Einsam an Weihnachten? Das kannst du tun

OpenUp Redaktion

Von OpenUp Redaktion Überprüft von Psycholog*in Judith Klenter

5 min

In diesem Artikel

Zusammen über den Weihnachtsmarkt schlendern, einen warmen Glühwein genießen oder die ersten Weihnachtsplätzchen backen – der Dezember steckt voller festlicher Momente. Es ist eine Zeit zum Innehalten, Entspannen und für wunderbare Stunden mit Familie und Freund*innen.

Wenn du das liest, denkst du vielleicht: „Klingt schön, aber das bin ich nicht!“ Und falls das so ist, bist du damit keineswegs allein. Viele Menschen fühlen sich gerade in der festlichen Jahreszeit besonders einsam. In diesem Artikel erklärt dir OpenUp-Psychologin Judith Klenter, warum Einsamkeit in dieser Zeit häufiger auftritt und gibt dir hilfreiche Tipps, wie du mit einem stärkeren Gefühl von Verbundenheit ins neue Jahr starten kannst.

Warum gerade jetzt?

Auch wenn sich viele Menschen rund um Weihnachten einsam fühlen, unterscheiden sich die Gründe dafür von Person zu Person. Mögliche Ursachen können sein:

Du lebst im Ausland und kannst nicht nach Hause reisen.

Du siehst auf social Media ständig Fotos und Posts von anderen, die Weihnachten feiern und verspürst FOMO, die Angst, etwas zu verpassen

Du hast kein gutes Verhältnis zu deiner Familie.

Du befindest dich in einer schwierigen finanziellen, gesundheitlichen, zwischenmenschlichen oder mentalen Situation.

Du feierst Weihnachten aus kulturellen oder religiösen Gründen nicht.

Gerade der letzte Punkt kann herausfordernd sein, besonders, wenn du in einem Land lebst, in dem Weihnachten eine zentrale Rolle spielt. Dann kann schnell das Gefühl entstehen, ausgeschlossen zu sein, vor allem, wenn das öffentliche Leben in dieser Zeit nahezu stillsteht.

Weihnachten kann auch finanzielle Belastungen mit sich bringen. Wenn es zum Jahresende knapp im Portemonnaie wird, können viele Menschen nicht mit Freund*innen über den Weihnachtsmarkt bummeln, auf die Eisbahn gehen oder an anderen Aktivitäten teilnehmen. Das kann das Gefühl von Einsamkeit zusätzlich verstärken.

Belasten dich finanzielle Sorgen?

In unserem Artikel erfährst du 4 Schritte, mit denen du wieder mehr Kontrolle zurückgewinnen kannst.

Judith betont, dass fehlender Kontakt zur Familie ebenfalls ein wichtiger Faktor für Einsamkeit sein kann. Das kann besonders Menschen aus der LGBTQIA+ Community betreffen, deren Familien möglicherweise wenig akzeptierend sind, aber auch Menschen, die belastende Kindheitserfahrungen gemacht haben oder aus insgesamt schwierigen Familiensituationen kommen.

„Selbst wenn du das ganze Jahr über keinen Kontakt zu deiner Familie hattest, kann es an Weihnachten trotzdem schwer sein, allein zu sein, einfach weil in unserer Kultur so viel Wert darauf gelegt wird, dass dieses Fest im Kreis der Familie gefeiert wird.“

Was hilft?

Überraschenderweise sind wir mit dem Gefühl der Einsamkeit an Weihnachten alles andere als allein. Laut einer weltweiten Umfrage erleben rund 33 Prozent der Erwachsenen Gefühle von Einsamkeit. Doch was können wir tun, um diesem Gefühl entgegenzuwirken? Hier sind unsere Tipps, wie du mit Einsamkeit in der Weihnachtszeit (und darüber hinaus) besser umgehen kannst.

1. Zeit mit dir genießen

Laut Judith kannst du Einsamkeit vorbeugen, indem du für jeden Feiertag etwas Schönes nur für dich selbst einplanst. Das kann ein langes Bad sein, ein gutes Buch oder ein gemütlicher Weihnachtsfilm. Die freien Tage über Weihnachten bieten eine ideale Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und dich vom Stress zu erholen – insbesondere von dem, der durch viele soziale Verpflichtungen entsteht. Betrachte diese Zeit als Chance, wieder mehr bei dir selbst anzukommen und bewusst Dinge zu tun, die dir guttun.

2. Auf andere zugehen

Wenn es dir schwerfällt, die Feiertage allein zu verbringen, kannst du bewusst Möglichkeiten schaffen, mit anderen in Kontakt zu kommen. Vielleicht nimmst du an einem Videoanruf während einer bestimmten Tradition teil, etwa beim Abendessen, dem gemeinsamen Frühstück oder beim Geschenkeauspacken.

Oft gibt es auch andere Menschen in ähnlichen Situationen. Wenn du weißt, dass Freund*innen oder Kolleg*innen ebenfalls allein feiern, kannst du die Initiative ergreifen und sie einladen, Zeit miteinander zu verbringen. Judith betont, dass Weihnachten eine gute Gelegenheit sein kann, bei Freund*innen und Familie nachzufragen und in bestehende Beziehungen zu investieren.

Außerdem empfiehlt sie, bewusst Räume zu schaffen, um neue Menschen kennenzulernen, zum Beispiel durch einen Sprachkurs, eine Gruppe oder einen Buchclub. Es gibt auch Apps wie Bumble im BFF-Modus, die nicht nur auf Dating ausgerichtet sind, sondern dabei helfen, neue Freundschaften zu knüpfen.

3. Klarheit gewinnen

Die Festtage bieten auch die Gelegenheit, deinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen auf den Grund zu gehen. Frag dich zum Beispiel: „Ist meine Einsamkeit eher dauerhaft oder einmalig, weil ich z.B. dieses Jahr Weihnachten in einem anderen Land verbringe? Was wünsche ich mir wirklich: mehr Freund*innen, eine Partnerschaft, ein Haustier…?“

Es kann außerdem helfen, offen über deine Gefühle zu sprechen, erklärt Judith: „Wenn wir unsere Gefühle benennen, werden sie greifbarer. Wir können nicht verarbeiten, was wir nicht fühlen oder aussprechen dürfen.“

Abschließende Gedanken

Nur weil du dich an Weihnachten vielleicht einsam fühlst, bedeutet das nicht, dass du „anders“ bist und schon gar nicht, dass dieses Gefühl für immer bleibt. Einsamkeit ist oft eine ganz normale Reaktion auf Umstände, die außerhalb deiner Kontrolle liegen. Richte deinen Blick auf das, was du beeinflussen kannst, und vergiss nicht, dir Unterstützung zu holen, wenn dir alles zu schwer wird.

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