Angststörungen zählen laut dgppn zu den häufigsten psychischen Erkrankungen der Deutschen. Etwa 15,4 % leiden jährlich an einer Form der Angststörung – dazu gehören auch Panikattacken. Im Laufe ihres Lebens sind Deximed zufolge 1 bis 5 % der Bevölkerung von einer Panikstörung betroffen. Vorsorge ist besser: Lerne die Symptome von Panikattacken kennen.
In diesem Artikel erfährst du, woher Panikattacken eigentlich kommen, wie du die Symptome von Panikattacken erkennen kannst und wie du mit der richtigen Technik frühzeitig vorbeugen kannst.
Woher kommen Panikattacken?
Gleich vorweg: Panikattacken haben oft keinen speziellen Auslöser. Allerdings treten sie eher auf, wenn du Angst hast, schon länger gestresst bist oder dich ungelöste Probleme belasten.
„Angst ist eine natürliche menschliche Reaktion, die auftritt, wenn du das Gefühl hast, bedroht zu sein”, sagt Psychologin Emma White. „Die meisten Menschen fühlen sich von Zeit zu Zeit ängstlich. Als psychisches Problem wird Angst dann eingestuft, wenn sie deine Fähigkeit belastet, das Leben so zu gestalten, wie du willst”, so White.
Eine Panikattacke ist eine extreme Form der Angstreaktion. Sie kann dich während des Urlaubs treffen, aber auch – ganz unspektakulär – abends auf dem Sofa. Wenn du dann eine solche Panikattacke hinter dir hast, macht sich die Angst vor der Panik breit. Die Angst davor, diese Situation erneut zu erleben. Das führt dazu, dass sich Probleme manifestieren und du gewissen Dingen aus dem Weg gehst und dadurch dein Leben nicht mehr so führen kannst, wie du willst.
Dein Lebensstil kann Panikattacken ebenfalls begünstigen. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Sport sind gut für deinen Körper und machen dich widerstandsfähiger gegen Stress. Alkohol, Nikotin, Koffein und Drogen solltest du eher vermeiden, wenn du zu Panikattacken neigst und öfter unter Angstzuständen leidest.
Auch genetische Veranlagung, Persönlichkeitsstruktur, Kindheitserfahrungen (z.B. überfürsorgliche Eltern, unbefriedigte Bedürfnisse) und bisherige Erfahrungen mit Krankheit wie z.B. ein erlebter Herzinfarkt spielen eine Rolle. Panikattacken sind also ein ganz spezieller Cocktail und nur schwer auf eine einzige Sache zurückzuführen. Die Symptome von Panikattacken zu erkennen, kann dir deshalb dabei helfen, die Ruhe zu bewahren.
Vorsorge ist wie so oft besser als Nachsorge. Lerne hier Methoden kennen, die dir dabei helfen, Stress in etwas Positives zu verwandeln.
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Was tut sich bei einer Panikattacke im Körper?
Eine Panikattacke fühlt sich wesentlich schlimmer an, als es eigentlich ist. Meistens erreicht sie nach 10 Minuten ihren Höhepunkt und hört nach 30 Minuten wieder auf. Während manche Menschen nur wenige Male im Leben davon betroffen sind, erleben einige Personen täglich Panikattacken.
Obwohl sie schwer auszuhalten sind, sind sie eigentlich komplett ungefährlich. Evolutionär gesehen sind Panikattacken sogar gut. Sie versetzen uns in Alarmbereitschaft und warnen uns vor gefährlichen Situationen. Doch wie kannst du eine Panikattacke erkennen?
Eine Panikattacke sorgt für eine Kettenreaktion im Körper. Das Stresshormon Adrenalin wird ausgeschüttet, die Gefäße werden enger, der Herzschlag beschleunigt sich, mehr Blut wird durch die Adern gepumpt und die Muskeln spannen sich an.
Dadurch fühlst du ein beklemmendes Gefühl in der Brust und hast dadurch das Gefühl, nicht mehr gut atmen zu können. Wir haben die 9 häufigsten Symptome von Panikattacken aufgelistet, die dir dabei helfen werden, eine Panikattacke als solche zu erkennen und die Ruhe zu bewahren.
4-7-8-Atmung bei Panikattacken
Atme langsam durch die Nase ein und zähle dabei bis 4, halte dann den Atem während du bis 7 zählst und atme dann kräftig durch den Mund aus während du bis 8 zählst.
