Stellen, die monatelang unbesetzt bleiben. Kolleg*innen, die einspringen und Überstunden machen. Klassen, die zusammengelegt werden. Der Lehrermangel in Deutschland betrifft das gesamte Bildungssystem. Und er wird größer.
Im Schuljahr 2025/2026 fehlen in Deutschland voraussichtlich rund 35.000 Lehrkräfte. Die Ursachen liegen tief: Überalterung des Lehrpersonals, zu wenig Nachwuchs aus Lehramtsstudiengängen und hohe Belastung im Berufsalltag verstärken sich gegenseitig.
In diesem Artikel erfährst du, wie groß der Lehrermangel in Deutschland wirklich ist, was ihn antreibt und was Schulen konkret tun können, um ihre Lehrkräfte zu halten. Mit Einblicken von Psychologin Kim Schlüter von OpenUp.
Wie groß ist der Lehrermangel in Deutschland?
Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen im Schuljahr 2025/2026 in Deutschland voraussichtlich rund 35.000 Lehrkräfte. Bis 2030/31 könnten es bereits 68.000 sein, bis 2035/36 sogar 76.000. Die Kultusministerkonferenz (KMK) schätzt etwas niedriger, geht aber ebenfalls davon aus, dass bis 2035 rund 49.000 Lehrkräfte fehlen werden.
Die Zahlen variieren je nach Quelle. Doch eines zeigen alle: Die Lage verschärft sich. Allein in Nordrhein-Westfalen waren im Dezember 2025 rund 8.800 Stellen unbesetzt.
Dabei spiegeln die offiziellen Zahlen die Realität nur unvollständig wider. Schulen gleichen Lücken mit Quereinsteigenden, Mehrarbeit für bestehendes Personal und dem Zusammenlegen von Klassen aus. Diese Lösungen tauchen in keiner Statistik auf, obwohl Schüler*innen und Teams sie täglich spüren.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Teilzeitquote unter Lehrkräften mit 43,1 % einen neuen Höchststand erreicht hat und 2024 rund 10,5 % aller Lehrkräfte keine formale Lehramtsprüfung abgelegt hatten, Tendenz steigend.
Ursachen und Folgen des Lehrermangels in Deutschland
Der Lehrermangel ist das Ergebnis mehrerer Entwicklungen, die gleichzeitig einsetzen: Mehr als ein Drittel (36,2 %) aller Lehrkräfte ist älter als 50 Jahre, 10,6 % sind bereits 60 Jahre oder älter. Diese Jahrgänge gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand, und die Ausbildungskapazitäten reichen nicht aus, um sie zu ersetzen.
Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen. Laut der Bildungsministerkonferenz werden bis 2032 rund 600.000 zusätzliche Kinder und Jugendliche im Bildungssystem erwartet.
Diese Entwicklungen verstärken sich gegenseitig. Weniger Kolleg*innen bedeuten mehr Belastung pro Person. Mehr Belastung führt zu höherem Krankenstand und höherem Ausfall. Mehr Ausfall vergrößert den Mangel. Schulen geraten in einen Kreislauf, der sich nicht von selbst auflöst. Mehr dazu im Artikel über den Krankenstand im Bildungssektor.
„Krankenstand im Bildungsbereich ist selten das Ergebnis eines einzelnen Auslösers. Meistens ist es eine Kombination aus struktureller Belastung und langanhaltender psychischer Erschöpfung.“
— Psychologin Britt Slief von OpenUp
Das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung bestätigt das: Mehr als ein Drittel der Lehrkräfte fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft. Besonders betroffen sind jüngere Lehrkräfte, Frauen und Grundschullehrkräfte. Über ein Viertel würde den Schuldienst verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.
Wer mehr über die psychischen Folgen für Lehrkräfte erfahren möchte, findet weitere Informationen in unserem Artikel über Burnout bei Lehrkräften.
Warum verlassen Lehrkräfte den Schuldienst?
Arbeitsbelastung, fehlende Autonomie und zu wenig Raum zur Erholung. Das sind die häufigsten Gründe, warum Lehrkräfte den Schuldienst verlassen. Es sind nicht nur ältere Jahrgänge, die gehen, auch jüngere Lehrkräfte steigen früh aus.
„Die Arbeitsbelastung, das Fehlen ausgefallener Kolleg*innen und die Herausforderungen im Schulalltag, zum Beispiel innerhalb von Klassen, sind Themen, die bei uns in Gesprächen sehr oft vorkommen. Es wird viel von Lehrkräften erwartet, und das macht sich bemerkbar.“
— Psychologin Kim Schlüter von OpenUp
Das eigentliche Leitmotiv des Berufs, das Unterrichten, ist selten das, was Lehrkräfte antreibt zu gehen. Was sie letztlich zermürbt, ist alles drum herum: Verwaltungsaufgaben, Besprechungen, zu große Klassen und das Gefühl, kaum selbst bestimmen zu können, wie sie arbeiten.
„Menschen merken erst, wie belastet sie sind, wenn sich die Beschwerden bereits aufgestapelt haben.“
— Psychologin Britt Slief von OpenUp
Genau deshalb ist frühzeitiges Erkennen so wichtig. Bis jemand sich krankmeldet oder kündigt, hat sich das Thema oft schon über Monate aufgebaut. Schulen, die erst bei einer Krankmeldung reagieren, sind meistens einen Schritt zu spät.
