Kennst du diese Stimme im Kopf, die dich ständig nieder macht und dir sagt, dass du nicht gut genug bist? Mit dieser Wichtigtuerei weist dich ständig darauf hin, was du falsch machst, was du anders machen könntest und wie oft du schon versagt hast. Diese Stimme beinhaltet alle möglichen Meinungen über dich und stellt die höchsten Anforderungen an dich. Das ist dein innerer Kritiker oder deine innere Kritikerin: Eine hartnäckige kleine Stimme, die sich besonders gerne in Momenten zu Wort meldet, in denen du dich unsicher fühlst.
Steht dir diese kritische Stimme im Weg, wenn du dein Leben nach deinen Vorstellungen leben willst? Dann ist es wichtig, sie zu erkennen und zu lernen, wie man auf konstruktive Weise mit ihr kommunizieren kann. Denn wenn du das tust, kannst du die Stimme dazu bringen, für dich zu arbeiten, anstatt gegen dich.
Alle haben eine innere kritische Stimme
Deine innere kritische Stimme kann dir viel Kummer bereiten. Wenn sie zu oft an die Oberfläche kommt, kann sie dich sogar in deiner persönlichen Entwicklung und den Träumen, die du verfolgen willst, behindern.
Jeder Mensch hat einen inneren Kritiker oder eine innere Kritikerin, auch wenn er*sie nicht für alle ein Problem darstellt. Es ist jedoch so, dass diese kritische Stimme fast immer präsent ist, wenn jemand mit mentalen Herausforderungen zu tun hat.
Werfen wir einen Blick auf Burnout: Menschen, die damit kämpfen, sind sehr kritisch mit sich selbst, sie setzen die Messlatte zu hoch an und fallen in ihren Augen immer wieder zurück. Perfektionismus und eine innere kritische Stimme gehen Hand in Hand.
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Die innere kritische Stimme erfüllt einen Zweck
Es kann ziemlich schwierig sein, mit dieser Stimme im Kopf zu leben, die dir ständig sagt, was du falsch machst. Aber eigentlich brauchst du sie auch. Sie ermutigt dich, dich als Person weiterzuentwickeln, dein Verhalten zu verbessern und zu korrigieren. Sie kann dich auch vor Gefahren und Verhaltensweisen schützen, die dich in Schwierigkeiten bringen könnten.
Dein innerer Kritiker oder innere Kritikerin ist in deiner Kindheit entstanden und war ursprünglich ein Selbstschutzmechanismus, der dich vor Enttäuschungen, Traurigkeit und Ablehnung schützen sollte.
Es lehrt dich, was du tun „musst“ und was das richtige Verhalten gemäß den sozialen Normen deiner Eltern oder der Gruppe ist, der du angehören willst, damit du nicht abgelehnt oder ausgegrenzt wirst.
Ihre Dominanz
Jetzt, wo du erwachsen bist, brauchst du diese kritische Stimme eigentlich nicht mehr. Manchmal bietet sie vielleicht einige nützliche Einsichten, aber wenn sie außer Kontrolle gerät, kann sie ernsthafte Auswirkungen auf dein Leben haben.
Eine ständig präsente kritische Stimme in deinem Kopf verschlingt deine Energie und führt zu Unsicherheit, Frustration, Stress und anderen negativen Gefühlen.
Auch wenn die Art zu kommunizieren nicht immer hilfreich oder gut für dein Selbstvertrauen ist, denk daran, dass deine innerere kritische Stimme nur auf dich achtet.
Wenn sie ständig murrt und sich missbilligend äußert, ist es nur natürlich, dass du sie wegstoßen oder dich wehren willst. Aber denk daran, dass dies in der Regel kontraproduktiv ist und dich nur noch kritischer gegenüber dich selbst macht.
Der Trick besteht darin, zu lernen, auf deine innere Stimme zu hören und mit ihr zu kommunizieren, so dass sie dir gegenüber sanfter wird und wie ein inspirierender Coach wirkt.
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Wie kannst du dich mit der kritischen Stimme in deinem Kopf anfreunden?
1. Werde dir deiner kritischen Stimme bewusst und beobachte sie
Der erste Schritt ist, sich der kritischen Stimme in deinem Kopf bewusst zu werden. Behandle dich selbst wie ein interessantes Forschungsobjekt und beobachte deine Gedanken und Muster. Nimm dir ein Notizbuch zur Hand und schreibe auf, wie du über dich selbst denkst und welche negativen Gedanken in bestimmten Situationen immer wieder auftauchen.