Das sind die 9 häufigsten Symptome von Panikattacken
Durch die bereits beschriebene Kettenreaktion im Körper entsteht bei dir das Gefühl, weglaufen zu wollen und eventuell sogar Todesangst. Das Wehren gegen die Panikattacke führt allerdings oft dazu, dass sich die Situation verschlimmert.
Indem du lernst, eine Panikattacke zu erkennen, kannst du auch die richtigen Maßnahmen setzen, die dir beim Überwinden helfen. Hier die 9 häufigsten Symptome von Panikattacken:
1. Herzrasen
Eines der häufigsten Symptome einer Panikattacke ist Herzrasen. Der Puls erhöht sich und das Herz schlägt einem buchstäblich bis zum Hals. Manche erfahren auch ein Herzstolpern oder einen unregelmäßigen Herzschlag. Im Zweifelsfall solltest du solche Symptome medizinisch abklären lassen. So kannst du sicher sein, dass du gesund bist und dich Angstgefühle herausfordern.
2. Engegefühl in Hals und Brust
Durch die starke innere Anspannung zieht sich auch die Brustmuskulatur zusammen. Menschen, die eine Panikattacke erfahren, fühlen daher oft ein Engegefühl, Stechen oder Brennen in der Brust und haben daher die Angst, dass sie einen Herzinfarkt erleiden. Auch hier gilt: Besser mal das Herz medizinisch abchecken lassen, um diese Ursache ausschließen zu können.
3. Atemnot
Durch das Engegefühl in der Brust treten auch Atembeschwerden auf. Personen, die eine Panikattacke erleben, haben das Gefühl, nicht mehr gut atmen zu können und sind kurzatmig. Durch die Angst zu ersticken tritt manchmal eine Hyperventilation ein. Atemübungen können dir dabei helfen, diese Symptome zu bewältigen. Durch das Beherrschen einiger wirksamer Techniken fühlst du dich außerdem stärker, Situationen wie diese meistern zu können.
4. Schweißausbrüche
Von Hitzewellen und Schweißausbrüchen bis hin zu Kälteschauern und Schüttelfrost: Die Symptome bei einer Panikattacke reichen weit.
5. Bauchschmerzen und Durchfall
Angst schlägt vielen auf den Magen. Menschen, die unter Angststörungen leiden, schildern sowohl Übelkeit und Bauchschmerzen, als auch Blähungen und Durchfall.
6. Schwindelanfälle
Plötzlich eintretendes Augenflimmern und Schwindel gehören ebenfalls zu den häufiger auftretenden Symptomen einer Panikattacke. Betroffene haben daher Angst, die Kontrolle zu verlieren und ohnmächtig zu werden.
7. Trockener Mund
Was hat nun ein trockener Mund mit einer Panikattacke zu tun? Das ist eigentlich ganz einfach: Durch die Aufregung vermindert sich der Speichelfluss. Zudem atmen Menschen bei einer Panikattacke oft durch den Mund, wodurch trockene Luft in den Rachenraum gelangt. Schluckbeschwerden sind daher ein weiteres Symptom einer Panikattacke.
8. Kopfschmerzen
Ob matschiges Gefühl im Kopf, Gehirnnebel oder starker Druck: Eine Panikattacke macht sich auch oft im Kopf bemerkbar und sorgt bei vielen Menschen für Kopfschmerzen.
9. Kribbeln und Taubheitsgefühle
Ein unangenehmes Kribbeln, Taubheitsgefühle in Armen und Beinen oder starker Juckreiz? Auch an diesen Symptomen kannst du eine Panikattacke erkennen, denn sie wirkt sich ebenfalls auf die Haut aus.
Was hilft gegen Panikattacken sofort?
Panikattacken können sich überwältigend anfühlen, aber sie sind nicht gefährlich und gehen immer vorbei. Auch wenn es sich endlos anfühlt, kannst du lernen, besser damit umzugehen.
Das kann dir während einer Panikattacke helfen:
- Kämpfe nicht gegen die Panik an
Drück deine Gefühle nicht weg. Nimm wahr, was gerade passiert, und gib deinem Körper die Zeit, die er braucht. - Erinnere dich daran, dass du sicher bist
Sag dir bewusst: Ich bin nicht in Gefahr. Dieses Gefühl lässt wieder nach. - Bleib, wenn möglich, wo du bist
Schau dich um und such dir einen festen Punkt oder einen Gegenstand, auf den du dich konzentrieren kannst. - Such Ablenkung oder Unterstützung
Wenn andere Menschen da sind, sprich mit ihnen, am besten über etwas Alltägliches. Das kann dir helfen, dich wieder zu beruhigen. - Verlangsame deine Atmung
Atme langsam durch die Nase ein, halte kurz an und atme dann langsam wieder aus. Die 4-7-8-Atmung kann dir helfen, ruhiger zu werden.