Was können Schulen tun, um Lehrkräfte zu halten?
Lehrkräfte zu halten beginnt nicht beim Gehalt. Es beginnt damit, Belastung zu reduzieren, psychische Erschöpfung ernst zu nehmen und das Gespräch rechtzeitig zu suchen.
„Wer früh spricht, verhindert, dass sich die Anspannung festsetzt“, erklärt Psychologin Britt Slief von OpenUp
Frühzeitiges Erkennen muss dabei nicht aufwändig sein. Ein kurzes monatliches Gespräch von zehn Minuten, in dem du wirklich fragst, wie es geht, reicht oft aus, um Herausforderungen aufzufangen, bevor sie eskalieren.
Das sind die wichtigsten Schritte, die eine Schule gehen kann:
1. Regelmäßige Gespräche zum Wohlbefinden einplanen
Warte nicht bis zum Jahresgespräch, sondern mach das zum festen Bestandteil. Kurze Check-ins sorgen dafür, dass psychische Belastung angesprochen werden kann und Krankenstand sich vermeiden lässt.
2. Unnötige Verwaltung abbauen
Jede Stunde weniger Bürokratie ist eine Stunde mehr für den Unterricht oder zur Erholung. Eine faire Aufgabenverteilung im Team hilft dabei, strukturell zu entlasten.
3. Fortbildungszeit für mentale Gesundheit nutzen
In vielen Bundesländern stehen Lehrkräften Fortbildungstage zu. Diese lassen sich gezielt für Coaching, Workshops zur Stressprävention oder Resilienztraining einsetzen, ein konkreter Schritt im Rahmen eines schulischen Gesundheitsmanagements.
4. Berufseinsteiger*innen in den ersten Jahren intensiv begleiten
Viele Lehrkräfte verlassen den Beruf in den ersten fünf Jahren. Mit Mentoring, regelmäßigem Coaching und einer bewusst reduzierten Belastung in dieser Phase lässt sich das verändern.
5. Niedrigschwellige psychologische Unterstützung anbieten
Präventives Coaching ohne Wartezeit hilft mehr als abwarten, bis jemand langfristig ausfällt. Wenn jemand schnell mit jemandem sprechen kann, geht es auch schneller wieder bergauf. Über OpenUp erhalten Lehrkräfte direkten und unbegrenzten Zugang zu einer Psychologin oder einem Psychologen, ohne Warteliste, ohne Überweisung.
6. Stress offen ansprechen
Mach psychische Belastung zu einem regulären Thema im Teamgespräch. Schulen, in denen Stress kein Tabuthema ist, haben nachweislich weniger langfristige Burnout-Erkrankungen.
Wie OpenUp Bildungsorganisationen dabei unterstützt, Lehrkräfte zu halten
Mehr als 100 Bildungsorganisationen arbeiten mit OpenUp. Lehrkräfte buchen selbst ein Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen, auch abends und am Wochenende. Ohne Warteliste, ohne Überweisung, ohne Limit bei der Anzahl der Gespräche. HR-Verantwortliche erhalten über ein anonymisiertes Dashboard Einblicke in Trends und können frühzeitig handeln.
OpenUp ist innerhalb weniger Tage einsatzbereit. Eine eigene Implementierungsbegleitung unterstützt den Start und bleibt engagiert, damit die Nutzung hoch bleibt.
Das Ergebnis: 20 % aktive Nutzung im ersten Jahr. 84 % der Nutzer*innen fühlen sich besser auf künftige Herausforderungen vorbereitet. 82 % erholen sich schneller von persönlichen Rückschlägen (Impact Report, n=871).
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Häufige Fragen zum Lehrermangel in Deutschland
Was tut die Politik gegen den Lehrermangel in Deutschland?
Die Bundesländer gehen den Lehrermangel auf mehreren Wegen an: mehr Quereinsteiger*innen, Abordnungen in unterversorgte Regionen, zusätzliche Studienplätze für bestimmte Lehrämter und der Ausbau regionaler Kooperationen zwischen Schulen, Kommunen und Hochschulen. NRW-Schulministerin Dorothee Feller betonte, dass der Lehrkräftemangel nach wie vor die größte Herausforderung für viele Schulen sei. Maßnahmen wie Bürokratieabbau sollen Lehrkräfte entlasten, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können.
Wie entwickelt sich der Lehrermangel bis 2030?
Die Zahlen werden sich nach aktuellen Prognosen deutlich verschlechtern: von rund 35.000 fehlenden Lehrkräften im Schuljahr 2025/2026 auf voraussichtlich 68.000 bis 2030/31 und bis zu 76.000 bis 2035/36. Besonders betroffen sind die Sekundarstufe I, Berufsschulen und Grundschulen in Ballungsräumen.
Welche Fächer sind vom Lehrermangel am stärksten betroffen?
Besonders groß ist der Mangel in MINT-Fächern: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Da die Wirtschaft dieselben Fachkräfte sucht und in der Regel besser bezahlt, ist es schwer, hier gegenzusteuern. Auch in der Sonderpädagogik und an Grundschulen in städtischen Gebieten bleiben viele Stellen unbesetzt.