Diese Beobachtung kann ziemlich konfrontierend sein, besonders am Anfang. Erinnere dich während des Prozesses immer wieder daran, dass es „nur“ eine Stimme in deinem Kopf ist und nicht wie du wirklich bist.
Es kann helfen, deiner kritischen Stimme einen Namen zu geben und sie jedes Mal, wenn du sie bemerkst, beim Namen zu nennen: „Ach, da ist wieder Bobby, der Kritiker“. Das wird dir helfen, eine Perspektive zu gewinnen, deine Gedanken zu ordnen und etwas Abstand von all dem Lärm in deinem Kopf zu gewinnen, wodurch deine kritische Stimme letztendlich weniger mächtig wird.
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2. Setz dich mit deiner kritischen Stimme auseinander und hinterfrage sie
Hast du die abwertenden und einschränkenden Dinge, die du über dich selbst denkst, aufgeschrieben? Dann ist es an der Zeit, sich mit damit auseinanderzusetzen.
Denk daran, dass dein innerer Kritiker oder deine innere Kritikerin nur das Beste für dich will, also stelle sie liebevoll in Frage. Was genau will sie dir sagen? Worüber macht sie sich Sorgen?
Frag dich auch, ob die Dinge, die sie dir sagt, tatsächlich wahr sind. Musst du ihr glauben? Wenn du deine innere kritische Stimme hinterfragst, wirst du feststellen, dass die Realität oft nicht so ist, wie du denkst, dass sie ist.
Eine gute Möglichkeit, deine innere kritische Stimme auszuschalten, ist die Methode „The Work“ der amerikanischen Rednerin und Autorin Byron Katie. Indem du dir vier Fragen stellst, kannst du die negative Ladung deiner inneren kritischen Stimme entfernen und der Welt mit neuen Augen begegnen.
3. Wähle hilfreiche Gedanken
Kannst du die negativen Überzeugungen und Gedanken, die du dir selbst eingeredet hast durch hilfreiche Gedanken ersetzen, z. B. „Ich bin gut so, wie ich bin!“, „Ich muss nicht alles perfekt machen!“ oder „Es ist in Ordnung, nicht immer alles zu wissen“? Dein Inneres wird lernen, dir zu vertrauen, was bedeutet, dass deine innere Stimme freundlicher werden wird.
Ein guter „Trick“ besteht darin, sich vorzustellen, was du zu guten Freund*innen sagen würdest. Wenn du dir zum Beispiel Vorwürfe machst, weil du zu spät zu einem Treffen gekommen bist, sag nicht: „Wie konntest du das tun, du bist so ein schlechter Mensch!“. Sag stattdessen: „Ich weiß, dass du dein Bestes getan hast, um hier zu sein, aber es hat einfach nicht geklappt. Das passiert auch den Besten von uns, oder? Der anderen Person hat es wirklich nichts ausgemacht, fünf Minuten zu warten.“
Hast du festgestellt, dass es nicht immer einfach ist, deine Gedanken zu ändern? Es hilft auch, wenn du deine Gedanken nicht so ernst nimmst. Denk dir einfach: „Oh, ich habe schon wieder selbstkritische Gedanken. Das ist in Ordnung, aber ich muss mich nicht von ihnen beherrschen lassen“. Auf diese Weise schaffst du etwas Abstand zwischen dir und deiner inneren kritischen Stimme.
4. Danke deiner kritischen Stimme
Du weißt jetzt, dass deine kritische Stimme nur das Beste für dich will und dass sie existiert, um dich zu schützen. In vielerlei Hinsicht kannst du sie als ein verängstigtes kleines Kind betrachten, das du in deinem Kopf herum trägst. Sie macht sich nur Sorgen um dich und du kannst ihr dafür danken.
Darüber hinaus hat deine kritische Stimme dir noch einiges beizubringen. In welchen Bereichen deines Lebens könntest du lernen, freundlicher zu dir zu sein? Und wo möchtest du vielleicht etwas ändern?
Indem du für die Botschaften dieser Stimme dankbar bist, anstatt dich von ihnen angegriffen zu fühlen, lernst du mehr über dich selbst, was dir allmählich helfen wird, als Mensch zu wachsen und dich zu entwickeln.
Umarme deine innere kritische Stimme
Wenn du dieser kleinen Stimme in deinem Kopf mit mehr Mitgefühl begegnest, schafft das mehr Frieden, Erfüllung und Akzeptanz in deinem Leben. Du wirst dich freier fühlen, so zu sein, wie du bist, und das zu tun, worin du gut bist.
Fällt es dir schwer, dies allein zu schaffen, und brauchst du Unterstützung? Dann vereinbare ein Gespräch mit unseren Psycholog*innen.
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