Übe diese Techniken auch in ruhigen Momenten
Dann fühlen sich die Techniken in einer Panikattacke vertrauter an und du kannst sie leichter anwenden.
Panikattacke: Nachwirkungen
Nach einer Panikattacke fühlen sich Menschen müde und erschöpft – wie nach einer körperlichen Tätigkeit. Ruhe dich danach am besten gut aus. Diese 5 Achtsamkeitsübungen zum Entspannen können dir ebenfalls helfen.
„Oft hilft es auch, jemandem, dem du vertraust, davon zu erzählen und es gemeinsam zu besprechen. Besonders hilfreich kann es sein, zu fragen, ob jemandem etwas an dir auffällt, bevor du eine Panikattacke bekommst und wie du dir wünschst, dass dir geholfen wird”, empfiehlt Psychologin White.
Wenn du unsicher bist, ob du die Symptome richtig erkannt hast und nicht doch ein gravierendes Problem vorliegt, kannst du immer einen Termin bei deinem Hausarzt vereinbaren.
Wichtig ist auch, bestimmte Orte nach einer Panikattacke nicht zu vermeiden. Denn dadurch wird die Angst nur noch schlimmer und weitet sich im Zweifelsfall auf andere Orte oder Lebensbereiche aus.
Was kann ich langfristig gegen Panik tun?
Eine Therapie kann dir dabei helfen, mit Angstzuständen umzugehen. In einem Einzelgespräch mit Psycholog*innen lernst du Techniken kennen, die dir ganz individuell beim Bewältigen einer Panikattacke helfen.
Zögere nicht, dir professionelle Unterstützung zu holen. Denn bei einem gebrochenen Arm würdest du doch auch zum Arzt gehen, oder?
Wie immer gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Beginne daher bereits, wenn du mit den ersten Herausforderungen konfrontiert bist und nicht, wenn das Problem zu einem Riesen herangewachsen ist.
Wenn du zu Panikzuständen neigst, kannst du deinen Lebensstil anpassen. Sport wirkt sich zum Beispiel positiv aus, denn du lernst, dass ein höherer Puls auch eine normale Reaktion deines Körpers sein kann. Du wirst dadurch resilienter und übernimmst die Führung über dein Leben.
Auch Techniken zur Stressbewältigung, Entspannungsübungen und Achtsamkeit helfen dir bereits frühzeitig, mit stressigen Situationen umzugehen und eine Panikattacke leichter zu bewältigen. Bei OpenUp kannst du Achtsamkeit in Einzelsitzungen oder in einer Gruppensitzung lernen.
Brauchst du Hilfe im Umgang mit Panikattacken?
Häufig gestellte Fragen zu Panikattacken
Was kannst du während einer Panikattacke tun?
Wenn du eine Panikattacke hast, bleib am besten dort, wo du gerade bist. Erinnere dich: Eine Panikattacke ist nicht gefährlich und geht von allein vorbei, auch wenn es sich anders anfühlt. Schau dich um und such dir etwas, worauf du dich konzentrieren kannst. Atme langsam ein und aus, das hilft deinem Körper, ruhiger zu werden. Wenn jemand bei dir ist, bitte um Unterstützung oder sprich über etwas Alltägliches, um dich abzulenken.
Was ist eine Panikattacke?
Eine Panikattacke ist wie eine starke Welle von Angst, die mit heftigen körperlichen Reaktionen kommt. Dein Herz schlägt schneller, du atmest anders und deine Muskeln werden angespannt. Nach etwa 10 Minuten ist die Panik meist am stärksten. Die Symptome wirken bedrohlich, sind aber nicht gefährlich. Im Grunde ist es ein Fehlalarm deines Körpers.
Wie fühlt sich eine Panikattacke an?
Jede Panikattacke fühlt sich anders an. Häufige Anzeichen sind Herzrasen, Enge in der Brust, Atemnot, Schwindel, Schwitzen, Übelkeit oder Kribbeln. Viele haben Angst, die Kontrolle zu verlieren oder krank zu sein. Diese Gedanken können die Panik noch verstärken.
Wie lange dauert eine Panikattacke?
Nach etwa 10 Minuten ist eine Panikattacke meist am stärksten. Danach lässt sie langsam nach. Oft ist sie nach spätestens 30 Minuten vorbei, auch wenn es sich länger anfühlen kann. Viele fühlen sich danach noch eine Weile müde oder angespannt.