Psychologische Beratung für Lehrer*innen: Welche Form passt zu dir?

Paula Fenker

Von Paula Fenker Überprüft von Psycholog*in Britt Slief

7 min
Eine illustrierte Frau mit einem Telefon in der Hand steht vor einem großen Bildschirm, der eine andere Frau in einem roten Oberteil zeigt, die mit einer Sprechblase über ihrer Hand zu sprechen scheint.

In diesem Artikel

Der letzte Unterrichtstag ist vorbei. Du lässt dich auf die Couch fallen und überlegst, ob du dir Unterstützung holen sollst. Beim Hausarzt gibt es Wartezeiten von Wochen. Und eine Praxis aufzusuchen? Das ist noch ein Termin in einem Stundenplan, der ohnehin schon voll ist. Dabei gibt es Formen psychologischer Beratung, die sich genau um Unterrichtszeiten und Korrekturphasen herum einplanen lassen.

Laut dem Deutschen Schulbarometer 2024 der Robert Bosch Stiftung fühlen sich 78 % der Lehrkräfte stark belastet. Ein wesentlicher Treiber dahinter ist der Lehrermangel in Deutschland, der dazu führt, dass immer mehr Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt werden. Gleichzeitig bleibt das Angebot an niedrigschwelliger Unterstützung für viele unübersichtlich.

In diesem Artikel erklärt Psychologin Britt Slief von OpenUp, welche Formen es gibt und wie du als Lehrkraft herausfindest, welche am besten zu dir passt.

Im Überblick

Es gibt vier Hauptformen psychologischer Beratung für Lehrkräfte: Videogespräch, Chat, Online-Selbsthilfeprogramme und Coaching. Jede Form passt zu einem anderen Beschwerdebild und Alltag. Der Einstieg ist über die Krankenkasse, den Arbeitgeber oder direkt ohne Überweisung möglich.

Welche Formen für psychologische Beratung für Lehrer gibt es?

1. Videogespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen

Ein Live-Gespräch per Bildschirm. Geeignet bei konkreten Beschwerden wie Stress, ersten Burnout-Symptomen oder Anspannung. Gespräche dauern 25 bis 50 Minuten und lassen sich nach dem Abendessen oder in einem freien Zeitfenster einplanen. Über die Krankenkasse per Überweisung oder über den Arbeitgeber zugänglich.

2. Chat-Beratung

Du schreibst mit einer Fachperson, wann es dir passt. Kein fester Termin nötig. Geeignet, wenn du keinen festen Zeitraum hast, aber trotzdem reden möchtest, zum Beispiel an einem Korrekturabend, in der Pause oder am Wochenende. Die Kostenübernahme hängt vom Anbieter und deiner Krankenkasse ab.

3. Online-Selbsthilfeprogramme

Strukturierte Module, die du in deinem eigenen Tempo durchgehst, zum Beispiel abends oder in den Ferien. Geeignet, wenn du selbstständig an Stressmanagement arbeiten möchtest. Oft Teil eines Arbeitgeberangebots.

4. Coaching

Kurze Gespräche von 25 Minuten, fokussiert auf berufliche Herausforderungen. Geeignet, wenn du Belastung angehen möchtest, bevor sie zu Beschwerden wird. Meist vor oder nach der Unterrichtszeit. Oft Teil eines Arbeitgeberangebots.

Welche Form passt zu deiner Situation?

Die richtige Form hängt von vier Faktoren ab:

Konkrete BeschwerdenWenig ZeitSelbstständig arbeitenÜber Arbeitgeber
Videogespräch
Chat-Beratung
Selbsthilfeprogramme
Coaching

Vier Situationen, die wir häufig bei Lehrkräften sehen:

Szenario 1: Dein Funktionieren im Unterricht leidet Du merkst, dass du im Klassenzimmer schneller die Geduld verlierst und abends nicht mehr abschalten kannst. Fang mit Videogesprächen an. Gespräche von 25 Minuten lassen sich nach dem Abendessen oder in einem freien Zeitfenster einplanen.

Szenario 2: Du möchtest Arbeitsstress angehen, bevor es schlimmer wird Starte mit Online-Coaching. Kurze, zielorientierte Gespräche, die sich auf das konzentrieren, was du jetzt verändern kannst.

Psychologin Britt Slief von OpenUp: „Du brauchst keinen Burnout, um an deiner mentalen Widerstandsfähigkeit zu arbeiten.“

Szenario 3: Du hast kaum feste Zeiten, möchtest aber reden Chat-Beratung. Du schreibst, wann es passt. Die Fachperson antwortet innerhalb der vereinbarten Zeit. Kein Termin im Kalender nötig.

Szenario 4: Du möchtest selbstständig loslegen Online-Selbsthilfeprogramme. In deinem eigenen Tempo, oft abends oder in den Ferien. Kombinierbar mit einem begleitenden Gespräch, wenn du nicht weiterkommst.

Psychologin Britt Slief betont: „Es gibt keine richtige oder falsche Wahl. Das Wichtigste ist, eine Form zu wählen, die zu deinem Leben und deiner Energie im Moment passt. Unterstützung wirkt am besten, wenn sie sich auch wirklich machbar anfühlt.“

Wie startest du mit psychologischer Beratung als Lehrkraft?

Die meisten Lehrkräfte starten über einen dieser drei Wege.

Weg 1: Über die Krankenkasse

Für Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) brauchst du in der Regel eine Überweisung vom Hausarzt für die ambulante Psychotherapie. Die Behandlung ist dann ohne zusätzliche Eigenkosten möglich. Der Nachteil: Wartezeiten von mehreren Wochen bis Monaten sind die Regel.

