufbauenden Phasen: erkennen, unterstützen, umgestalten.
Phase 1: Erkennen (Monat 1 bis 2)
Schau dir den Krankenstand pro Abteilung, Team und Schichttyp an. Wo gibt es Auffälligkeiten? Welche Teams melden sich häufiger krank, welche zeigen typische Präsentismus-Muster? Ergänze die Krankenstandszahlen um anonyme Wohlbefindens-Daten, damit Belastung sichtbar wird, bevor sie zur Krankmeldung wird.
Mit dem OpenUp Well-Being-Tracker bekommst du einen schnellen Überblick über das mentale Wohlbefinden im Team und siehst, wo zusätzlicher Support hilft. In Kombination mit deinen Krankenstandsdaten ergibt sich ein vollständiges Bild.
Phase 2: Unterstützen (Monat 2 bis 6)
Mach Unterstützung niedrigschwellig und schule deine Führungskräfte. Sorge für direkten Zugang zu Psycholog*innen, anonym, ohne Warteliste und auf allen Schichtzeiten erreichbar. Trainiere Führungskräfte darin, Signale zu erkennen und gute Gespräche zu führen. Schon vier Stunden gezielte Schulung haben in Studien messbare Effekte gezeigt.
Phase 3: Umgestalten (Monat 6 bis 12)
Geh die Strukturen an. Passe Dienstpläne so an, dass lange Schichthäufungen seltener werden. Sorge für möglichst stabile Teams und wenige Wechsel in der Stationsleitung. Mach mentale Gesundheit zu einem festen Tagesordnungspunkt auf Geschäftsführungsebene, nicht zu einem Sonderprojekt.
Wann lohnt es sich, externe Unterstützung dazuzuholen?
Wann lohnt sich externe Unterstützung?
Externe Unterstützung ist sinnvoll, wenn du eines dieser Signale siehst: der Krankenstand bleibt trotz eigener Maßnahmen über 7 Prozent, Langzeiterkrankungen machen mehr als 40 Prozent der Fehltage aus, oder Führungskräfte stoßen in Gesprächen mit überlasteten Mitarbeitenden an ihre Grenzen.
Gute Unterstützung ist mehr als ein einzelnes Gespräch. Sie verbindet direkten Zugang zu Psycholog*innen mit Führungskräfte-Coaching und mit Wohlbefindens-Dashboards, die deinem HR-Team Daten liefern, statt nur Bauchgefühl. Sie passt zu euren bestehenden Prozessen, ist auf allen Schichtzeiten verfügbar, mehrsprachig und ohne Wartezeit zugänglich.
82 Prozent der Pflegekräfte, die über OpenUp Unterstützung bekommen, erholen sich schneller von Belastungssituationen. 9,7 von 10 würden OpenUp weiterempfehlen. Was am besten funktioniert: Unterstützung früh einbauen, nicht erst dann anrufen, wenn es eigentlich schon zu spät ist.
Sorge gut für die, die sich um andere kümmern
Häufig gestellte Fragen zum Krankenstand in der Pflege
Wie hoch ist der Krankenstand in der Pflege?
Laut aktueller TK-Auswertung vom Mai 2026 waren Pflegekräfte 2025 durchschnittlich 27,8 Tage krankgeschrieben, in der Altenpflege 32,7 Tage und in der Krankenpflege 25,8 Tage. Der Schnitt aller Beschäftigten lag bei 17,7 Tagen. In der ambulanten Pflege liegt der Wert mit rund 32 Kalendertagen sogar noch höher.
Was sind die wichtigsten Ursachen für den hohen Krankenstand in der Pflege?
Pflege fordert viel: moralische Belastung durch die Lücke zwischen Anspruch und Realität, emotionale Erschöpfung durch tägliche Konfrontation mit Leid, dauerhafte Emotionsregulation und ein ausgeprägter Präsentismus. Dazu kommen hohe körperliche Belastung, Personalmangel und unregelmäßige Schichten. Psychische Erkrankungen sind inzwischen einer der häufigsten Gründe für Krankschreibungen in der Pflege.
Was kostet ein Krankheitstag in der Pflege?
Eine Schätzung der Handwerkskammern geht von 200 bis 400 € pro Ausfalltag aus, abhängig von Betriebsgröße und Aufgabe. Die tatsächlichen Kosten sind höher, weil eine Krankmeldung das Risiko weiterer Ausfälle im Team erhöht. Laut BAuA beliefen sich die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle 2024 auf 134 Milliarden Euro, davon rund 61 Milliarden Euro im Sektor öffentliche Dienstleister inklusive Gesundheit.
Welcher Pflegebereich hat den höchsten Krankenstand?
Die Altenpflege liegt mit 32,7 Fehltagen pro Jahr an der Spitze, gefolgt von der ambulanten Pflege mit rund 32 Kalendertagen und der Gesundheits- und Krankenpflege mit 25,8 Tagen. Eine Analyse der AOK Rheinland/Hamburg zeigt, dass psychische Diagnosen in der ambulanten Pflege besonders stark zunehmen.
Wie senkt man den Krankenstand in der Pflege?
Die drei wirksamsten Hebel: Führungskräfte trainieren, frühe Signale zu erkennen und wirkungsvolle Gespräche zu führen. Belastung und Dienstpläne strukturell beobachten und lange Schichthäufungen vermeiden. Niedrigschwelligen Zugang zu psychologischer Unterstützung schaffen, ohne Wartezeit und auf allen Schichten verfügbar. Studien zeigen, dass diese Maßnahmen Fehlzeiten messbar senken und sich finanziell mehrfach auszahlen.