Einige Krankenkassen bieten Zusatzleistungen an, zum Beispiel Erstgespräche oder eine begrenzte Anzahl von Coaching-Einheiten ohne Überweisung. Es lohnt sich, direkt bei deiner Kasse nachzufragen, was dein Tarif abdeckt.

Psychologin Britt Slief von OpenUp: „In meinen Gesprächen erlebe ich oft, dass Menschen in dieser Wartezeit nicht pausieren, sondern weitermachen bis es wirklich nicht mehr geht. Das macht die Erholung oft schwerer.“

Weg 2: Über den Arbeitgeber oder die Schule

Viele Bildungsorganisationen finanzieren psychologische Unterstützung über ihr Gesundheitsbudget oder als Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Frag bei HR oder der Schulleitung nach, ob es eine entsprechende Regelung gibt.

In NRW gibt es außerdem das kostenlose psychosoziale Beratungstelefon Sprech:ZEIT 24/7 (0800 00 07 715) für alle Lehrkräfte im öffentlichen Schuldienst, täglich rund um die Uhr, vertraulich und anonym.

Bei OpenUp erhalten Mitarbeitende direkten und unbegrenzten Zugang zu Psycholog*innen. Gespräche sind anonym und ein Termin ist innerhalb eines Werktages möglich.

Weg 3: Direkt ohne Überweisung

Du kannst auch direkt bei einer Online-Plattform starten, ohne Arzttermin. Bei OpenUp buchst du Gespräche von 25 Minuten, auch abends und am Wochenende, auch für Familienmitglieder. 90 % geben an, dass ihr Thema nach drei Gesprächen gelöst ist.

Wann reicht psychologische Beratung online nicht aus?

Online-Beratung ist wirksam bei Stressbeschwerden, frühen Burnout-Symptomen und berufsbedingter Anspannung. Wenn Beschwerden das tägliche Funktionieren dauerhaft beeinträchtigen, kann eine Weiterleitung zur ambulanten Psychotherapie oder spezialisierten Versorgung sinnvoller sein.

Überlege intensivere Unterstützung zu suchen, wenn du länger als zwei Wochen im Schulalltag nicht mehr funktionierst, sich deine Beschwerden trotz Gesprächen nicht verbessern oder du eine Depression oder Angststörung vermutest.

Im Zweifel hilft ein erstes Gespräch mit einer Fachperson dabei einzuschätzen, was du brauchst. Du musst nicht erst „schlimm genug“ dran sein, um Unterstützung zu suchen.

Für Schulleitungen und HR: wie machst du Beratung für dein Team zugänglich?

Die meisten Bildungsorganisationen finanzieren psychologische Unterstützung über ihr Gesundheitsbudget, im Rahmen von Burnout-Prävention oder als Teil von Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) bietet in vielen Bundesländern einen geeigneten Rahmen dafür. Wie stark sich unbehandelte Belastung auf den Krankenstand auswirkt, zeigt unser Artikel zum Krankenstand im Bildungssektor.

Eine Investition in Wohlbefinden zahlt sich nur aus, wenn Mitarbeitende das Angebot auch wirklich nutzen. Wähle deshalb einen Partner mit niedrigen Hürden, einem transparenten Preis und aktiver Begleitung bei der Einführung.

Bei OpenUp erhalten Lehrkräfte direkten und unbegrenzten Zugang zu Psycholog*innen gegen einen festen Betrag pro Mitarbeiter*in. Die Einführung dauert keine Monate: Die meisten Schulen sind innerhalb weniger Tage einsatzbereit. Ein festes Customer-Success-Team arbeitet mit HR zusammen, um die Nutzung hoch zu halten. Alles ist anonym, auch abends und am Wochenende verfügbar, und Familienmitglieder können ebenfalls Gespräche buchen. Die Nutzung lässt sich über ein Echtzeit-Dashboard verfolgen, ohne Personendaten.

Das Ergebnis: 20 % der Mitarbeitenden sind im ersten Jahr aktiv, deutlich über dem Branchendurchschnitt. 84 % fühlen sich besser auf künftige Herausforderungen vorbereitet.

Warum mehr als 100 Bildungsorganisationen OpenUp nutzen

Lehrkräfte erhalten direkten und unbegrenzten Zugang zu Psycholog*innen, auch abends und am Wochenende.

Häufige Fragen zur psychologischen Beratung für Lehrkräfte

Ist Online-Beratung genauso wirksam wie ein Gespräch vor Ort?

Ja. Forschungsergebnisse bestätigen, dass Online-Interventionen bei leichten bis mittelschweren Beschwerden vergleichbare Ergebnisse erzielen wie Gespräche vor Ort. Für Lehrkräfte mit Stress oder frühen Burnout-Symptomen ist Online-Beratung nachweislich wirksam.

Wird psychologische Beratung für Lehrer von der Krankenkasse übernommen?

Ambulante Psychotherapie wird von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, wenn du eine Überweisung vom Hausarzt hast und die Therapeutin oder der Therapeut zugelassen ist. Rein berufsbedingter Stress oder Coaching fallen in der Regel nicht unter den Leistungsanspruch. Über den Arbeitgeber ist oft ein Einstieg ohne Überweisung möglich. Es lohnt sich außerdem, bei deiner Krankenkasse nach Zusatzleistungen zu fragen.

Kann ich Beratung außerhalb der Unterrichtszeiten in Anspruch nehmen?

Ja. Bei OpenUp buchst du einen Termin innerhalb eines Werktages, auch nach 18:00 Uhr. Chat-Beratung ist vollständig flexibel: Du schreibst, wann es dir passt. Online-Selbsthilfeprogramme durchläufst du in deinem eigenen Tempo, zum Beispiel abends nach dem Korrigieren.

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